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Holzlasuren für innen und außen: Nur eine Holzlasur im Test ist "sehr gut"

Magazin Februar 2020: Achtsam leben | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Bauen und Wohnen | 30.01.2020

Holzlasur-Test: Wir haben 20 Holzlasuren für draußen und drinnen überprüft. Im Fokus: Die Inhaltsstoffe.
Foto: ÖKO-TEST

Eine Holzlasur schützt Holz vor Ausbleichen und Verwitterung. Doch Vorsicht bei der Anwendung: Enthaltene Lösemittel können die Raumluft belasten und gesundheitsschädlich sein. Auch umstrittene Konservierer sind ein Problem. Im Test können wir aber auch neun Lasuren empfehlen. 

Holz ist ein besonderer Werkstoff: schön anzusehen, langlebig, mit guter Öko-Bilanz. Doch selbst der beste Fensterrahmen bleicht irgendwann einmal aus, der Zaun verwittert, und der antike Sekretär verliert seine Farbe. Ab und zu muss Holz aufpoliert werden. Wer vorbeugen, zugleich aber die schöne Maserung erhalten möchte, kann zu Holzlasuren greifen.

Holzlasuren gibt es auf Wasser- und Lösemittelbasis. Obwohl gelegentlich als "lösemittelfrei" ausgelobt, enthalten jedoch auch wasserbasierte Rezepturen oft Lösemittel. Sie dürfen es auch: Bis zu 130 Gramm pro Liter flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) erlaubt der Gesetzgeber.

Lösemittelbasierte Lasuren enthalten in der Regel deutlich mehr. Das ist problematisch, weil VOC beim Trocknen – und zum Teil auch lange danach – ausgasen und die Raumluft belasten.

Holzlasur-Test: Neun Lasuren sind empfehlenswert 

Wir haben 20 wasserbasierte Holzlasuren in einem mittleren Holzton wie Eiche getestet, darunter auch einige von Naturfarbenherstellern. Heimwerker können sie sowohl innen als auch außen einsetzen. 

Die wichtigsten Testergebnisse im Überblick 

  • Nur eine Holzlasur im Test bewerten wir mit der Bestnote "sehr gut". 
  • Vier Holzlasuren enttäuschen mit dem Testergebnis "mangelhaft" oder "ungenügend". 
  • Vermeintliche Öko-Produkte sind nicht besser als die anderen Holzlasuren im Test.
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Drei Holzlasuren gasen nicht aus 

VOC, als flüchtige organische Verbindungen, sind der Grund, warum das Ergebnis unseres Tests von 20 wasserbasierten Holzlasuren für außen und innen insgesamt durchwachsen ausfällt. Bestimmte VOC betrachtet ÖKO-TEST besonders kritisch: Acrylate, Aldehyde und problematische Glykole.

Ethylenglykole stecken in fast der Hälfte der Holzlasuren im Test. Warum das kritisch ist? Die nachgewiesenen Verbindungen reizen die Augen und zum Teil beim Einatmen die Schleimhäute. Acrylate und Aldehyde kritisieren wir in jeweils einer Holzlasur, ebenso wie einen Ersatzweichmacher. Die nachgewiesene Verbindung TXIB steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.

Positiv: Vier getestete Marken gasen fast gar nicht aus. Sechs der 20 Rezepturen belasten hingegen die Raumluft vergleichsweise stark.

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Wir können insgesamt neun Holzlasuren für draußen und drinnen mit "sehr gut" oder "gut" empfehlen.
Wir können insgesamt neun Holzlasuren für draußen und drinnen mit "sehr gut" oder "gut" empfehlen. (Foto: JFs Pic S. T/Shutterstock)

Kritik an Konservierern in Holzlasuren

Um die Lasur in der Dose haltbar zu machen, setzen die Hersteller meist Isothiazolinone ein. Immer mehr Menschen reagieren allerdings allergisch auf Methylisothiazolinon (MIT). In acht Holzlasuren im Test ist die Konzentration so hoch, dass wir sie bemängeln.

Besonders bedenklich sind Bor und Kobalt in einer getesteten Holzlasur, über die sich der Hersteller in seiner Deklaration ausschweigt. Bor und Borsalze stehen im Verdacht, fortpflanzungsgefährdend zu sein. Kobaltstäube gelten als krebserregend und können Allergien auslösen.  

Titandioxid steckt in zwei Holzlasuren

Kritik gibt es außerdem für Titandioxid: In den Lasuren von zwei Herstellern im Test liegen die Partikel fast komplett in winziger Größe unter 100 Nanometer vor. Das Problem: ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter und diese winzigen Partikel sind besonders gefährlich für die Lunge. Sie können sich dort einlagern. Die EU-Kommission sieht Titandioxid beim Einatmen kleiner Staubpartikel als vermutlich krebserregend an.

Holzlasuren sind zwar ein flüssiges Gemisch, beim Schleifen vor Zwischen- oder Folgeanstrichen werden die winzigen Partikel aber wahrscheinlich freigesetzt. Die Hersteller weisen auf den Verpackungen allerdings nicht auf Nanoverbindungen hin. ÖKO-TEST hält eine solche Information für den Verbraucher für unerlässlich.  

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Das sollten Sie über Holzlasuren wissen 

Holz: Lackieren oder Lasieren? 

Wer die Holzmaserung erhalten möchte, greift zu einer Lasur. Sie enthält weniger Farbpigmente und ist daher transparent. Sie bildet nur einen schwachen Film aus. Das Holz bleibt offenporig, kann so besser atmen und die Feuchtigkeit abführen.

Welche Holzlasuren sind für draußen geeignet? 

Eine Lackschicht bekommt im Freien schnell Risse, sodass Feuchtigkeit eindringen und Anstrich und Holz angreifen kann. Für draußen sind nur farbige Holzlasuren geeignet. Die Farbpigmente darin schützen das Holz vor UV-Strahlung. Einen Schutz gegen Bläuepilze und andere Organismen bietet eine Lasur nicht. Das leisten nur Holzschutzmittel mit bioziden Wirkstoffen.

    Auf einen Blick: ePaper mit allen Ergebnissen aus unserem Test

    Holzlasur auf Wasser- und Lösemittelbasis: Was ist besser? 

    Lösemittelbasierte Lasuren dringen tiefer ins Holz ein. Dadurch sind sie wetterbeständiger als wasserbasierte. Draußen, etwa bei Gartenmöbeln, ist das von Vorteil. Innen eignen sich besser wasserbasierte Lasuren.

    Dünnschichtlasur oder Dickschichtlasur?

    Eine Dünnschichtlasur ist flüssiger und recht ergiebig. Sie dringt tiefer ins Holz ein und schützt es von innen. Allerdings verzieht sich das Holz auch durch die eindringende Feuchtigkeit. Deshalb ist sie nicht für Bauteile wie Fenster geeignet. Sie verbleicht in der Witterung relativ schnell und benötigt Folgeanstriche.

    Eine Dickschichtlasur hat eine zähere Konsistenz. Sie verbleibt mehr auf der Oberfläche. Sie eignet sich für Bauteile, die sich nicht verziehen dürfen, etwa Fensterrahmen, Türen und Möbel oder bei harten Hölzern. Sie neigt nach einiger Zeit zum Aufplatzen, vor allem draußen in der Witterung.

    Holzlasur: Was bei der Anwendung zu beachten ist 

    1. Am besten die Lasur vorher auf einer kleinen Musterfläche ausprobieren. In jedem Fall nach dem Auftragen gut lüften.

    2. Beim Abschleifen von Holz unbedingt eine Staubmaske tragen. Holzstaub ist gesundheitsschädlich.

    Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

    Weiterlesen auf oekotest.de:


    Testverfahren

    Wir haben 20 wasserbasierte Holzlasuren in einem mittleren Holzton wie Eiche oder Ähnlichem eingekauft, darunter auch einige von Naturfarbenherstellern. Heimwerker können sie sowohl innen als auch außen einsetzen.

    Auch wasserbasierte Produkte weisen in der Regel noch eine gewisse Menge an Lösemitteln auf. Deshalb interessierte uns vor allem, wie viele flüchtige organische Verbindungen (VOC) sie enthalten, die beim Streichen ausgasen, und inwieweit sich darunter bedenkliche Verbindungen wie Aromaten, Aldehyde, Acrylate oder Ethylenglykole befinden. Häufig setzen die Hersteller auch Konservierungsmittel ein, vor allem Isothiazolinone, damit die Lasur nicht bereits in der Dose verdirbt. Auch darauf haben wir die Lasuren prüfen lassen, ebenso auf Schwermetalle und andere Elemente.

    Daneben nahmen wir auch die Deklarationen unter die Lupe. Sind Warnhinweise vorhanden? Werden die Verbraucher ausreichend informiert, zum Beispiel über Konservierungs- und weitere Inhaltsstoffe, über Schutzmaßnahmen und über Nanopartikel in der Rezeptur? Ist eine Allergikerhotline vorhanden?

    Bewertungslegende

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 100 mg/kg Bor. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Ethylenglykole (in der Tabelle "Glykole"); b) mehr als 100 mg/kg flüchtige Acrylate; c) mehr als 100 mg/kg Aldehyde; d) mehr als 1.000 mg/kg des Ersatzweichmachers TXIB (Trimethylpentandioldiisobutyrat); e) mehr als 1.000 mg/kg Dimethylaminoethanol; f) in der Summe mehr als 50.000 mg/kg flüchtige organische Verbindungen (TVOC) nach Abzug der Gehalte der VOC-Einzelverbindungen und/oder VOC-Gruppenverbindungen, die separat abgewertet wurden; g) mehr als 50 mg/kg Methylisothiazolinon; h) mehr als 100 mg/kg Kobalt. Als Spuren werden Isothiazolinongehalte unter 15 mg/kg bezeichnet. VOC-Gehalte von unter 1.000 mg/kg werden als sehr gering, von 1.000 bis kleiner 10.000 mg/kg als gering und von 10.000 bis 50.000 mg/kg als akzeptabel bezeichnet.

    Bewertung Testergebnis Deklaration: Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine oder unzureichende Hinweise auf der Verpackung zu Schutzmaßnahmen beim Schleifen und ggf. beim Spritzen (Schleifen: Staubfilter P2; Spritzen: Kombifilter A2/P2; als unzureichend gelten die Formulierungen "übliche Schutzmaßnahmen" und "Spritznebel nicht einatmen"); b) keine Angabe zu Inhaltsstoffen auf der Verpackung; c) keine oder unvollständige (nur Warnhinweis BIT) Angabe zu Konservierungsmitteln auf der Verpackung; d) kein Hinweis auf Nanopartikel (hier Titandioxid). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Auslobung "lösemittelfrei" und/oder "VOC-frei" bei einem Produkt mit einem VOC-Gehalt ab 700 mg/kg; b) deklarierter VOC-Gehalt um mehr als 20 Prozent überschritten; c) Angabe der Inhaltsstoffe nur im Technischen Merkblatt; d) keine Allergikerhotline auf dem Etikett; e) Allergikerhotline nicht erreichbar ("Keine Verbindung unter dieser Telefonnummer").

    Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Deklaration, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Deklaration, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.  

    Testmethoden 

    Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmmung des Halogengehalts. Elemente: DIN EN 16711-1 (04/2014) Bestimmung von Metallen - Mikrowellenaufschluss, Homogenisierung des Probenmaterials, Totalaufschluss in der Mikrowelle in Hochdruckgefäßen mit Salpetersäure; quantitative Bestimmung gemäß DIN EN ISO 17294-2 (01/2017) "Bestimmung von 62 Elementen durch ICP-MS", Verwendung von Rhodium und Rhenium als interne Standards, Kalibrierung des ICP-MS mittels Multielementstandards (simple linear). Partikelgröße und -verteilung von Titandioxid: Herstellung einer wässrigen Dispersion durch Behandlung mit einer Ultraschallsonotrode, Single Partikel ICP/MS. Flüchtige organische Verbindungen (TVOC): in ­Anlehnung an DIN EN ISO 11890-2, GC/MS nach Extraktion; nicht identifizierbare Verbindungen im Siedebereich C6–C16 berechnet als Toluol-d8-Äquivalent. Siloxane, Acrylate: Headspace-GC/MS nach Extraktion. Dimethylaminoethanol: in Anlehnung an DIN EN ISO 11890-2, GC/MS nach Extraktion. Aldehyde: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Formaldehyd/-abspalter: in Anlehnung an VdL-PL-03, Fotometrie nach Wasserdampfdestillation und Derivatisierung. Isothiazolinone, Zinkpyrithion: HPLC/DAD nach Extraktion.

    Einkauf der Testprodukte: Oktober bis November 

    Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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