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Wäsche richtig waschen: 12 Tipps, wie Sie umweltfreundlich waschen

Autor: K. Tölle, L. Wenzel, L. Wirag | Kategorie: Bauen und Wohnen | 02.06.2021

Wäsche richtig waschen: So geht umweltfreundliches Waschen
Foto: Shutterstock/Evgeny Atamanenko

Wäsche waschen ist eine kleine Wissenschaft für sich – vor allem, wenn man umweltfreundlich waschen will. Das ist gar nicht so leicht. Denn: Mit jedem Waschgang fließen Chemikalien und Plastik aus Kleidung und Waschmitteln in die Umwelt. ÖKO-TEST hat Ratschläge, wie Sie Ihren ökologischen Fußabdruck beim Waschen deutlich reduzieren.

Laut Umweltbundesamt (UBA) kann jedes Waschmittel Stoffe enthalten, die biologisch nur schwer oder überhaupt nicht abbaubar sind und die Gewässer schädigen. Auch ist nicht auszuschließen, dass Waschmittel Stoffe beinhalten, die sich in der Umwelt – und damit auch in Pflanzen, Tieren und Menschen – anreichern. "Wer wäscht, nimmt also in jedem Fall eine gewisse Umweltbelastung in Kauf", schreibt das Umweltbundesamt.

Glücklicherweise lassen sich viele Umweltfolgen beim Waschen zumindest eindämmen. Wir haben zahlreiche Tipps gesammelt, mit denen eine möglichst umweltfreundliche Wäsche gelingt.

1. Wäsche waschen: Nachhaltiges Waschmittel wählen

Die meisten Vollwaschmittel, die zurzeit auf dem Markt sind, nutzen verschiedene Formen von Kunststoffverbindungen, um bestimmte Produkteigenschaften zu erzielen. Die enthaltenen Kunststoffe sollen beispielsweise für weniger Schaum oder mehr Waschkraft sorgen. Letztlich handelt es sich dabei aber um flüssiges Plastik, das über Abwässer und Klärschlämme in die Umwelt gelangen kann, wo es unserer Meinung nach nichts zu suchen hat.

Unsere letzten Waschmittel-Tests zu Flüssigwaschmittel und Vollwaschmittel haben gezeigt, dass bislang nur wenige Waschmittel ohne solche Kunststoffverbindungen auskommen. Dabei geht es besser: Bei den Flüssigwaschmitteln erzielte zumindest ein Mittel – zugleich der Testsieger – ein "gutes" Waschergebnis, ohne dass wir darin problematische Inhaltsstoffe beanstanden mussten.

Unter den Vollwaschmitteln gab es zuletzt sogar zwei Produkte, die "gut" wuschen und inhaltlich mindestens "gut" waren. Wir können alle drei Waschmittel für ihre Kombination aus guter Waschleistung und überdurchschnittlicher Umweltbilanz empfehlen. Hier lesen Sie mehr:

Flüssigwaschmittel-Test: Nur eins mit "gut" empfehlenswert

2. Umweltfreundlich waschen = sparsam dosieren

Doch nicht nur die Wahl des Waschmittels schlägt sich in der Ökobilanz nieder, sondern auch die richtige Dosierung. Es gilt: Dosieren Sie Waschmittel so sparsam wie möglich. So wird Ihr Reinigungsprodukt nachhaltiger – unabhängig davon, welcher Markenname draufsteht.

Meistens reicht die Menge aus, die auf der Packung als Dosierangabe für "leicht verschmutzte Wäsche" angegeben ist. Viel hilft hier nicht viel, denn: Überdosierung macht Ihre Wäsche nicht sauberer, sondern verschlechtert nur die Umweltbilanz.

3. Wäsche waschen: Diese drei können Sie sich sparen

Verzichten Sie nach Möglichkeit auf Weichspüler und Hygienespüler sowie auf das Vorwäsche-Programm der Waschmaschine. Mit heutigen Waschmitteln und Waschmaschinen ist keine Vorwäsche mehr nötig, auch wenn viele Geräte die entsprechende Einstellung noch besitzen. Wenn Sie sich übrigens fragen, wofür das das dritte Dosier-Fach ganz rechts in Ihrer Waschmaschine gedacht ist – lassen Sie es weiterhin unbenutzt. Es ist ursprünglich für die Vorwäsche vorgesehen, die aber im Wesentlichen unnötig Energie verbraucht.

Weichspüler stellt grundsätzlich eine überflüssige Umweltbelastung dar. Die Zusätze, die in dem Waschzusatz enthalten sind, können nicht nur viel Chemie enthalten, sondern auch Duft-, Farb- oder Konservierungsstoffe, die Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen können. Ausnahmen stellen einige Bio-Weichspüler dar.

Ähnlich stellt sich die Situation bei Hygienespülern dar, die während der Coronapandemie besonders stark nachgefragt sind. Zwar töten sie tatsächlich Keime ab, enthalten aber laut den Verbraucherzentralen häufig quartäre Ammoniumverbindungen, die auch den Mikroorganismen in Kläranlagen oder Wasserorganismen schaden können. Sicher ist, dass sie zu einem gesteigerten Chemikalien-Eintrag in die Gewässer führen.

>> Lesen Sie dazu auch: Ekelerregende Inhaltsstoffe: Warum Sie auf Weichspüler verzichten sollten

Wer möglichst selten, möglichst voll und nicht zu heiß wäscht, tut der Umwelt einen großen Gefallen.
Wer möglichst selten, möglichst voll und nicht zu heiß wäscht, tut der Umwelt einen großen Gefallen. (Foto: Shutterstock/Monkey Business Images)

4. Wäsche waschen: Waschmittel selber bauen

Selbst wenn Sie auf Waschzusätze verzichten, haben Sie als Kunde am Waschmittel-Regal die Qual der Wahl: Es kommt flüssig oder als Pulver daher, als Waschei, -kugel oder -ball, als Waschnuss und seit einiger Zeit auch in Form von gelgefüllten Pods, Caps und Discs.

Ganz neu auf dem Markt sind sogenannte Waschblätter, die an Esspapier erinnern und mit der Wäsche in die Trommel gegeben werden. Sie sind in Drogeriemärkten zu haben. Waschblätter punkten mit besonders wenig Umverpackung, können aber nicht dosiert werden.

Nur: In welcher Form ist Waschmittel nun am nachhaltigsten? Pulver ist meistens die bessere Wahl, da Flüssigwaschmittel oft mehr Chemie enthalten, beispielsweise in Form von Konservierungsmitteln. Damit belasten sie Kläranlagen und Gewässer stärker als Pulver. Caps, Pods & Co. sehen schick aus, brauchen aber viel Platz für wenig Inhalt und können nicht dosiert werden.

Konventionelle Waschmittel enthalten häufig automatisch Fleckentferner und Enthärter. Fleckentferner benötigen Sie jedoch nur für stark verschmutzte Wäsche, Enthärter je nach Wassergrad gar nicht. Eine kluge Wahl sind deshalb Baukastensysteme, bei denen Sie Enthärter und Fleckentferner nur bei Bedarf zugeben und die Umwelt damit besonders rücksichtsvoll behandeln.

Die Alternative: Der Versuch, Waschmittel einfach mal selber zu machen. Lesen Sie dazu: Waschmittel aus Kastanien selber machen – so einfach geht's

5. Ökologisch waschen: Auf XXL-Versprechen pfeifen

Auch wenn wir Pulver empfehlen, sind die riesigen Jumbo­- oder XXL-Waschmittelpackungen völlig unnötig. Auch wenn sie mit einem (scheinbar) besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis werben.

Das Gegenteil kann der Fall sein: Die Giga-Packungen enthalten häufig reine Füllstoffe wie bestimmte Salze, die beim Waschen keine Funktion haben, dafür aber die Umwelt unnötig belasten. Setzen Sie stattdessen auf umweltschonendere Kompaktpulver.

6. Energie sparen beim Waschen

Nachhaltig zu waschen bedeutet nicht nur, auf umweltverträgliche Waschmittel zu setzen und unnötige Waschzusätze wegzulassen, sondern auch, beim Waschen möglichst viel Energie zu sparen. Sinnvoll ist es deshalb, seltener, energiesparender und effizienter zu waschen.

Seltener zu waschen bedeutet naheliegenderweise: Waschen Sie nur dann, wenn es nötig ist. Nicht alle Textilien müssen nach einmaliger Benutzung in die Waschmaschine gesteckt werden. Bei Pullovern und Hosen reicht oft gründliches Lüften.

Seltener wäscht auch, wer seine Maschine bei jedem Waschgang möglichst voll belädt. So ist garantiert, dass Wasser, Strom und Waschmittel so effizient wie möglich verwendet werden. Als Bonus schonen Sie so nicht nur die Umwelt, sondern auch Ihren Geldbeutel.

Und was ist mit den paar empfindlichen Stücken aus Wolle, Seide, Spitze & Co.? Die nur den Feinwaschgang vertragen, aber gemeinsam nie und nimmer eine volle Trommel ergeben? Hier kann die schnelle und schonende Handwäsche eine umweltfreundliche Alternative sein.

Wäsche richtig waschen: Auf der Leine trocknet die Wäsche allemal umweltfreundlicher als im Trockner.
Wäsche richtig waschen: Auf der Leine trocknet die Wäsche allemal umweltfreundlicher als im Trockner. (Foto: Shutterstock/Bpk Maizal)

7. Richtig waschen: So sparen Sie noch mehr Energie

Wer seltener wäscht, schont Ressourcen, aber auch, wer ganz klassisch Energie spart, indem er beim Waschen weniger Strom und Wasser verbraucht.

Ihre Waschmaschine erledigt das mit einem Knopfdruck für Sie, wenn sie ein Eco-Programm besitzt. Und keine Sorge, wenn der Öko-Durchlauf länger dauert als der gewöhnliche: Das Sparprogramm kommt mit weniger Wasser aus, das außerdem nicht so stark erhitzt wird. Um trotzdem die gleiche Waschleistung zu erzielen, muss der Eco-Modus deshalb länger laufen oder zwischen den Waschgängen längere Pausen machen.

Hinweis: Wer das längere Eco-Programm bei 60 Grad laufen lässt, bekommt die gleiche Waschleistung, die das Standard-Programm bei dieser Wassertemperatur erbracht hätte. Was viele nicht wissen: Im Öko-Modus wird das Wasser aber gar nicht erst auf 60 Grad erhitzt – trotz der anderslautenden Einstellung. Sonst könnte nicht wirklich Energie gespart werden.

Das bedeutet aber auch: Wenn Sie die Wäsche von kranken oder immunschwachen Personen waschen, sollten Sie den Eco-Modus sicherheitshalber meiden. Denn nur dann kann die Maschine auch wirklich die höheren Temperaturen erreichen, die nötig sind, um alle Keime abzutöten.

>> Lesen Sie auch: Eco-Modus der Waschmaschine: Wirklich gut für Geldbeutel und Umwelt?

8. Nachhaltig waschen mit der richtigen Temperatur

Nicht (zu) heiß waschen: Noch mehr Geld und Energie spart, wer leicht verschmutzte Buntwäsche nur bei 20 bis 30 Grad wäscht, was ausreichend ist. Auch bei Weißwäsche sind laut Umweltbundesamt (UBA) in der Regel nicht mehr als 40 Grad notwendig. 40 statt 60 Grad – das entspricht laut UBA einer Energieeinsparung von 35 bis 40 Prozent.

Wer seine Maschine möglichst voll belädt, spart Wasser, Strom und Waschmittel und schont so die Umwelt.
Wer seine Maschine möglichst voll belädt, spart Wasser, Strom und Waschmittel und schont so die Umwelt. (Foto: Shutterstock/Andrey_Popov)

9. Eine sparsame Waschmaschine wäscht nachhaltiger

Natürlich stellt sich nicht nur die Frage, wie die Waschmaschine befüllt und bedient wird, sondern auch, um welches Gerät es sich eigentlich handelt.

Besonders sparsame Elektrogeräte erkennen Sie daran, dass Sie eine besonders hohe Energieeffizienzklasse aufweisen. Sie findet sich auf dem bekannten EU-Energielabel. Bei Waschmaschinen war bis vor Kurzem die dunkelgrüne Klasse A+++ die beste Bewertung. Seit Anfang 2021 die Klassen für mehrere Gerätegruppen neu geordnet und Testverfahren angepasst wurden, steht bei neuen Waschmaschinen wieder Klasse A für die höchste Effizienz.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich ein sparsameres Neugerät anzuschaffen, sollten Sie zusätzlich zur Energieeffizienzklasse auch auf die Angaben zum Strom- und Wasserverbrauch achten. Sie tragen desto mehr zur Energiebilanz bei, je häufiger das Gerät benutzt wird und je länger dessen Lebensdauer ist.

Einen unabhängigen Vergleich verschiedener Neugeräte ermöglicht Ihnen die Online-Plattform EcoTopTen des Freiburger Öko-Instituts, wo Sie besonders energieeffiziente Waschmaschinen anhand verschiedener Kriterien – darunter auch Strom- und Wasserverbrauch – vergleichen können.

Waschmittel-Test: Lösliches Plastik in fast jedem Mittel

10. Umweltbilanz: Reparatur geht vor Neukauf

Was Sie bedenken sollten: Die meiste Energie verbraucht ein Haushaltsgerät in aller Regel nicht, während es betrieben wird, sondern bei seiner Herstellung. Dies gilt insbesondere für neuere Geräte, in denen viel Elektronik verbaut ist.

Eine besonders gute Ökobilanz, auf die Gesamtlebenszeit gerechnet, haben deshalb Elektrogeräte, die 1. gebraucht gekauft oder 2. fachkundig repariert werden. In beiden Fällen müssen weder Rohstoffe noch Herstellungs- und Transportaufwand in ein neues Gerät investiert werden, sondern höchstens in die Anschaffung von Ersatzteilen.

Das Öko-Institut rät deshalb dazu nicht nur dazu, eine Waschmaschine im Zweifel reparieren zu lassen, statt sie zu ersetzen, sondern auch dazu, bei einem Neukauf ein möglichst robustes und hochwertiges Gerät zu wählen, um eine möglichst lange Lebensdauer zu gewährleisten. Mehr Informationen des Öko-Instituts zu diesem Thema finden Sie hier.

Übrigens: Wer seine Waschmaschine regelmäßig putzt, entkalkt und das Flusensieb reinigt, verlängert die Lebensdauer seines Geräts und verkleinert so zugleich seinen ökologischen Rucksack.

>> Lesen Sie auch: Die Waschmaschine stinkt? So schaffen Sie Abhilfe mit Hausmitteln wie Natron, Essig & Co.

11. Nach dem Waschen? Trockner meiden

Umweltschonend ist es auch, wenn Sie möglichst auf einen separaten Wäschetrockner verzichten. Wäsche trocknet auch auf dem Ständer oder der Leine. Das spart nicht nur Energie, sondern schont auch die Textilien und erhöht ihre Lebensdauer.

12. Mikroplastik beim Waschen vermeiden

Aus Waschmitteln und Textilien finden winzige Plastikteilchen ihren Weg in die Umwelt, sei es als festes Mikroplastik oder in Form von flüssigen Kunststoffen. Was Sie dagegen unternehmen können, haben wir in einem separaten Artikel für Sie beschrieben: Waschen ohne Mikroplastik: 6 Ratschläge für weniger Plastik in der Wäsche

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