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Mizellenwasser: Ist der Kosmetik-Trend gefährlich?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 24.02.2021

Mizellenwasser: Ist der Kosmetik-Trend gefährlich?
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / StockSnap

Mizellen-Produkte liegen im Trend. Die Wässerchen, Reinigungscremes und Shampoos helfen zwar effektiv – sie bergen jedoch einige Gesundheitsrisiken.

In den Regalen von Drogeriemärkten sind mehr und mehr Produkte mit Mizellen zu finden: Gesichtswasser, Reinigungstücher und Shampoos werben mit der Wirksamkeit der "Mizellen". Das Versprechen: Mizellen ziehen Schmutz quasi magisch an. Sie sorgen so für eine besonders gründliche Reinigung, und zwar ohne viel Rubbeln und Reiben.

Mizellen – was ist das eigentlich? 

Mizellen beschreiben die Struktur, zu der sich Seifenmoleküle zusammenfinden. Sie sind winzig klein, nur wenige Nanometer groß. Das Besondere: Sie können sowohl wasser- und fettlösliche Make-up-Partikel als auch Schmutz entfernen.

Die meisten Mizellen-Produkte sind Reinigungsartikel fürs Gesicht. Das Prinzip der Mizellen findet sich jedoch auch in Shampoos sowie Waschmitteln und Spülmitteln. Im Shampoo befreien sie das Haar von Ablagerungen und die Kopfhaut von Talg. Sie eignen sich besonders bei häufigen Haarwäschen und für Haar, das schnell nachfettet.

So neu und revolutionär, wie die Werbung die Mizellen in Beauty-Produkten bewirbt, sind diese allerdings nicht. Denn es sind Tenside, die ab einer gewissen Konzentration Mizellen, also den "Wirkstoff" der Produkte, bilden. Tenside sind waschaktive Stoffe, die schäumen und Schmutz abtransportieren. Wenn Tenside aus Waschmitteln und Pflegeprodukten mit Wasser in Berührung kommen, entstehen seit jeher Mizellen. 

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Sind Kosmetikprodukte wie Mizellenwasser gefährlich?

Die Mizellen selbst gelten nach aktuellem wissenschaftlichem Stand als ungefährlich.

Mizellen-Produkte haben Vor- und Nachteile: Sie helfen in der Tat viel gründlicher als herkömmliche Produkte. Diese schnelle und gründliche Reinigung birgt aber Risiken: So können auch andere Inhaltsstoffe des Produkts – wie Duftstoffe und Konservierungsstoffe – tief in die Haut eindringen. Denn die Mizellen werden häufig durch den Einsatz von Tensiden wie PEG gebildet (siehe unten). Zudem können auch problematische Konservierungsmittel in Mizellen-Produkten enthalten sein.

  • Polyethylenglykole und chemisch verwandte Stoffe (PEG): Einige der Tenside, die in Mizellenwasser verwendet werden, gehören zu den PEG. PEG und PEG-Derivate helfen zum einen, Wasser und Fett zu vermischen. Zum anderen sind sie für die Schaumbildung bei Kosmetikprodukten verantwortlich. PEG machen allerdings die Haut auch durchlässiger für Fremdstoffe. Auf der einen Seite für Wirkstoffe – auf der anderen Seite aber auch für Konservierungs- und Duftstoffe sowie Umweltgifte. 
  • Polyaminopropylbiguanid (PHMB): In vielen Mizellenprodukten ist der bedenkliche Konservierer PHMB enthalten. Er ist im Rahmen der europäischen Chemikaliengesetzgebung in der Kategorie "kann vermutlich Krebs erzeugen" eingestuft – in unseren Tests werten wir PHMB deshalb ab.
  • Butylhydroxytoluol (BHT): Als Konservierungsstoff dient BHT als sogenanntes Antioxidans und soll verhindern, dass sich Produkte durch den Kontakt mit Sauerstoff verändern. Das Problem: Der Stoff steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken – im Tierversuch beeinträchtigte er die Schilddrüsenfunktion. Auch BHT werten wir deshalb ab.

Mizellen können sich nicht nur aus PEG/PEG-Derivaten bilden, sondern auch aus anderen Tensiden, wie zum Beispiel Zucker und Kokosfett. Dann sind sie unproblematisch.

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Mizellenwasser: Inhaltsstoffe kritisch prüfen

  • Die gute Nachricht: Die meisten Mizellenwässer haben in unserem aktuellen Mizellenwasser-Test mit "sehr gut" abgeschnitten. Die Preise reichten dabei von rund 1 Euro bis zu über 10 Euro (pro 200 ml). Unter den Testsiegern waren sowohl konventionelle Produkte als auch zertifizierte Naturkosmetik.
  • Die meisten Mizellenwässer können laut Auslobung für die Gesichtsreinigung und das Entfernen von Augen-Make-up verwendet werden. Wer mit der Reinigungswirkung zufrieden ist, kann mit Mizellenwasser sogar Geld sparen, weil es mehrere andere Produkte ersetzt.
  • Zum Reinigen der Augenpartie existieren auch spezielle Augen-Make-up-Entferner, die wir vor Kurzem ebenfalls getestet haben. Auch Reinigungsmilch ist eine Alternative: Sie können unsere Test-Ergebnisse zu 36 Reinigungsmilchen aktuell gratis abrufen.
  • Schauen Sie beim Mizellenwasser auch auf das Kleingedruckte: Steht beispielsweise "Polyaminopropyl Biguanide" (PHMB, siehe dazu oben) in der Inhaltsstoffliste, lassen Sie das Produkt besser im Regal stehen.
  • Es spricht nichts dagegen, sich das Gesicht nochmals mit klarem Wasser abzuspülen, nachdem Sie Mizellenwasser angewendet haben.
  • Naturkosmetik ist immer eine gute Wahl, hier kommen normalerweise Zucker und Kokosfett als Tenside zum Einsatz.

Wer sichergehen möchte, dass das Kosmetikprodukt seiner Wahl frei von krebserregenden und anderen problematischen Stoffen ist, sollte einen kritischen Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe werfen und Duftstoffe, Konservierungsstoffe und Alkohol meiden. PHMB findet sich dort auch unter zahlreichen anderen Namen: Polihexanid, Polyaminopropyl Biguanide, Polyhexamethylenbiguanid oder Handelsnamen wie Baquacil, Cosmocil CQ und Vantocil.

So funktionieren Mizellen: Make-up und Schmutz binden sich an das fettliebende Ende der enthaltenen Tenside.
So funktionieren Mizellen: Make-up und Schmutz binden sich an das fettliebende Ende der enthaltenen Tenside. (Foto: Fancy Tapsi/Shutterstock; ÖKO-TEST)

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