1. Home
  2. Tests

Haargel und Haarwachs im Test: Probleme mit Mineralöl und bedenklichen Duftstoffen

Jetzt gratis unser Testurteil zu 48 Produkten abrufen

Jahrbuch Kosmetik 2021 | Autor: Hanh Nguyen/Annette Dohrmann | Kategorie: Kosmetik und Mode | 10.12.2020

Haargel und Haarwachs im Test: Wir haben insgesamt 48 Produkte überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Haarwachs und Haargel bringt Frisuren in Form. Wir haben 48 Stylingprodukte getestet. Das Ergebnis: "Sehr gute" Haargele und Haarwachse gibt es in jeder Preisklasse. 13 Produkte fallen allerdings im Test wegen bedenklicher Inhaltsstoffe durch.

  • Die Bestnote erhalten insgesamt 13 Haargele und Haarwachse im Test. 
  • Fast ein Drittel der überprüften Hairstyling-Produkte fällt im Test durch, die meisten davon sind "ungenügend". 
  • Besonders ärgerlich: Wir haben Schadstoffe wie aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe und Formaldehyd/-abspalter gefunden. 

Aktualisiert am 10.12.2020 | 41 Prozent der Männer stylen ihre Haare täglich oder fast jeden Tag. Bei jungen Männern unter 30 sind es sogar 54 Prozent. Das zeigt eine Statista-Umfrage. Auch die Produktnamen der Haarwachse und Haargele in Verkaufsregalen legen nahe, dass Hairstyling sich vor allem an den männlichen Teil der Bevölkerung richtet. Da ist von Adrenalin und Samurai die Rede, von Ultra, Mega und gigantisch stark, von Power, Extrem und Maximum. Superlative, die eher nach Muckibude klingen als danach, die Frisur in Form zu bringen. 

Haargel und Haarwachs im Test: 13 Produkte sind "sehr gut"

ÖKO-TEST interessiert gewöhnlich weniger, wie ein Produkt aufgemacht ist, als vielmehr, was drinsteckt. Deshalb haben wir 48 Haarwachse und Haargele eingekauft und ihre Inhaltsstoffe von verschiedenen Laboren analysieren lassen.

Das Ergebnis: 13 Haargele und Haarwachse bewerten wir mit Bestnote, darunter vor allem zertifizierte Naturkosmetik. Neun weitere Produkte können wir mit "gut" empfehlen. Gleichzeitig enttäuschen aber auch rund 30 Prozent der getesteten Haarstyling-Produkte im Gesamturteil. Sie schneiden zum Großteil "ungenügend" ab, ein Produkt ist "mangelhaft".

Bekannte konventionelle Haarkosmetikmarken wie LʼOréal, Got2b, Syoss, Swiss-o-Par, Gard, Wella, Nivea oder John Frieda haben durchweg einen Bad-Hair-Day: Keine ist besser als "ausreichend".  

Haargel und Haarwachs im Test: Insgesamt 14 Produkte fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch den Test.
Haargel und Haarwachs im Test: Insgesamt 14 Produkte fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch den Test. (Foto: photo_oles/Shutterstock )

Kritische Stoffe in Hairstyling-Produkten

Die gefundenen Problemstoffe im Überblick: Formaldehyd/-abspalter, halogenorganische Verbindungen, Silikone und Paraffine, aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH), künstliche Moschusdüfte, Lilial und Abkömmlinge von Polyethylenglykolen

Schlusslichter der Haargele und Haarwachse

Diese Haargele und Haarwachse bewerten wir insgesamt mit "ungenügend". Sie sind die Verlierer des Tests:

  • 3 Wetter Taft Power Styling Gel, 5 von Schwarzkopf & Henkel
  • American Crew Forming Cream von Beautyge Brands
  • Aveo Men Kreativ Flex Fibre Paste, 4 von Müller Drogeriemarkt
  • Aveo Styling Factory Super Klebstoff Haargel, 8 von Müller Drogeriemarkt
  • Da Wax Hair Styling Wax von Da Dude
  • Got2b Phenomenal Forming Paste von Schwarzkopf & Henkel
  • L'Oréal Men Expert Barber Club Messy Look Matt-Paste von L'Oréal
  • L'Oréal Studio Line Spurenlos FX Styling Gel, 8 von L'Oréal
  • Swiss-o-Par Kokos Haarwachs von Rufin
  • Syoss Max Hold Wax von Schwarzkopf & Henkel
  • The Great British Grooming Pomade von The Great British Grooming
  • The Rituals of Samurai Hair Matt Shaper von Rituals
  • Wella Shockwaves Ultra Strong Power Hold Gel Styler, 5 von Coty

Eingesetze Konservierungsmittel sind problematisch

Bei den Problemstoffen geht es zunächst um problematische Konservierer: Das Produkt Wella Shockwaves Ultra Strong Power Hold Gel Styler, 5 enthält einen Konservierungsstoff, der nach und nach Formaldehyd freisetzt. Formaldehyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute und kann Allergien auslösen.

In vier Produkten kritisieren wir umstrittene halogenorganische Verbindungen, in drei davon sind entsprechende Konservierungsmittel deklariert. Andere Haargele und Haarwachse im Test zeigen, dass es durchaus Alternativen gibt, um Kosmetik frischzuhalten.

Hairstyling: Wir können insgesamt 13 der Haargele und Haarwachse im Test mit "sehr gut" empfehlen.
Hairstyling: Wir können insgesamt 13 der Haargele und Haarwachse im Test mit "sehr gut" empfehlen. (Foto: Michelle Aleksa/Shutterstock )

Neun Produkte mit Mineralöl belastet 

Ebenso unerwünscht wie bedenkliche Konservierungsmittel sind Paraffine und Silikone. Dank dieser künstlichen Substanzen lassen sich die Stylingprodukte zwar gut verteilen, allerdings legen sich die Stoffe auch wie ein Film über die Schuppenschicht des Haars, versiegeln es auf diese Weise und lassen sich schlecht auswaschen.

Mineralölbasierte Fette und Wachse wie Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Vaseline oder Ceresin haben ein größeres Problem: Sie können mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein. Darunter können sich auch Verbindungen befinden, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen.

Das Labor hat in neun Stylingprodukten MOAH nachgewiesen, vor allem in Haarwachsen und Haarpasten. Betroffen sind Produkte der Marken American Crew, Aveo, Da Wax, Got2b, LʼOréal, Swiss-o-Par, Syoss und Rituals.

Bedenkliche Duftstoffe in Haarwachsen und Haargelen

Viele Haargele und Haarwachse im Test haben einen markanten Duft. Doch was der (männlichen) Zielgruppe vielleicht angenehm in die Nase steigt, kann unter Schadstoff-Aspekten anrüchig sein. Wie die künstlichen Moschusdüfte, die das Labor in drei Hairstylingprodukten im Test nachgewiesen hat. Sie reichern sich im menschlichen Fettgewebe an; eine der Verbindungen gilt auch als gewässergefährdend.

Das getestete Haargel von 3 Wetter Taft enthält Lilial, obwohl der Duftstoff seit Längerem im Verdacht steht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Und auch über ein Naturkosmetikprodukt müssen wir dieses Mal die Nase rümpfen: Das Intelligent Nutrients Styling Gel duftet mit Cinnamal, das vergleichsweise oft Allergien auslöst.

Mit Haargel oder Haarwachs: Etwa 41 Prozent der Männer stylen ihre Haare (fast) täglich.
Mit Haargel oder Haarwachs: Etwa 41 Prozent der Männer stylen ihre Haare (fast) täglich. (Foto: Maridav/Shutterstock)

Außerdem unnötig: Mit mehr als der Hälfte aller Testprodukte schmiert man sich auch Abkömmlinge von Polyethylenglykolen (PEG) in die Haare. Als Emulgatoren sorgen sie dafür, dass sich eigentlich nicht mischbare Substanzen wie Wasser und Fette bzw. Öle miteinander verbinden. Doch sie können die (Kopf-)Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

So unterscheiden sich Haargel, Haarwachs & Co. 

Klebrige Details: Wie unterscheiden sich verschiedene Hairstyling-Produkte? 

  1. Haargel: Ist wasserbasiert und lässt sich leicht auswaschen. Es macht das Haar steif, sodass sich die Frisur nicht umstylen lässt. Basis sind natürliche oder synthetische Gelbildner.
  2. Haarwachs: Basiert auf natürlichen (Carnauba, Kokos) oder erdölbasierten Wachsen wie Paraffinen oder Vaseline. Gibt dem Haar starken Halt, härtet aber nicht aus. Die Frisur lässt sich nach dem Stylen verändern. Haarwachs lässt sich schwerer auswaschen als Gel. Für feines Haar ist es weniger geeignet.
  3. Haarpasten: Sind nicht klar definiert. Ihre Konsistenz reicht von klebrigem Lehm bis zu dicker Zahnpasta. Pasten geben mittleren bis starken Halt, sind matt oder leicht glänzend. Da sie wasserbasiert sind, lassen sie sich gut auswaschen.
  4. Frisier-/Stylingcreme: Gibt es seit rund einhundert Jahren. Die wasserbasierten Cremes geben leichten Halt, sind flexibel und halten sich beim Glanz zurück. Sie sind auch für feineres Haar geeignet. Stylingcremes enthalten oft Pflegekomponenten.
  5. Pomade: Pomade verleiht dem Haar einen glatten, akkuraten Look, meist mit starkem Glanz. Sie ist besonders geeignet für Kamm-Frisuren, die sich umstylen lassen. Klassisch sind ölbasierte Pomaden, es gibt aber auch wasserbasierte Varianten.
  6. Clay: Enthält Tonerde (clay = Englisch für Lehm/Ton), meist Bentonit. Es lässt das Haar dicker wirken und gibt ihm Halt, ohne es zu beschweren. Ideal für Frisuren mit viel Volumen. Clay am besten vor der Anwendung zwischen den Handflächen aufwärmen.

So reagierten die Hersteller: Cien-Haargel jetzt mit verbesserter Rezeptur

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2021 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 48 Haarstylingprodukte eingekauft, darunter zwölfmal zertifizierte Naturkosmetik. Die Stylingprodukte – überwiegend Gele, aber auch Wachse, Pasten, Pomade oder Cremes – sind in Drogeriemärkten, Reformhäusern und Parfümerien ebenso erhältlich wie in Bio-Märkten oder über Onlineanbieter. Die Preisspanne ist beachtlich: Sie reicht von 85 Cent bis zu fast 66 Euro für 150 Milliliter.

Von uns beauftragte Labore haben die Produkte auf kritische Inhaltsstoffe analysiert, darunter halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/- abspalter, Duftstoffe und gegebenenfalls Parabene. Jene Produkte, die Paraffine enthalten, wurden zusätzlich auf aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) untersucht. Ob die Testprodukte Substanzen wie PEG/PEG-Derivate oder für die Umwelt problematische Kunststoffverbindungen enthalten, hat das Labor anhand der Deklaration überprüft.

Das Gesamturteil basiert auf der Bewertung der Inhaltsstoffe. Ein "sehr gutes" Hairstyling-Produkt verzichtet auf Stoffe, die bedenklich oder umstritten für den Körper sind. Umweltbelastende Kunststoffverbindungen oder überflüssige Umkartons werten wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel ab. Dieses kann das Gesamturteil verschlechtern.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Butylphenyl Methylpropional (in Tabelle: Lilial); b) Duftstoffe, Allergien auslösen können (hier: Cinnamal); c) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen und/oder Cashmeran (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); d) PEG/PEG-Derivate; e) MOAH; f) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine; c) mehr als 10 mg/kg DEP.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Acrylates Copolymer, Acrylates/C1-2 Succinates/Hydroxyacrylates Copolymer, Acrylates C10-30 Alkyl Acrylates Crosspolymer, Acrylates/Hydroxyesters Acrylates Copolymer, Acrylates/Methacrylamide Copolymer, PVP, Polyurethane-1, Acrylates/Palmeth-25 Acrylate Copolymer, Acrylates/Steareth-20 Methacrylate Crosspolymer, Ammonium Polyacryloyldimethyl Taurate, Carbomer, Octylacrylamide/Acrylates/Butylaminoethyl Methacrylate Copolymer, Polyacrylamide, Polyquaternium-11, Polyquaternium-69, PVP, VA/Crotonates Copolymer, Vinyl Caprolactam/VP/Dimethylaminoethyl Methacrylate Copolymer, VP/Acrylates/Lauryl Methacrylate Copolymer, VP/DMAPA Acrylates Polymer, VP/Methacrylamide/Vinyl Imidazole Copolymer, VP/VA Copolymer). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Umkarton oder eine andere Umverpackung, die kein Glas schützt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtern das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/künstliche Moschusverbindungen und Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.

Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie.

Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration. Binden organischer Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes. b) Extraktion mit Essigester. Verbrennung des Extraktes im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes.

MOAH: Die Mineralölkohlenwasserstoffe werden aus der Probe mit einem geeigneten Lösemittel extrahiert und verseift. Ein Aliquot des Extraktes wird auf eine Festphasensäule gegeben. Diese dient der Aufreinigung und Vortrennung der MOSH/MOSH-Analoge- und MOAH-Fraktion. Zunächst werden die MOSH/MOSH-Analoge eluiert und verworfen, anschließend werden die MOAH eluiert und das Eluat aufgefangen. Das Eluat wird eingeengt und die MOAH mittels online HPLC-GC bestimmt.

Konservierungsstoffe (Parabene, Phenoxyethanol): Probe in geeignetem Lösungsmittel lösen, LC-UV.

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse

Einkauf der Testprodukte: Dezember 2019 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.