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Schwermetall und Konservierungsstoffe: Landesamt bemängelt Tattoofarben

Außerdem: Tipps für sichere Tattoos

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Kosmetik und Mode | 16.11.2019

Schwermetall und Konservierungsstoffe: Landesamt bemängelt Tattoofarben
(Foto: CC0 / Unsplash.com / Allef Vinicius)

Das Landesamt für Lebensmittelsicherheit beanstandet in einer Untersuchung fast jede zweite Tattoofarbe. Wir erklären, warum die Farben so problematisch sind – und geben Tipps und Hinweise zu einer möglichst sicheren Tätowierung.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LAFF) hat 14 Tattoofarben untersucht und sechs davon beanstandet. In zwei Proben fand das Amt einen zu hohen Cadmium-Gehalt, das Schwermetall gilt als gesundheitsschädlich. Zwei andere Tattoofarben enthielten einen nicht deklarierten Konservierungsstoff, zwei weitere waren fehlerhaft gekennzeichnet. Positiv bemerkten die Prü­fer hingegen, dass die untersuchten Farben nicht mit Keimen belastet waren.

Die amtliche Analyse umfasst zehn schwarze und vier farbige Produkte aus unterschiedlichen Tattoostudios. Von den 14 auf Schwermetalle und Konservierungsstoffe untersuchten Farben stammen acht aus den USA, drei aus Deutschland, drei von unbekannten Herstellern.

Probleme mit Tattoofarben jahrzehntelang bekannt

Probleme mit Tattoofarben und dem Tätowieren selbst sind den Ämtern und ÖKO-TEST seit Jahrzehnten bekannt. Als wir Tattoofarben vor einigen Jahren zuletzt untersuchten, sprachen wir sogar von einem "Behördenskandal". Tattoos können zu Infektionen, Allergien und Narben führen und sind insbesondere in der Schwangerschaft bedenklich. Die Gesetzeslage ändert sich trotzdem nur langsam – und das, obwohl in Deutschland rund  zwölf Prozent der Bevölkerung tätowiert sind, unter jüngeren Menschen ist der Prozentsatz deutlich höher. Die Tendenz: steigend.

Tattoofarben können aus vielen Einzelsubstanzen bestehen, für die bisher oft eine Bewertung fehlt, ob sie ohne Bedenken in den Körper eingebracht werden können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass noch zu wenig darüber bekannt sei, wie Farbpigmenten im Körper wirken. Die Inhaltsstoffe einiger spezieller Tätowiermittel, die etwa unter Neonlicht leuchten, sind sogar weitgehend unbekannt.

Die Farbpigmente können laut BfR ins Lymphsystem und zu anderen Organen wandern, wo sie – aufgrund ihrer chemischen Struktur oder durch Verunreinigungen – zum Gesundheitsrisiko werden können. Eine Positivliste mit gesundheitlich unbedenklichen Farben existiert laut BfR bisher nicht: Es ist deshalb nicht möglich, anzugeben, ob es überhaupt unbedenkliche Tattoofarben gibt, und wenn ja, welche.

Tattoofarben bedürfen keiner Zulassung

Tattoofarben erweisen sich auch deshalb immer wieder als problematisch, weil sie in Deutschland keiner Zulassung bedürfen. Stattdessen ist der Hersteller für die Sicherheit der Farben verantwortlich. Auch fehlt eine verbindliche europäischen Gesetzgebung, die frühestens 2021 in Kraft treten könnte.

Zwar sind bekannte gesundheitsbedenkliche Stoffe durch die deutsche Tätowiermittelverordnung seit 2009 untersagt. Da viele Farben aber aus unsicheren Quellen bezogen werden, ist das Risiko vergleichsweise hoch. "Tätowierfarben stellen aufgrund ihres Einbringens in den Körper, ihrer Zusammensetzung, einer großen Zahl an Onlineanbietern aus Nicht-EU-Ländern sowie eventueller Fälschungen ein hohes Risiko für die menschliche Gesundheit dar", erläutert LAFF-Abteilungsleiterin Cornelia Trapp.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte zuletzt im August 2019, dass nicht nur Farben, sondern auch Tattoonadeln problematisch werden können: Aus den Nadeln können sich metallene Mikro- und Nanoteilchen lösen, die sich in der Haut und den Lymphknoten ablagern. Anfang 2018 hat das BfR sich auch in seinem Wissenschaftsmagazin (Link zum PDF) mit dem Thema beschäftigt.

Sichere Tattoos: Wie Sie sich schützen können

Wenn Sie über ein Tattoo nachdenken, beachten Sie bitte folgende Hinweise und Tipps:

  • Schwangere und Menschen mit Nickelallergie sollten sich nicht tätowieren lassen. Diabetiker, Bluter, Herzkranke, Menschen mit Hautproblemen, anderen Allergien, Wunden oder Immunschwäche sollten sich ärztlich beraten lassen, bevor sie ein Tattoostudio aufsuchen.
  • Für auftretende Komplikationen oder für die Entfernungen eines Tattoos ist der Tätowierte in der Regel selbst haftbar. Auch sollte man wissen, dass sich Tattoos häufig nicht wieder spurlos entfernen lassen. Und: Auch bei der Entfernung können Risiken entstehen.
  • Bei unsachgemäßem Vorgehen ist die Entzündungs- und Verletzungsgefahr groß. Mangelnde Hygiene im Studio kann sogar zu schweren Infektionen wie einer HIV- oder Hepatitisinfektion führen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellt hier eine Liste bereit, um ein sicheres Studio zu finden.
  • Lesen Sie die Liste der Inhaltsstoffe auf der Tätowiermittel-Flasche sorgfältig und prüfen Sie, ob das Mittel möglicherweise im europäischen Schnellwarnsystem Rapex als bedenklich gemeldet ist. Die Farben sollten mit Name und Anschrift des Herstellers, Inhaltsstoffen, Chargennummer, Mindesthaltbarkeitsdatum und Angaben zur Haltbarkeit nach dem Öffnen beschriftet sein.
  • Für Permanent Make-up werden ebenfalls Tattoofarben verwendet.

Quellen: LAFF, BfR, BMEL, Verbraucherzentrale

Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu Gesundheitsthemen.

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