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19 Antischimmel-Wandfarben im Test

ÖKO-TEST März 2018
vom 22.02.2018

Wandfarben, Antischimmel

Keime Lösung

Spezielle Antischimmelfarben sollen dem Pilzbefall in Innenräumen vorbeugen. Ob sie das dauerhaft können, ist zweifelhaft. Fest steht hingegen, dass viele gesundheitlich bedenkliche Biozide und allerhand weitere schädliche Substanzen enthalten. Im Test ist mehr als ein Drittel "ungenügend".

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22.02.2018 | Schimmelbefall in der Wohnung ist nicht nur hässlich anzusehen, sondern auch gesundheitsschädlich. Studien belegen Zusammenhänge mit zahlreichen Allergien und Atemwegserkrankungen. Als gesichert gilt etwa, dass bestimmte Schimmelpilzarten Asthmabeschwerden verstärken oder zu Atemnot führen können.

In der Wohnung verteilen sich die Schimmelpilzsporen über die Luft. Wenn sie ein feuchtes Raumklima oder einen geeigneten, feuchten Untergrund vorfinden, wachsen die Schimmelpilze. Anfällig sind vor allem Materialien, an denen organische Partikel wie Hausstaub, Fasern und Hautschuppen gut haften können. Das sind beispielsweise viele Tapeten, Papier, Pappe und Holz. Einige Schimmelpilzarten gedeihen bereits bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent. Teilweise vergehen aber Wochen und Monate, bevor der pelzartige Bewuchs an Wand und Decke sichtbar wird.

Im Baumarkt finden sich spezielle Wandfarben mit deklarierter Antischimmelwirkung. Nach gründlicher Reinigung befallener Stellen sollen solche Anstriche langfristig ein neues Pilzwachstum unterbinden und vor allem in Feuchträumen wie Bädern oder Küchen vorbeugend wirken. Leider enthalten sie in der Regel Biozide. Das sind Wirkstoffe, die schädliche Organismen wie Pilze zerstören sollen, die aber mitunter nicht nur für Schimmel verheerend sein können, sondern auch problematisch für Mensch und Umwelt.

Besonders gängig in Innenraumfarben sind die Biozide Octylisothiazolinon (OIT), Jodpropinylbutylcarbamat (JPBC) und Zinkpyrithion: Diese Substanzen gelten als stark gewässergefährdend, können allergische Reaktionen hervorrufen. "Sie lösen sich nur sehr langsam, aber durch Ausdünstungen und Farbabrieb sind nach und nach Belastungen von Raumluft und Hausstaub möglich", sagt Baubiologe Dr. Manfred Mierau.

Umstritten sind die Antischimmelfarben aus Expertensicht aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Wegen des flüchtigen Charakters vieler biozider Wirkstoffe sei zu bezweifeln, ob entsprechend ausgerüstete Farbe überhaupt langfristig wirken könnte. "Wo dauerhaft feuchte oder kühle Bedingungen vorliegen, halte ich Schimmelwachstum mit der Zeit immer für möglich", sagt Mierau.

Als sinnvoll erachtet der Experte in besonderen Fällen hingegen den Einsatz von Kalkfarben. In Altbaukellern etwa, in denen sich die Feuchteursache teils nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand beseitigen lasse, könnten sie den pH-Wert der Wände so erhöhen, dass Schimmel nicht wachsen könne. Der Wirkstoff Calciumhydroxid - als Löschkalk bekannt - gilt im rechtlichen Sinne auch als Biozid. Es ist aber vergleichsweise unproblematisch. Kalkfarben gelten als langlebig, umwelt- und gesundheitsverträglich. Allerdings helfen auch sie bei etlichen Schimmelproblemen in der Regel nicht weiter, weil sie die Ursache des Befalls nicht beheben.

Wenn nicht gerade Wasserschäden oder starke Baumängel die Wurzel des Übels sind, geht Schimmelbefall an Wänden oft auf die Raumnutzer selbst zurück. Häufig begünstigen unsachgemäßes Heize

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Baumärkten und Fachgeschäften haben wir 19 weiße Farben gegen Schimmel eingekauft. Rund die Hälfte ist explizit als Antischimmelfarbe ausgelobt, die meisten anderen als Bad- und/oder Küchenfarbe mit entsprechender Wirkformel. Preislich liegen die eingekauften Produkte zwischen 50 Cent und knapp 3,50 Euro pro Quadratmeter Anstrichfläche.

Die Inhaltsstoffe
Biozide, speziell Fungizide, sollen das Schimmelwachstum unterbinden, viele davon sind aber gesundheits- und/oder umweltschädigend. Wir wollten wissen, welche antimikrobiellen Wirkstoffe in den eingekauften Farben stecken. Auch hat uns interessiert, ob aus den Produkten flüchtige organische Substanzen (VOC) ausgasen und ob sie umstrittene und/oder bedenkliche Konservierungsstoffe enthalten: Besonderes Augenmerk haben wir auf allergieauslösende Isothiazolinone und Formaldehyd/-abspalter gelegt.

Die Deklaration
Von Rechts wegen sind Volldeklarationen nicht vorgeschrieben. Die Hersteller müssen jedoch Biozide/Fungizide und bestimmte Konservierungsstoffe auf den Farbdosen benennen und entsprechende Warnhinweise aufführen. Wir haben überprüft, ob sie ihren Pflichten nachkommen. Außerdem haben wir abgeglichen, inwieweit die deklarierten Wirkstoffe den vorliegenden Laborergebnissen entsprechen.

Die Bewertung
Bedenkliche Wirk- oder Konservierungsstoffe werten wir streng ab. Notenabzüge gibt es zudem für irreführende und/oder unvollständige Herstellerangaben.

So haben wir getestet

Hingeschaut: Uns hat besonders interessiert, welche Biozide und Konservierer deklariert sind.