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Sagrotan-Handseife im Test: "Ungenügend" wegen bedenklicher Inhaltsstoffe

Autor: Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Kosmetik und Mode | 05.01.2021

Die Sagrotan Handseife fällt im Test durch.
Foto: ÖKO-TEST

Um Viren, Bakterien und Schmutz von den Händen zu entfernen, nutzen wir mehrmals täglich Seife. Umso wichtiger ist es, dass die verwendete Seife die Hautstruktur schont. In unserem Test stellt sich allerdings heraus, dass einige Flüssigseifen problematische Inhaltsstoffe enthalten – so auch die Sagrotan-Handseife mit Aloe Vera.

"Sanft zur Haut und stark zu Bakterien" – so bewirbt der Hersteller Reckitt Benckiser seine Sagrotan Flüssige Handseife Aloe Vera auf der Unternehmenswebsite. Von einer idealen Kombination aus Pflege und zuverlässigem täglichen Schutz ist dort weiter die Rede.

Ideal ist die Rezeptur aus unserer Sicht allerdings nicht. Ganz im Gegenteil: Die Sagrotan-Handseife ist einer der Testverlierer in unserem Seifen-Test. Gemeinsam mit drei weiteren Handseifen erhält sie die Note "ungenügend". Dafür gibt es mehrere Gründe. 

Bedenklicher Konservierer in der Sagrotan-Handseife

So hat das von uns beauftragte Labor in der Sagrotan-Handseife den bedenklichen Konservierungsstoff Chlormethylisothiazolinon (CIT) nachgewiesen. Dieser gilt als starkes Allergen. Seine Verwendung ist durch den Gesetzgeber stark reglementiert. So darf CIT nur noch in Kosmetikprodukten eingesetzt werden, die zum Abspülen gedacht sind und auch dort nur in festgelegten Mengen.

Wir meinen, dass es auch ohne Chlormethylisothiazolinon gehen muss. Manche Hersteller sehen das aber anders. Neben der Sagrotan-Handseife steckt der Inhaltsstoff noch in drei weiteren getesteten Produkten.

Häufiges Händewaschen ist gerade in Corona-Zeiten wichtig.
Häufiges Händewaschen ist gerade in Corona-Zeiten wichtig. (Foto: Maridav/Shutterstock)

Kritik für verwendete Tenside

Ein weiterer Kritikpunkt an der Sagrotan-Handseife sind die verwendeten Tenside. Diese waschen Schmutz, Bakterien und Viren von der Haut, lösen aber auch hauteigene Fette aus der Hautschutzbarriere. Sagrotan setzt in seiner Rezeptur auf PEG-Verbindungen. Das Problem daran: Diese können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Zum Vergleich: Damit ist der Hersteller nicht alleine. In 36 der 55 getesten Handseifen stecken PEG-Verbindungen, allen voran das Tensid Sodium Laureth Sulfate. Hersteller setzen es gerne ein, weil es ein kostengünstiger Rohstoff ist. Dass es auch anders geht, zeigen einige andere Produkte. In ihnen stecken beispielsweise Zuckertenside, die milder zur Haut sind.

Darüber hinaus beanstanden wir die Verwendung synthetischer Polymere in der Sagrotan-Handseife. Diese Kunststoffverbindungen beeinflussen in Kosmetika unter anderem die Konsistenz. Das Problem: Sie sind umweltschädlich, weil sie zum Teil schwer abbaubar sind und nicht vollständig aus dem Wasser geklärt werden können.

Sagrotan-Handseife: Antibakterielle Wirkung zweifelhaft

Neben der Reinigungsleistung bewirbt Sagrotan auch die antibakterielle Wirkung seiner Handseife. Dafür verwendet der Hersteller den Wirkstoff Salicylsäure. Wir haben das Unternehmen gebeten, uns einen Nachweis für das antibakterielle Versprechen vorzulegen. Eine überzeugende, produktbezogene Studie für die Effizienz dieses Wirkstoffes hat uns der Hersteller auf unsere Anfrage jedoch nicht vorgelegt.

Auch ist generell umstritten, ob antibakterielle Seifen im Alltag im Allgemeinen besser gegen Keime wirken als herkömmliche Handseifen. Uns sind bisher keine überzeugenden Studien bekannt, die einen Unterschied ermitteln konnten. Gleichzeitig sind die in Kosmetika verwendeten antibakteriellen Wirkstoffe keinesfalls unbedenklich. 2016 verbot die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA beispielsweise rund 20 solcher Stoffe aufgrund ihrer gesundheitlichen Risiken.

Im Winter ist die Haut oft trocken. Gut, wenn Flüssigseifen sie nicht mit kritischen Inhaltsstoffen reizen.
Im Winter ist die Haut oft trocken. Gut, wenn Flüssigseifen sie nicht mit kritischen Inhaltsstoffen reizen. (Foto: finwal89/Shutterstock)

So setzt sich das Gesamturteil zusammen

Weil die Sagrotan Flüssige Handseife Aloe Vera den Konservierungsstoffs Chlormethylisothiazolinon enthält, ziehen wir zwei Noten ab. Eine weitere Note Abzug gibt es für die in der Rezeptur enthaltenen PEG-Verbindungen. Deswegen lautet das Teilergebnis Inhaltsstoffe "ausreichend". 

Zusätzlich Notenabzüge kassiert das Produkt, weil der Hersteller für die auf der Packung ausgelobten antibakteriellen Wirkung aus unserer Sicht keine vollständige, überzeugende Wirksamkeitsstudie vorgelegt hat und die Rezeptur darüber hinaus noch weitere, umweltschädliche Kunststoffverbindungen enthält. Deswegen lautet das Teilergebnis Weitere Mängel "ungenügend". 

Das Gesamturteil setzt sich aus den Teilergebnissen Inhaltsstoffe und Weitere Mängel zusammen, was für die Sagrotan Handseife insgesamt zu einem "ungenügend" führt. Details zu Bewertung und Prüfmethoden lesen Sie auf der Infoseite zum Test im Abschnitt Testverfahren.

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Unser Test zeigt: Mehr als die Hälfte der Seifen im Test bewerten wir mit "sehr gut" oder "gut". Sieben Seifen fallen allerdings komplett durch, weil sie mehrere Problemstoffe enthalten.

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