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ÖKO-TEST Juli 2016
vom

Algen- und Grünbelagsentferner

Green Washing

Gegen unschöne Grünbeläge auf Terrassen und Gartenwegen gibt es in Baumärkten zahlreiche Reiniger. Doch deren biozide Wirkstoffe belasten die Umwelt, denn sie gelangen in Böden und Gewässer. Empfehlen können wir daher keines der Produkte. Eines ist sogar nicht verkehrsfähig.

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30.06.2016 | Bilden sich auf Terrassen und Wegen unerwünschte Grünbeläge, handelt es sich meist um Algen, Flechten und andere pflanzenartige Mikroorganismen. Algen entstehen überall, wo es feucht ist, also nicht nur im Wasser, sondern auch auf Terrassen, Gehwegen, Fassaden. Vor allem wenn sie schattig liegen und lange Zeit feucht bleiben. In erster Linie sind sie ein optisches Problem, allerdings kann es bei Feuchtigkeit auch mal ganz schön rutschig werden.

Wer Grünbeläge loswerden will, kann zu speziellen Mitteln greifen: Die chemischen oder biologischen Wirkstoffe, die den vermeintlichen Schadorganismen den Garaus machen sollen, bezeichnet man als Biozide. Doch sie greifen auch Mensch und Umwelt an. Seit rund 20 Jahren befassen sich Experten auf europäischer Ebene mit diesem Problem. Seither sollen die Wirkstoffe reduziert und reglementiert werden. Startschuss dafür war 1998 die Biozidprodukte-Richtlinie, die 2012 von einer Biozid-Verordnung abgelöst wurde. Der Bewertungs- und Zulassungsprozess der Wirkstoffe und Produkte ist bis heute im Gang.

Dazu mussten die Hersteller zunächst alte Wirkstoffe melden und die Produkte registrieren lassen. Dieser Schritt ist an der Registriernummer am Produkt erkennbar. Außerdem muss der Wirkstoff und seine Konzentration auf der Verpackung genannt werden. Aktuell werden diese sogenannten Altstoffe nach und nach bewertet und für bestimmte Einsatzzwecke zugelassen oder auch nicht. Grundsätzlich fordert die Gesetzgebung, den Einsatz von Bioziden auf das notwendige Mindestmaß zu beschränken.

Was nun enthalten die Grünbelagsentferner? In ihnen stecken vor allem quartäre (auch "quaternäre" genannt) Ammoniumverbindungen wie Benzalkoniumchlorid und andere, die als akut wassergefährdend gelten. In der verdünnten Form müssen die Produkte nicht immer als umweltgefährlich gekennzeichnet werden, aber die Umwelt wird bei einem Einsatz im Freien auf jeden Fall geschädigt. Schließlich kann der Anwender bei aller Sorgfalt gar nicht verhindern, dass die Mittel zum Beispiel durch die Fugen in Gewässer und ins Grundwasser gelangen.

Ein weiterer eingesetzter Wirkstoff ist Nonansäure, auch Pelargonsäure genannt, eine Fettsäure, die in der Natur in Storchenschnabelgewächsen wie den namensgebenden Pelargonien vorkommt. Alles andere als schön sind ihre Eigenschaften, was die menschliche Gesundheit angeht: Wie die quartären Ammoniumverbindungen auch, können sie Haut, Schleimhäute und Augen reizen, pur oder wenig verdünnt sogar ätzen. Nonansäure gilt nach bisherigem Kenntnisstand jedoch immerhin als biologisch abbaubar und nicht akut wassergefährdend.

Das Umweltbundesamt will dennoch keinen bioziden Wirkstoff als noch vertretbar oder das geringere Übel ansehen und spricht sich eindeutig für nicht chemische Alternativen aus: "In vielen Bereichen können Grünbeläge zum Beispiel mithilfe von Hochdruck- und Dampfreinigern entfernt werden", empfiehlt Dr. Beatrice Schwarz-Schulz von der Umweltbehörde.

ÖKO-TEST hat fünfzehn Grünbelagsentferner eingekauft - darunter zwei, die sich als "Bio" bezeichnen - und sie in Analyselabore geschickt. Zudem hat ein Institut ihre Anwendung in der Praxis überprüft.

Das Testergebnis

Bescheiden. Aufgrund der Gefahren für Gesundheit und Umwelt, die die bioziden Wirkstoffe mit sich bringen, und zahlreicher Deklarationsmängel schneiden die Grünbelagsentferner nur mittelmäßig bis schlecht ab. Die meisten Produkte reihen sich in der unteren Notenhälfte ein. Ein als "Bio" ausgelobtes Produkt ist sogar "nicht verkehrsfähig".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer haben in Baumärkten und Gartenfachgeschäften 15 verschiedene Mittel eingekauft, die Algen und ähnliche Grünbeläge auf Terrassen, Gehwegen oder anderen Oberflächen entfernen sollen. Sie werden als Konzentrat oder anwendungsfertig angeboten. Zwei davon sind als Bio-Reiniger ausgelobt.

Die Inhaltsstoffe
Die Grünbelagsentferner sind Biozidprodukte. Das hat in der Regel negative Auswirkungen auf Mensch und Natur. Daher sind sie reglementiert und müssen registriert und künftig auch explizit zugelassen sein. Zu den Wirkstoffen gehören quartäre Ammoniumverbindungen und Nonansäure. Wenn die Deklaration unklar war, ließen wir im Labor nach dem Wirkstoff forschen. Produkte mit Parfüm wurden zudem auf bedenkliche Duftstoffe untersucht. Außerdem wollten wir wissen, inwieweit die Grünbelagsentferner umstrittene halogenorganische Verbindungen enthalten.

Die Praxisprüfung
Grünbelagsentferner sollen gegen Algen und andere Grünbeläge wirken. Wir ließen Sie auf drei verschiedenen Materialien einwirken: auf Betonpflaster mit einem leichten, aber deutlichen Grünbelag, auf eine Holzgartenbank mit einem satten, über mehrere Jahre entstandenen Besatz und auf Granitsteinen, die über Winter im Freien lagerten. Dazu wurden die Reiniger pur eingesetzt beziehungsweise verdünnt, wenn der Hersteller das Produkt ausschließlich so empfiehlt. Wenn beide Anwendungen möglich sind, wurde auf Betonpflaster in beiden Versionen getestet.

Die Weiteren Mängel
Hier prüften wir unter anderem, ob die wichtigsten Anforderungen, die die Detergenzien-Verordnung an die Produkte stellt, erfüllt sind.

Die Bewertung
Die bioziden Wirkstoffe und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt stehen für uns im Mittelpunkt. Wenn die Wirkung der Produkte dann noch zu wünschen übrig lässt, kann dies das Gesamtergebnis verschlechtern.

So haben wir getestet

Die Grünbelagsentferner werden satt aufgesprüht und wirken dann meist 24 Stunden ein. Anschließend werden die Reste abgefegt.