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Lippenstifte im Test: Mehr als die Hälfte fällt durch

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2019 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 18.10.2018

Lippenstifte im Test: Mehr als die Hälfte fällt durch

Deutsche Frauen lieben Lippenstift. Um sie zu erreichen, nutzen Marketingexperten auch die Stars und Sternchen der sozialen Netzwerke. Doch die sogenannten Influencer hinterfragen kaum, was da eigentlich auf den Lippen landet. Obwohl es guten Grund dazu gäbe.

Aktualisiert am 18.10.2018; Einkauf Testprodukte Nov/Dez 2017 | Lippenstift ist der unangefochtene Spitzenreiter unter den dekorativen Kosmetikprodukten: 20 Prozent der Frauen gaben in der Umfrage Beauty Atlas Deutschland 2017 an, dass er in ihrer Handtasche nicht fehlen darf. Für rund 17 Millionen deutsche Frauen gehört er fest zum Alltag. Die Zahlen sind seit Jahren stabil, Tendenz leicht steigend. Fast ein Viertel der Befragten benutzt Lippenstift täglich, 18 Prozent mehrmals pro Woche. Die häufige Anwendung ist mit Skepsis zu betrachten.

Wie ihre farblosen Pendants aus der Abteilung Lippenpflege bestehen viele konventionelle Lippenstifte zu einem Großteil aus erdölbasierten Fetten. In diesen wiederum können krebserregende Bestandteile enthalten sein. Und auch die Stoffe, die dem Lippenstift seine charakteristische Farbe verleihen, sind oft nicht unbedenklich.

Lippenstifte im Test: 13 Produkte "ungenügend" 

Während wir essen, trinken, küssen, sprechen oder denken, lecken wir die Schadstoffe unbemerkt ab und verschlucken sie. Grund genug, besonders kritisch hinzuschauen. Wir haben 22 Lippenstifte in die Labore geschickt und prüfen lassen.

Das Ergebnis: Rot dominiert nicht nur auf den Mündern, sondern auch in der Testtabelle. Mit 13-mal "ungenügend" fallen fast alle konventionellen Lippenstifte gnadenlos durch. Einzig in der Naturkosmetikabteilung können wir grünes Licht geben.

Wie auch im Test Lippenpflege dominiert ein Problem die konventionellen Lippenstifte mit erdölbasierten Fetten – den Paraffinen. MOSH/POSH, also gesättigte Kohlenwasserstoffe, hat das Labor wie zu erwarten in allen paraffinhaltigen Lippenstiften nachgewiesen. MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und der Leber an und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt. Für POSH konnte laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine gesundheitliche Bewertung bislang nicht vorgenommen werden.

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Mineralölkohlenwasserstoffe in einigen Lippenstiften 

In 12 der 14 mit MOSH/POSH belasteten Stifte hat das Labor auch MOAH nachgewiesen. Diese aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe können schon in kleinsten Mengen Krebs verursachende Bestandteile enthalten.

Auch die Farbbestandteile der Lippenstifte können Probleme machen. Die in zwölf der Lippenstifte enthaltenen Farbstoffe Tartrazin (CI 19140) und/ oder Gelborange S (CI 15985) können Überempfindlichkeits- oder allergische Reaktionen verursachen.

Im Beipackzettel von Medikamenten muss darauf als Nebenwirkung hingewiesen werden. Lebensmittel mit diesen Farbstoffen und dem ebenfalls in zwei Produkten enthaltenen Allurarot AC (CI 16035) müssen seit 2010 den Hinweis tragen: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen."

In einem Lippenstift steckt erhöhter Gehalt an Blei 

In sechs Lippenstiften stecken laut Laboranalyse halogenorganische Verbindungen. Auf diesen Produkten ist auch jeweils der halogenorganische Farbstoff CI 45410 deklariert. Dieser darf in Kosmetik und in Haarfärbemitteln zum Einsatz kommen. Sein Potenzial, Allergien auszulösen, konnten die Kosmetikexperten auf EU-Ebene bislang noch nicht abschließend bewerten, sie fordern derzeit weitere Untersuchungen.

Über die Farbpigmente können auch Schwermetalle eingetragen werden. In einem Lippenstift im Test steckt ein erhöhter Gehalt an Blei. Blei ist in Kosmetik verboten. Es kann sich im Körper anreichern und gilt als nervengiftig. Schon geringe Mengen können zu Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit führen. Verunreinigungen akzeptieren die Behörden nur, wenn es sich um technisch unvermeidbare Gehalte handelt.

Für Blei in Kosmetik liegt die Grenze laut Bundesamt für Verbraucherschutz bis auf wenige Ausnahmen bei zwei Milligramm pro Kilogramm (mg/kg). Zu Lippenstiften stellte die Forschungsstelle der EUKommission 2011 fest, dass 90 Prozent der Proben weniger als 2 mg/kg enthielten – höhere Werte gelten somit als vermeidbar.

Lippenstift: Welche Farbe passt zu mir?

Natürlich kann jede Frau die Lippenstiftfarbe verwenden, die ihr am besten gefällt. Dennoch gibt es Tendenzen, wem welche Farbe am besten steht - je nach Haut-, Haar- und Augenfarbe.

  • Warme Rottöne mit gelbem Unterton, zum Beispiel ein leichtes Orange, können vor allem Frauen mit hellem Teint, blondem Haar und blauen bis hellbraunen Augen tragen.
  • Beerige, dunkle Rottöne mit blauem Unterton passen zu Frauen mit heller, bläulich-schimmernder Haut, blonden bis braunen Haaren und blaugrauen bis grünen Augen.
  • Dunklere, aber warme Rottöne stehen Frauen mit braunem oder rötlich blondem Haar und grünen oder braunen Augen und einem goldbräunlichen Teint.
  • Violette Nuancen schmeicheln Frauen mit dunklem Haar, heller Haut und braunen Augen.
  • Fast alle Farben können von Frauen mit dunkler Haut getragen werden. Kräftige Farbtöne sorgen für einen tollen Kontrast, etwas dezenter geht's mit zarten Rosa- oder Brauntönen.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik 2018 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Testverfahren

Der Einkauf: Lippenstifte in klassischem Rot gehen immer. Deshalb haben wir in Drogerien, Parfümerien, im Internet, im Naturwarenhandel sowie in Apotheken insgesamt 22 Exemplare eingekauft und dafür zwischen 1,50 Euro und 19 Euro pro Stück bezahlt.

Die Inhaltsstoffe: Alarmiert durch unseren TEST Lippenpflege haben wir diejenigen Lippenstifte, auf denen erdölbasierte Inhaltsstoffe deklariert sind, auf problematische Mineralölbestandteile untersuchen lassen. Daneben standen unter anderem Farbstoffe, Konservierungsmittel, Duftkomponenten und halogenorganische Verbindungen auf der Prüfliste der Labore.

Die Weiteren Mängel: Enthält die Verpackung problematische chlorierte Verbindungen? Stecken die Lippenstifte zusätzlich in einem unnötigen Umkarton? Und machen die Hersteller transparent, welche Farbbestandteile sie im konkreten Produkt einsetzen? All das floss ins Testergebnis Weitere Mängel ein.

Die Bewertung: Je mehr bedenkliche Substanzen ein Produkt enthält, desto schlechter das Gesamturteil - so viel ist klar. Den stärksten Abzug gibt es für erhöhte Mengen an Blei. Dicht gefolgt von den problematischen Mineralölbestandteilen, die sich im schlechtesten Fall auf vier Punkte Abzug summieren. Aber auch die Weiteren Mängel sind bei einem Produkt so gravierend, dass sie sich negativ auf die Endnote auswirken.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 2 mg/kg Blei. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) MOSH/POSH; b) MOAH; c) halogenorganische Verbindungen; d) die bedenklichen UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat und/oder Benzophenon-3; e) der deklarationspflichtige Duftstoff Methyl 2-Octynoate, der Allergien auslösen kann; f) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); g) mehr als 10 mg/kg künstlicher Moschusduft. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Silikone, wenn nicht bereits wegen MOSH/POSH abgewertet wurde; b) der deklarationspflichtige Duftstoff Hydroxycitronellal, der Allergien auslösen kann, falls nicht schon wegen anderer Duftstoffe, die Allergien auslösen können, um zwei Noten abgewertet wurde; c) Propylparaben; d) die Farbstoffe Tartrazin (CI 19140) und/oder Gelborange S (CI 15985) und/oder Allurarot AC (CI 16035).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Der Hersteller schlüsselte auch auf Nachfrage nicht die tatsächlich eingesetzten Farbbestandteile auf. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran: Extrak­tion mit TBME, GC-MS. ­Halogenorganische Verbindungen: Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. MOSH/POSH, MOAH: LC-GC-FID. Elemente: Totalaufschluss in der Mikro­welle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Parabene: ­LC-UV. Tartrazin: HPLC-DAD nach Extraktion. MAK-Amine, Anilin: Prüfung auf Amine aus Azofarbstoffen nach reduktiver Spaltung entsprechend DIN EN 14362-1:2017-05; bei Feststellung aromatischer Amine bei der GC/MS-Analyse wird das Analyseergebnis durch ein zweites Verfahren (HPLC/DAD oder TLC) abgesichert; es werden zusätzlich Anilin, 2,4-Xylidine und 2,6-Xylidine angegeben, bei Hinweisen auf 4-Aminobenzol erfolgt eine zusätzliche Prüfung entsprechend DIN EN 14362-3:2017-05; Bestimmungsgrenze 1 mg/kg. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November und Dezember 2017 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik 2018 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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