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Hautcremes im Test: Bekannte Marken mit Mineralöl belastet

Magazin Oktober 2021: Zucker | Autor: Dimitrij Rudenko/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 30.09.2021

Hautcremes im Test: Wie schlagen sich Nivea, Neutrogena & Co.?
Foto: ÖKO-TEST

Manche Hautcremes werden von der kompletten Familie genutzt. Gemeint sind sogenannte Allzweckcremes. Das wohl bekannteste Produkt ist die Nivea Creme in der blauen Dose. Wir haben 21 Hautcremes genauer unter die Lupe genommen. Auffällig: Fünf sind mit Mineralöl verunreinigt. 

  • Tadellose Hautcremes für die ganze Familie gibt es in diesem Test zuhauf: 13 Produkte sind "sehr gut".
  • Eine gute Creme muss nicht viel kosten. Unter den Besten sind sowohl günstige Eigenmarken der Discounter als auch teure Naturkosmetik.
  • Ärgerlich: In fünf Hautcremes im Test steckt Mineralöl. Andere Produkte zeigen, dass es durchaus ohne geht. 

Die einen schmieren sie sich ins Gesicht, andere pflegen damit ihre spröden Lippen und nicht selten landet sie auf trockenen Ellebogen: Die Rede ist von Allzweckcremes. Ausgelobt sind sie meist für trockene Haut – und speziell für Gesicht und Körper. 

Was steckt in Allzweckcremes für Gesicht und Körper? 

Die Zusammensetzung ist einfach: Die Cremes bestehen vor allem aus natürlichen Ölen oder Fetten wie Sonnenblumenöl, Mandelöl oder Sheabutter sowie Glycerin und Wasser.

Dass Allzweckcremes grundsätzlich Fettbomben sind, lässt sich nicht sagen. Die Fettphase der Hautcremes im Test liegt zwischen 48 und 14 Prozent. Zur Einordnung: 14 Prozent wäre auch ein typischer Fettgehalt einer Tagescreme.

Wie "rückfettend" eine Creme tatsächlich ist – also wie gut sie in die Haut einzieht und verloren gegangene Lipide ersetzt –, hängt letztlich auch nicht nur mit ihrem Fettgehalt zusammen. Sondern auch mit den jeweiligen Eigenschaften ihrer Öle, Wachse und Fette und wie diese im Zusammenspiel funktionieren.

Hautcremes im Test: Wir haben Allzweckcremes untersucht. Viele Produkte sind empfehlenswert.
Hautcremes im Test: Wir haben Allzweckcremes untersucht. Viele Produkte sind empfehlenswert. (Foto: Photographee.eu/Shutterstock)

Fünf Hautcremes im Test mit Mineralöl belastet 

Schauen wir uns die Inhaltsstoffe der 21 Hautcremes im Test genauer an. Allzweckcremes sind Cremes für die ganze Familie. Wer will da schon, dass die Liebsten sich umstrittene Stoffe aus der Erdölchemie auf die Backen schmieren? Solche stecken aber in fünf überprüften Cremes. 

Das Labor fand dort aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) – eine Gruppe von Substanzen, unter denen sich auch welche befinden können, die Krebs erregen oder das Erbgut schädigen können.

Woher stammt das Mineralöl in den Allzweckcremes? 

Woher die MOAH stammen, ist klar: Aus den Paraffinen, die weit oben auf der Zutatenliste aller belasteten Produkte stehen. Sie sind Überbleibsel aus dem Erdöl, aus dem diese Fette ursprünglich hergestellt wurden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sagt in seiner jüngsten Stellungnahme zwar, dass von über die Haut aufgenommenen MOAH nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand kein Risiko ausgehe. Doch in unseren Augen sind hier noch nicht alle Fragen hinreichend geklärt. Deshalb finden wir es bedenklich, dass noch immer viele umsatzstarke Produkte auf Basis von Mineralölfetten hergestellt sind.  

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Viele Hautcremes im Test sind empfehlenswert 

Ein Großteil der Hautcremes im Test zeigt, dass es auch anders geht: 13 schneiden "sehr gut" ab. Die Produkte sind Basic-Cremes im besten Sinne: Sie sind geeignet für Gesicht, Körper und Hände und beschränken sich auf die nötigsten Zutaten.

Sie machen vor, dass man auf erdölbasierte Fette verzichten kann, weil es gute Alternativen dafür gibt. Natürliche Öle und Wachse wie etwas Sonnenblumenöl oder Sheabutter haben den Vorteil, sich besser ins Gleichgewicht der Haut einzufügen. Auf diese Weise können sie verloren gegangene Lipide in der Hautschutzbarriere ersetzen, während Paraffine oder Silikone auf der Hautoberfläche liegen bleiben.  

Häufig cremt sich die ganze Familie mit Allzweckcremes ein. Da ist es nicht schön, wenn sie auf verunreinigten Paraffinen basieren.
Häufig cremt sich die ganze Familie mit Allzweckcremes ein. Da ist es nicht schön, wenn sie auf verunreinigten Paraffinen basieren. (Foto: FotoDuets/Shutterstock)

Problematische Inhaltsstoffe in getesteten Hautcremes 

Neben den Fettschadstoffen sind wir vereinzelt auf andere problematische Inhaltsstoffe gestoßen:

  • Zwei Hautcremes verwenden in ihrer Rezeptur PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger machen können für Fremdstoffe.
  • Einige Hersteller setzen auf synthetische Polymere. Diese Kunststoffverbindungen können über den Klärschlamm in die Umwelt gelangen. Wie genau sie dort wirken, ist bislang kaum erforscht.
  • Duftstoffe, die Allergien auslösen können, beanstanden wir in zwei Hautcremes im Test. 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 21 Allzweckcremes eingekauft, darunter vier Naturkosmetikprodukte. Die Markenprodukte, Drogerie- und Supermarkteigenmarken kosten zwischen 76 Cent und 23,97 Euro pro 200 ml.

Wir haben im Labor überprüfen lassen, ob die Produkte umstrittene oder bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten, wie etwa halogenorganische Verbindungen oder aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Letztere können als Verunreinigung in Paraffinen vorkommen. Zudem ließen wir die Cremes im Labor auf Formaldehyd/-abspalter und problematische Duftstoffe untersuchen. Zwei der Duftstoffe kritisieren wir wegen ihres allergenen Potenzials: Hydroxycitronellal und Cinnamylalkohol. Anhand der Deklaration der Inhaltsstoffe prüften wir, ob die Cremes Paraffine, PEG/PEG-Derivate, BHT oder synthetische Polymere/Silikone enthalten.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Duftstoffe, die Allergien auslösen (hier: Hydroxycitronellal, Cinnamylalkohol); b) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; c) BHT.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Silikone, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Ammonium Acryloyldimethyltaurate/ VP Copolymer, Carbomer). Zur Abwertung um eine Note führt: Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die vom Hersteller versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Duftstoffe, DEP, Cashmeran, Moschusverbindungen:Extraktion mit TBME, GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie.
AOX/EOX: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration; Binden organischer Halogene an Aktivkohle; Verbrennen der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes. b) Extraktion mit Essigester; Verbrennen des Extraktes im Sauerstoffstrom; microcoulometrischeBestimmung des Halogengehaltes.
Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-CG/FID (Paraffine).
MOSH/MOAH: LC-GC/FID.
PVC in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2021 

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