Reinigungsöle fürs Gesicht: 9 von 20 Produkten sind "sehr gut"

Magazin April 2024: Eier | Autor: Dimitrij Rudenko/Marieke Mariani/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 15.04.2024

In der Überprüfung: 20 Reinigungsöle für das Gesicht
Foto: ÖKO-TEST

Spezielle Reinigungsöle versprechen eine effektive und schonende Reinigung für das Gesicht. Aber wie steht es um ihre Inhaltsstoffe? In unserem Test sind 9 von 20 Produkten "sehr gut". Bei einigen Rezepturen gibt es allerdings Verbesserungspotenzial. 

  • Wir haben 20 Gesichtsreinigungsöle getestet, darunter drei mit Naturkosmetikzertifikat.
  • Wir können neun Produkte mit Bestnote empfehlen.
  • In der Kritik: Unerwünschte Emulgatoren bzw. Tenside, ein bedenkliches Antioxidans, Kunststoffverbindungen sowie fehlendes recyceltes Plastik in den Verpackungen.

Aktualisiert am 15.04.2024 | Öl zur Gesichtsreinigung? Klingt erst einmal nicht besonders naheliegend, soll aber bestens funktionieren. Denn frei nach dem Motto "Gleich und Gleich gesellt sich gern" bindet Öl grundsätzlich fetthaltige Substanzen und eignet sich daher als Lösemittel für Make-up, Cremerückstände oder überschüssige Ablagerungen auf der Haut.

Hersteller, Beautyblogs und Influencer in den sozialen Netzwerken preisen Reinigungsöle auch als milde und effektive Helfer für die tägliche Hautreinigung an – sanfte Pflege und seidiges Hautgefühl inklusive.

Produkte, die auch für die Anwendung am Auge empfohlen werden, sind sogar wasserfester Mascara gewachsen. Positiv soll außerdem hinzukommen, dass Gesichtsreinigungsöle die Haut weniger stark austrocknen als wasserbasierte Waschgele und dass das enthaltene Fett pflegende Eigenschaften haben soll.

Reinigungsöle im Test: Balea, Isana & Co. im Vergleich

Handelt es sich hier also um eine rundum empfehlenswerte Produktgruppe? Wir wären nicht ÖKO-TEST, wenn wir ungeprüft in die Lobeshymnen einstimmen würden. Deshalb haben wir 20 Gesichtsreinigungsöle in die Labore geschickt und umfassend auf problematische Inhaltsstoffe analysieren lassen.

Das Ergebnis ist kann sich sehen lassen: Knapp die Hälfte schneidet in unserem Test mit "sehr gut" ab. Wir verteilen aber auch Minuspunkte. 

Reinigungsöl eignet sich als Lösemittel für Make-up, Cremerückstände oder überschüssige Ablagerungen auf der Haut.
Reinigungsöl eignet sich als Lösemittel für Make-up, Cremerückstände oder überschüssige Ablagerungen auf der Haut. (Foto: Zigres/Shutterstock)

Wenig hautfreundliche Substanzen in der Kritik

Punktabzug bekommen acht getestete Gesichtsreinigungsöle für den Einsatz von Polyethylenglykolen und ihren Abkömmlingen (PEG-Verbindungen). Diese Substanzen dienen häufig als Emulgatoren, um Wasser und Öl zu mischen, und als waschaktive Substanzen, sogenannte Tenside.

In den Gesichtsreinigungsölen sind beide Eigenschaften nützlich. Die Emulgatoren sorgen dafür, dass sich das Produkt gleichmäßig verteilen lässt – Tenside helfen bei der Reinigung und machen ordentlich Schaum. Dennoch kritisieren wir PEG-Verbindungen, da einige davon die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Die übrigen Reinigungsöle im Test zeigen, dass es besser geht: Sie nutzen mildere Alternativen, etwa auf Zuckerbasis. Da alle untersuchten Produkte nach der Reinigung mit Wasser abgewaschen werden sollen, werten wir PEG-Verbindungen in diesem Test nur um eine Note ab – strenger sind wir bei Kosmetik, die auf der Haut bleibt.

Gesichtsreinigungsöle-Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Weitere Problemstoffe in Gesichtsreinigungsöl

Darüber hinaus sind wir im Test von Reinigungsölen vereinzelt auf folgende Problemstoffe gestoßen: 

  • Butylhydroxytoluol (BHT): Das Antioxidationsmittel soll verhindern, dass sich das Produkt im Kontakt mit Sauerstoff verändert. Allerdings wird BHT derzeit im Rahmen des Aktionsplans CoRAP der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) geprüft, weil es im Verdacht steht, sich negativ auf das Hormonsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit auszuwirken.
  • Synthetische Polymere: Diese Kunststoffverbindungen sehen wir als unnötige Umweltbelastung an, die wir als Weiteren Mangel abwerten.

Unnötiger Verpackungsmüll und fehlendes Rezyklat

Was ist noch im Test aufgefallen? Einige der Flaschen, in denen die Gesichtsreinigungsöle angeboten werden, sind aus Glas. Hier ist es unserer Meinung nach akzeptabel, wenn sie in einem Umkarton aus Pappe stecken – schließlich kann er sie vorm Zerbrechen schützen. Bei Plastikflaschen ist ein Umkarton aus unserer Sicht dagegen überflüssig. Wir finden: Dadurch entsteht unnötiger Verpackunsgmüll. 

Apropos Verpackung: Von den Herstellern, die ihre Reinigungsöle in Plastikflaschen verkaufen, wollten wir wissen, ob diese aus recyceltem Kunststoff – sogenanntem Post-Consumer-Rezyklat (PCR) – hergestellt sind.

Nur zwei Reinigungsöle im Test setzen mehr als 30 Prozent Plastik aus dem Gelben Sack ein. Viele andere schaffen es leider nicht, mit dieser vergleichsweise einfachen Maßnahme einen Beitrag zu leisten, damit die Plastikmüllberge auf unserem Planeten nicht noch weiter anwachsen.

Dieser Test ist online erstmals am 06.03.2024 erschienen. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Magazin 4/24 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

In Drogerien, Parfümerien, Apotheken und im Internet haben wir insgesamt 20 Gesichtsreinigungsöle eingekauft – darunter dreimal zertifizierte Naturkosmetik. Für umgerechnet 100 Milliliter bezahlten wir zwischen 2,45 und 33,95 Euro.

In spezialisierten Laboren ließen wir die Produkte auf Formaldehyd/-abspalter und je nach Auslobung auf Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, polyzyklische und Nitromoschusverbindungen sowie Cashmeran untersuchen.

Per Deklaration erfassten wir außerdem PEG/PEG-Derivate, Butylhydroxytoluol (BHT) und synthetische Polymere. Die Laborexperten unterzogen die Kunststoffverpackungen darüber hinaus einer Analyse auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen. Werden die Reinigungsöle in einer Plastikverpackung angeboten, fragten wir die Hersteller, ob und zu welchem Anteil diese aus sogenanntem Post-Consumer-Rezyklat aus dem Wertstoffkreislauf bestehen und ließen uns die Angaben gegebenenfalls belegen. Außerdem prüften wir, ob Verpackungen aus Kunststoff durch Einsatz eines Umkartons unnötigen Müll verursachen.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) BHT; b) PEG/PEG-Derivate.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere (hier: Hydrogenated Polydecene , Polybutene). Zur Abwertung um jeweils eine Note führ en: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS
Deklarationspflichtige Duftstoffe: DIN EN 16274:2021-11 (mod.), GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und
Bestimmung mittels Fotometrie.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2024.

Dieser Test ist online erstmals am 06.03.2024 erschienen. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Magazin 4/24 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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