1. oekotest.de
  2. Tests
  3. Öko-Strom im Test: Das sind die besten Anbieter

Öko-Strom im Test: Das sind die besten Anbieter

ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs | Kategorie: Bauen und Wohnen | 24.11.2018

Öko-Strom im Test: Das sind die besten Anbieter

Anbieter, die tatsächlich nur Öko-Strom anbieten und so versuchen, die Energiewende voranzutreiben, sind immer noch die Ausnahme. Oftmals stecken hinter den Angeboten auch Anbieter, die gleichzeitig Atom- oder Kohlestrom verkaufen. Wir wollten wissen: Wie grün sind die 34 Öko-Stromangeboten der EcoTopTen wirklich?

Den Klimaschutzbericht der Bundesregierung 2018 kommentierte die Deutsche Umwelthilfe trocken: "Nicht überraschend, aber erschreckend." Denn die Große Koalition musste zugeben, dass das für Deutschland gesetzte Ziel, die Treibhausgasemission von 1990 bis 2020 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, klar verfehlt werde. Auch der anvisierte Öko-Stromanteil von 65 Prozent ist bis 2030 kaum zu erreichen.

Entega, Naturstrom, Lichtblick & Co. im Test: Nicht jeder Öko-Strom bringt die Energiewende voran

Dennoch steigt die Zahl der Öko-Stromkunden weiter an. Nach zuletzt veröffentlichten Angaben der Bundesnetzagentur haben sich 2016 bereits mehr als zehn Millionen private Haushalte für einen Öko-Stromtarif entschieden. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um drei Prozent. Der Anstieg beruht allerdings darauf, dass immer mehr Energieversorger Öko-Strom anbieten, oder das, was sie dafür ausgeben. So gab es auf dem Vergleichsportal Check24 im Sommer 2018 mehr als 8.000 Öko-Stromtarife von mehr als 1.000 Anbietern.

Nach einer Untersuchung des Vergleichsportals CHECK24 vom Juli 2018 in den 100 größten Städten Deutschlands liegt das Sparpotenzial für einen Vierpersonenhaushalt bei durchschnittlich 358 Euro jährlich, wenn Kunden vom Grundtarif in einen Öko-Stromtarif eines Anbieters wechseln, der die Öko-Stromproduktion nachweisbar in signifikantem Umfang fördert.

Also alles gut? Mitnichten. Neben den Pionieren am Markt wie Lichtblick, Naturstrom, EWS oder Greenpeace Energy, deren Angebote ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen stammen, bieten fast alle Stadtwerke, Großkonzerne und Billiganbieter Öko-Stromtarife an. Im gesamten Angebotsportefeuille setzen viele Unternehmen jedoch weiterhin vornehmlich auf Tarife mit Kohle- und Atomstrom, betreiben selber Kohle- und Kernkraftwerke oder sind wirtschaftlich mit Unternehmen verbunden, die solche Kraftwerke betreiben.

Öko-Strom im Test: Mehr als 8000 Öko-Stromtarife auf dem Markt

Wie können Kunden sicher gehen, mit der Wahl eines Anbieters und dessen Öko-Stromtarif wirklich etwas für die Umwelt und die Energiewende zu tun? Zwar existieren eine Vielzahl von Öko-Strom-Siegeln, tatsächlich ist es jedoch nahezu unmöglich, zu erkennen, welchen Wert sie jeweils haben. "Fast die Hälfte (45 Prozent) der Öko-Stromkunden geht davon aus, dass es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Labels gibt und alle für eine gute Qualität stehen", so das Ergebnis einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox. Natürlich definiert aber jeder Zertifizierer anders, was aus seiner Sicht guten Öko-Strom ausmacht.

Bundesweite Stromtarife, die die Prüfungen dieser Toplabel überstanden haben oder vergleichbare Zertifikate vorweisen, nehmen die Forscher des Freiburger Öko-Instituts in ihre EcoTopTen-Liste auf. Gelistet sind daher nur Anbieter, deren Öko-Stromangebot nach Anspruch des Öko-Instituts einen ökologischen Zusatznutzen aufweist, der über die staatliche Vorgabe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hinausgeht. Ein Beispiel hierfür ist der Zubau neuer ökologischer Kraftwerkskapazitäten. Insgesamt soll die Wahl eines solchen Öko-Stromprodukts also nach den Kriterien des Öko-Instituts auch für einen Beitrag zur Energiewende stehen.

Test Öko-Strom: 34 Anbieter der EcoTopTen-Liste auf dem Prüfstand

Wir haben daher die EcoTopTen-Liste als Grundlage für unseren Test genommen. Zudem haben wir nachgefragt, ob und in welchem Umfang die Anbieter dieser Top-Tarife auch konventionellen Strom aus Quellen wie Atomenergie oder Kohle verkaufen oder ob das Unternehmen aus ihrem Firmenverbund tun, die womöglich sogar Eigner oder Betreiber eines Atomkraftwerks sind. Entscheidend für das Gesamtergebnis ist daher nicht nur das konkrete Stromprodukt, sondern auch die energiepolitische Ausrichtung der Unternehmen, die dahinter steht. 

Das Ergebnis:  Ein "sehr guter" Tarif ist nicht alles. Von den 34 bundesweiten Öko-Stromangeboten der EcoTopTen, die wir im Tarif alle als "sehr gut" eingestuft haben, schaffen 19 auch das Gesamturteil "sehr gut". Nur diese Unternehmen verkaufen ausschließlich Öko-Strom nach den strengen Qualitätskriterien der EcoTopTen und sind zudem nach eigenen Angaben wirtschaftlich nicht mit konventionellen Anbietern verbunden.

Zwölf Anbieter führen neben dem sehr guten Öko-Tarif selbst auch konventionell produzierten Strom. Bei neun Anbietern bringt eine Firma aus dem Firmenverbund ein konventionelles Produkt auf den Markt. Ein Anbieter ist zwar auch mit konventionellem Strom am Markt, erhält aber trotzdem die Gesamtnote "gut", da das Unternehmen keinen Atomstrom im Energiemix führt. Auch der Anteil der Kohle ist bei diesem Anbieter mit 11,80 Prozent vergleichsweise gering. Das gilt ebenso für den Tarif eines weiteren Anbieters.

Öko-Strom im Test: Bei vier Anbietern im Firmenverbund auch Produzenten von Atomstrom

Vier der untersuchten Anbieter erhalten im Gesamturteil nur ein "ausreichend", weil sich in ihrem Firmenverbund Produzenten von Atomstrom befinden. Nur wegen ihrer sehr guten Öko-Tarife, die zu 50 Prozent im Gesamtergebnis gewichtet sind, werden sie nicht noch weiter abgewertet.

Die Testsieger, das Ergebnis im Detail, Tipps zum Vertragswechsel sowie Infos zu verlässlichen Stromlabeln: im ePaper.


Öko-Stromtarife: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

  • BayWa Ökoenergie

  • Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU)

  • Bürgerwerke

  • Die Heidelberger Solidarstromer

  • Die Ökostromer Edingen-Neckarhausen

  • Die Schriesheimer Ökostromer

  • EWS Elektrizitätswerke Schönau

  • Enspire Energie - Marke der Stadtwerke Konstanz

  • Fair Trade Power Deutschland

  • Greenpeace Energy

  • Klimaschutz+ Energiegenossenschaft

  • LichtBlick

  • Mann Naturenergie

  • Naturstrom

  • Polarstern

  • ProEngeno

  • Prokon Regenerative Energien

  • Solidarische Ökonomie Bremen

  • Stadtwerke Müllheim Staufen

  • Entega Energie

  • ProSiebenSat.1 Digital

  • BS-Energy - Braunschweiger Versorgungsgesellschaft

  • DB Energie

  • Energieversorgung Halle (EVH)

  • Geno Energie

  • Nord Stadtwerke

  • RhönEnergie Fulda

  • Stadtwerke Flensburg

  • Stadtwerke Münster

  • Wemag/Wemio

  • EnergieGUT

  • Energy4u

  • Pfalzwerke

  • Susi Energie

Öko-Strom im Test: Das sind die besten Anbieter

10 Seiten
Seite 120 - 129 im ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
vom 22.11.2018

Testverfahren

Die Auswahl: Grundlage für den Test waren die bundesweit verfügbaren Öko-Stromangebote, die das Öko-Institut in seine EcoTopTen aufgenommen hat. Die vollständigen Kriterien der EcoTopTen finden Sie unter: https://www.ecotopten.de/sites/default/files/ecotopten_kriterien_oekostrom.pdf

Das EcoTopTen-Kriterium Ökologie: Die Kriterien von EcoTopTen fordern, dass der Tarif einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen muss, der über die Anforderungen des EEG hinausgeht. Das bedeutet beispielsweise, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen bestimmten Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis zur Einhaltung der ökologischen Mindestkriterien kann durch eine gültige Zertifizierung mit dem Ok-Power-Label oder dem Grüner Strom Label erfolgen. Alternativ kann die Einhaltung durch unabhängige und fachkundige Gutachter zertifiziert werden. Es wird dann überprüft, ob das freie Zertifikat vergleichbar ist.

Das EcoTopTen-Kriterium Ökonomie: Die jährlichen Gesamtkosten der Öko-Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein. Das Öko-Institut vergleicht das mit dem Durchschnitt am Markt auf Basis der BDEW-Strompreisanalyse. Die Preisangaben basieren auf Herstellerangaben. Die Preise können teilweise, je nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet, variieren. 

Das ÖKO-TEST-Kriterium konventionelles Stromangebot: Hier haben wir erfasst, ob der Anbieter selbst neben zertifiziertem Öko-Strom noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/oder ob das bei einer Firma aus seinem Firmenverbund der Fall ist. Zudem interessierte uns der Strommix dieser Angebote. 

Die Bewertung: Wer sich für grünen Strom entscheidet, will etwas für die Umwelt tun und Unternehmen unterstützen, die sich dies zum Ziel gesetzt haben. Daher werten wir Angebote von Anbietern ab, die nebenbei oder sogar hauptsächlich konventionellen Strom verkaufen oder zur Unternehmensgruppe eines konventionellen Anbieters gehören, also mit ihnen in einem Firmenverbund stehen. Für die Angebote solcher Firmen kann es kein "sehr gut" im Gesamturteil geben. Noch strenger sind wir, wenn dem konventionellen Angebot Atomstrom beigemixt ist oder ein Atomkraftwerksbetreiber Teil des Firmenverbunds des Anbieters ist.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs

Erschienen am 22.11.2018

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.