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Kleidung sinnvoll spenden: Altkleider-Container oder Kleiderspende?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 18.09.2019

Kleidung sinnvoll spenden: Altkleider-Container oder Kleiderspende?
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / webandi)

Höchste Zeit, mal wieder den Kleiderschrank auszumisten! Aber wohin mit all den Kleidungsstücken, die nicht mehr passen und die wir nicht mehr brauchen? Wer mit seinen Altkleidern Gutes bewirken möchte, sollte genau schauen, wohin er spendet.

60 Kleidungsstücke kaufen wir im Schnitt pro Jahr. Unsere Schränke quellen über – und wenn wir ausmisten, werden meist Kleidungsstücke aussortiert, die noch tadellos in Schuss und damit viel zu schade für den Müll sind. 

Jährlich werden so in Deutschland gut eine Million Tonnen Textilien aussortiert. In den letzten dreißig Jahren ist diese Menge um rund 20 Prozent gewachsen. Verantwortlich dafür: Fast Fashion. Wir kaufen immer mehr günstig produzierte Kleidung, vor allem aus Asien, die wir immer schneller aussortieren und durch neue Shirts, Hosen und Schuhe ersetzen. Ketten wie Primark stehen für den Trend, Mode nur noch wenige Male anzuziehen, auch, weil die Qualität der Bekleidung relativ niedrig ist.

Die Kleidung, die wir aussortieren, übersteigt den Bedarf an Second-Hand-Kleidung in Deutschland bei weitem. Deshalb landet ein Teil unserer Kleidung in Osteuropa, hauptsächlich aber in Afrika. Über die Vor- und Nachteile dieses Altkleider-Exports wird viel diskutiert.

An dieser Stelle nur eine kurze Übersicht der Argumente: Zwar leben in Afrika viele Menschen vom Handel mit den Altkleidern, gleichzeitig zerstört er viele Jobs in der lokalen Textilproduktion. Inzwischen kämpfen ostafrikanische Länder wie Uganda, Tansania und Ruanda für eine Einschränkung des Imports von Gebrauchtkleidung, um ihre Textilindustrie zu stärken. Auf der anderen Seite spart gebrauchte Kleidung wertvolle Ressourcen wie Wasser, Strom, Baumwolle und Chemikalien und schützt die Umwelt.

Das Spenden von Altkleidern ist also komplex, und die Frage, wohin wir unsere Altkleider am besten geben sollen, nur schwer zu beantworten. Es gibt aber einige Empfehlungen, die nachweislich besser sind als andere, und die wir Ihnen deshalb zeigen möchten. Mit den folgenden vier Tipps können Sie Ihre Altkleider mit gutem Gewissen spenden.

1. Altkleider an Kleiderkammern und soziale Einrichtungen spenden

Spenden Sie Ihre Kleidung am besten an soziale Einrichtungen in Ihrer Nähe, statt Sie in den nächstbesten Altkleider-Container zu werfen. So wird Bekleidung nicht kosten- und CO2-intensiv in andere Länder verschickt, um dort häufig auf dem Müll zu landen. Kleiderkammern und eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen versorgen Bedürftige in Deutschland (z.B. Hartz-IV-Empfänger, Obdachlose, Geflüchtete und andere Bedürftige) mit Kleidung.

Hier finden Sie eine Klammerkammer in Ihrer Nähe:

Soziale Einrichtungen, die sich über Kleiderspenden freuen und diese sinnvoll weitergeben:

  • Arbeiterwohlfahrt
  • Johanniter
  • Malteser
  • Bahnhofsmission
  • Kirche
  • Sozialkaufhäuser
  • Oxfam
  • Give-Boxes
  • Deutsche Kleiderstiftung – hier können Sie auch kostenlos Bekleidung einsenden, wenn keine Abnahmestelle in Ihrer Nähe ist.

Tipp: Rufen Sie am besten zuvor an und fragen Sie, ob Bedarf besteht.

(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / meineresterampe)

2. So erkennen Sie gute Altkleider-Container

Wenn Sie Ihre Altkleider in den Container werfen, dann achten Sie darauf, dass sie im richtigen Container landen! Werfen Sie Bekleidung in einen Container, geschieht zwar immer das Gleiche: Ein Teil der Alttextilien geht als Second-Hand-Ware an Bedürftige, der Großteil wird jedoch an Profi-Verwerter weiterverkauft, die daraus Putzlappen, Dämmmaterial oder Füllstoffe herstellen.

Es gibt aber verschiedene Systeme, die darüber entscheiden, wer vom Verwertungsprozess am meisten profitiert: nämlich Container von wohltätigen Organisationen, von lokalen Versorgern wie der örtlichen Abfallwirtschaft, aber auch von kommerziellen Aufstellern.

Im Geschäft mit der ausrangierten Kleidung geht es um Millionen. Unter den Aufstellern von Altkleider-Containern gibt es deshalb immer wieder schwarze Schafe, die den Anschein der Wohltätigkeit erwecken, jedoch in die eigene Tasche wirtschaften. Der Tipp der Verbraucherzentrale lautet deshalb: "Spenden Sie nur an Sammlungen, die mit einer deutschen Adresse und einer Festnetznummer erreichbar sind. Die finden sie am Altkleidercontainer oder auf dem Zettel im Briefkasten."

Altkleider-Container: Nur mit dem richtigen Siegel eine gute Wahl

Seriöse Sammelstellen erkennen Sie an einem der folgenden Siegel. Auch wenn das Logo Ihrer lokalen Abfallbehörde auf dem Container zu sehen ist, dürfen Sie Ihre Altkleider unbesorgt einwerfen. Kommunale Sammelstellen nutzen den Gewinn als Hilfe, um die Müllgebühren zu finanzieren. Gemeinnützige Hilfsorganisationen wie beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz (DRK) finanzieren über den Handel mit Altkleidern soziale Projekte.

Altkleider-Container sollten eines dieser drei Siegel tragen
Altkleider-Container sollten eines dieser drei Siegel tragen (Foto: BVSE / FairWertung / DZI)

Achten Sie auf diese Siegel

1. BVSE Qualitätssiegel Textilsammlung

2. FairWertung 
Hier können Sie nachsehen, wo es einen Container von FairWertung in Ihrer Nähe gibt: altkleiderspenden.de

3. DZI-Spendensiegel

Was gehört in den Altkleider-Container?

  • Gut erhaltene Kleidung
  • Bett- und Tischwäsche
  • Gardinen
  • Hüte
  • Handschuhe
  • Vorhänge
  • Gürtel
  • Taschen
  • Plüschtiere
  • Schuhe paarweise gebündelt oder in Tüten verpackt

Jede Spende sollte in eine Plastiktüte verpackt sein, um sie vor Verschmutzung und Nässe zu schützen. Sie können für diesen Zweck problemlos ältere, saubere Plastiktüten recyceln.

Was darf nicht in den Altkleider-Container?

  • Nasse Kleidung
  • Schmutzige Kleidung oder Textilien
  • Stoff- und Wollreste
  • Abgetragene Schuhe

3. Kleidung weiterverkaufen

Modische, gut erhaltene Damen- und Herren-Kleidung und vor allem Baby- und Kinderkleidung lässt sich häufig weiterverkaufen. Entweder über Secondhand-Läden, auf Flohmärkten und Kleidertauschbörsen oder auf Gebrauchtwaren-Seiten wie Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel oder Momox Fashion.

4. Eigenen Konsum einschränken

Am nachhaltigsten ist es, möglichst wenig neue Kleidung zu kaufen – und diese so lange wie möglich zu tragen. Wenn Sie neue Kleidung kaufen, wählen Sie bewusst Teile, die Sie möglichst lange verwenden können, die fair produziert wurden und hohe Qualität aufweisen.

Mit guten Gewissen shoppen lässt es sich auch auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden: Für Secondhand-Kleidung werden keine wertvollen Ressourcen verschwendet – zudem sind die Kleidungsstücke günstig und häufig origineller als die Ware der großen Handelsketten.

Wohin mit schmutziger oder kaputter Kleidung?

Wenn Kleidung tatsächlich kaputt und zerschlissen ist, gehört sie nicht in den Altkleidercontainer oder die Restmülltonne, sondern sollte am besten beim kommunalen Wertstoffhof abgegeben werden, rät der Naturschutzbund Deutschland (NABU). In den Müll gehört Kleidung nur im Extremfall, beispielsweise bei starken Farbverschmutzungen.

Ein Teil der kaputten oder schmutzigen Kleidung lässt sich daheim auch ganz einfach recyceln – zum Beispiel als Putzlappen oder als Material für kleine Nähprojekte.

Quellen: Verbraucherzentrale / Greenpeace / BVSEUtopia.de

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