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25 Nagellacke im Test

ÖKO-TEST August 2017
vom 27.07.2017

Nagellacke

Gelackmeiert

Wer hat's gefunden? Die Schweizer! Die Rede ist leider nicht von einem Kräuterbonbon, sondern von krebserregenden Nitrosaminen in Nagellacken. Darauf und auf weitere Schadstoffe haben wir 25 Lacke untersuchen lassen.

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27.07.2017 | Christoph Kolumbus war einer, Vasco da Gama ebenfalls, und in gewisser Weise kann auch Dr. Urs Hauri zu den Entdeckern gezählt werden. Der Schweizer ist Chemiker am Kantonalen Labor Basel-Stadt. Er hat zwar keine neue Welt entdeckt, aber sein Labor war es, das gemeinsam mit zwei weiteren Kantonslaboren erstmals krebserregende Nitrosamine in Nagellacken nachwies. Gesucht hatten sie nicht danach. Vielmehr handelte es sich um einen Zufallsbefund, wie Hauri erzählt. Im Rahmen einer Untersuchung von Kinderkosmetik stießen sie auf die Nitrosamine N-Nitrosodiethanolamin (NDELA) und N-Nitrosodimethylamin (NDMA) in Nagellacken. Besonders überraschend war dabei der NDMA-Fund. Während NDELA bereits in anderen kosmetischen Mitteln gefunden wurde, etwa in Wimperntuschen und Haarfärbemitteln, war NDMA bis dahin eher als Verunreinigung in Gummiartikeln bekannt.

Es folgten weitere Untersuchungen, die die Ergebnisse bestätigten. Auch in Deutschland wurden nun Nagellacke getestet. Insgesamt zehn Proben hat das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV) untersucht, allerdings nur auf NDELA, nicht auf weitere Nitrosamine. Die Hälfte der untersuchten Nagellacke hat das Landesamt beanstandet.

Im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichte das Kantonslabor Basel die Ergebnisse seiner neuesten Untersuchung von insgesamt 104 Nagelprodukten, davon 63 klassischen Nagellacken, auf Nitrocellulosebasis. Wieder wurden die Schweizer fündig. Noch ist nicht geklärt, wie die Nitrosamine in den Nagellack kommen. "Wir vermuten Nitrocellulose als Ursache", berichtet Hauri. Nitrocellulose ist deklariert und in Nagellacken als Filmbildner enthalten. Auffällig war allerdings bei unseren eigenen Untersuchungen, dass in allen farbigen Lacken, in denen Nitrocellulose deklariert war, auch Nitrosamine gefunden wurden. In vier von sechs farblosen Topcoats allerdings war zwar ebenfalls Nitrocellulose deklariert, hier hat unser Labor aber Nitrosamine nicht darin nachgewiesen.

Um die Nitrosaminfunde in Kosmetika einschätzen zu können, helfen folgende Fakten: Nitrosamine sind krebserregend.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung ordnet ein: "Nitrosamine sind genotoxische Kanzerogene, für die kein sicherer toxikologischer Schwellenwert existiert. Für solche Verbindungen gilt das Minimierungsgebot, die Aufnahme über alle Quellen sollte möglichst gering sein." Darin liegt das Problem: Nitrosamine können nicht nur in Kosmetik enthalten sein, sie werden auch mit der Nahrung aufgenommen, insbesondere durch Lebensmittel wie gepökeltes oder geräuchertes Fleisch und geräucherten Fisch. Auch (Passiv-)Rauch ist eine Quelle.

Nitrosamine sind keine gezielt eingesetzten Inhaltsstoffe, sondern entstehen als Reaktionsprodukte.

Nitrosamine sind laut Kosmetikverordnung in der EU verboten. Allerdings werden geringe Mengen toleriert, wenn sie bei "guter Herstellungspraxis" "technisch unvermeidbar" und "für die menschliche Gesundheit" sicher sind.

Doch wie hoch ist die technisch unvermeidbare Menge für

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Vorbei die Zeiten, in denen Frauen vor allem Rottöne und Klarlack gekauft haben. Inzwischen gibt es keine Farbe mehr, die es nicht gibt: von dezent bis knallig, von matt bis metallic oder mit Glitzerpartikeln. Unsere Einkaufsabteilung hat sich im Einzelhandel und in Onlineshops umgesehen. Immer mehr Marken haben Gel-Nagellacke für Endverbraucher im Angebot. Da Hersteller diese häufig als Zweiphasenprodukte verkaufen, haben wir bei einigen sowohl Farblack als auch Topcoat erworben. Auch die Preisspanne ist groß: zwischen 1,50 Euro und 26,99 Euro. Damit die Preise sich leichter vergleichen lassen, haben wir alle Preise umgerechnet, auf je zehn Milliliter.

Die Inhaltsstoffe
Die Nagellacke haben wir in verschiedenen Laboren untersuchen lassen. Dabei wollten wir wissen: Enthalten sie krebserregende Nitrosamine, umstrittene Weichmacher, halogenorganische Verbindungen oder krebsverdächtiges Formaldehyd? Wie sieht es mit problematischen Lösungsmitteln und bedenklichen UV-Filtern aus?

Die Weiteren Mängel
Manche Hersteller geben die Inhaltsstoffe ihrer Produkte in sogenannten May-contain-Deklarationen an. Die Hersteller führen erst einmal alles auf, was in einem Produkt enthalten sein könnte - für jeden möglichen Farbton. Wir haben nachgefragt, weil wir es genau wissen wollten. Wer darauf nicht geantwortet hat, bekommt Punktabzug.

Die Bewertung
Für problematische Inhaltsstoffe, wie krebserregende Nitrosamine, hormonell wirksame UV-Filter oder phosphororganische Verbindungen, von denen manche möglicherweise krebserregend sind, gibt es, wie bei ÖKO-TEST üblich, zum Teil empfindliche Abzüge.

So haben wir getestet

Statt Nitrocellulose, setzt der Anbieter des Bio-Nagellacks Schellack ein. Darin haben wir keine Nitrosamine gefunden.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 8/2017:

Nagellack

Gelackmeiert.

Ohne Nagellack gehen viele Frauen nicht aus dem Haus. Doch wie gut ist eigentlich, was frau sich auf die Nägel pinselt? Wir haben 25 Lacke im Labor unter die Lupe genommen. ÖKO-TEST-Chefredakteur Jürgen Stellpflug über das Ergebnis.