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Vegane Ernährung für Kinder: Darauf sollten Sie achten

Ratgeber Kinder und Familie 2019 | Autor: Katja Tölle | Kategorie: Kinder und Familie | 19.09.2019

Vegane Ernährung für Kinder: Darauf sollten Sie achten
(Foto: Pixabay/JennyJohansson)

Kinder vegan ernähren – Das sehen die meisten Ernährungsexperten kritisch. Eine neue Studie zeigt aber, dass es geht. Meistens zumindest. Was Eltern beachten sollten.

Es ist kein Problem, wenn Eltern ihr Kind vegetarisch ernähren, solange sie Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren im Blick behalten. Aber ist vegan auch okay? Die Antwort: Jein. Einfach so vegan geht nicht. Die Eltern müssen kritische Nährstoffe im Blick haben, sehr gut informiert sein und den Kindern Nahrungsergänzungsmittel geben. Eine neue Studie zeigt: Dann geht’s – meistens.

Die Vegetarian and Vegan Children Study (VeChi-Studie) kommt zu dem Ergebnis: Die allermeisten Kinder, die vegetarisch oder vegan essen, entwickeln sich vollkommen normal. Die allermeisten heißt etwa 95 Prozent. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass etwa fünf Prozent der Kinder zu klein für ihr Alter sind – bei den Veganern etwas mehr als bei den Vegetariern. Woran liegt das?

Vegane Ernährung für Kinder: Ungesund oder nicht? 

„Wir haben uns die Fälle genau angeschaut“, sagt Markus Keller, Professor für vegane Ernährung an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld, der gemeinsam mit Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn die Studie leitet. In fast allen Fällen ließen sich Gründe finden, die nicht in direktem Zusammenhang mit der veganen Ernährung standen. So stillten einige Mütter sehr lang ausschließlich, ohne zuzufüttern. Deswegen war die Energiezufuhr zu niedrig. In anderen Fällen waren die Eltern sehr klein, ein Kind hatte ein sehr geringes Geburtsgewicht.

„Es gab aber in jeder Gruppe – vegan, vegetarisch und omnivor – Nachteile“, sagt Keller. Denn: Bei den Mischköstlern ist auch nicht alles rosig. Da waren drei Prozent der Kinder zu dick, und 20 Prozent waren so schwer, dass man zumindest von einem Risiko für Übergewicht sprechen kann. Für die Studie haben die Universität Bonn, die Fachhochschule des Mittelstands und das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung die Daten von 430 Kindern im Alter zwischen ein und drei Jahren ausgewertet.

Andere Ernährungsexperten bleiben kritisch. „Je restriktiver die Ernährung bei Kindern ist, desto höher ist das Risiko für gesundheitliche Probleme wie Leistungsschwäche, neurologische und Wachstumsstörungen“, warnt Professor Bertold Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung an der Kinderklinik der Uni München.

Pixabay/SvenHilker; Pixabay/ExplorerBob
Pixabay/SvenHilker; Pixabay/ExplorerBob

8 Tipps für vegane Kinderernährung

  1. Bei veganer Ernährung ist Stillen besonders wichtig, am besten weit über das erste Lebensjahr hinaus. Die Mutter sollte Vitamin-B12-Präparate nehmen. Allerdings sollten die Babys, genau wie nichtvegan ernährte Babys, nicht länger als ein halbes Jahr ausschließlich gestillt werden. Spätestens ab dem siebten Lebensmonat sollten sie Beikost bekommen.
  2. Apropos Vitamin B12: Nicht nur die Mütter, auch die Kinder brauchen diese Nahrungsergänzung – darin sind sich Experten einig. Es gibt sie auch kindgerecht als Tropfen. Kinderärzte können die Werte regelmäßig kontrollieren.
  3. Gute Eiweißlieferanten: Kartoffeln, Kichererbsen, rote Linsen, Haferflocken, Reis, Gerste, Buchweizen, Hirse sowie Nudeln, Vollkornbrot und Nüsse. Kombinationen aus Kartoffeln und Getreide oder Hülsenfrüchten, Nuss- und Mandelmus liefern besonders hochwertiges Eiweiß.
  4. Gute Kalziumlieferanten: Milchalternativen wie mit Kalzium angereicherte Hafer-, Soja- und Reisdrinks kann es in denselben Mengen geben wie ansonsten Milch. Außerdem eignen sich kalziumreiches Mineralwasser (Gehalt > 400 Milligramm pro Liter) und kalziumreiche Lebensmittel wie Brokkoli, Grünkohl und Rucola. Haselnüsse, Mandeln und Sesam sind als Nuss-, Mandelmus und Tahin auch für Kinder geeignet. Übrigens: Salz fördert die Kalziumausscheidung. Je weniger Salz also, desto besser.
  5. Gute Jodlieferanten: klar, jodiertes Speisesalz. Aber Salz sollen Kleinkinder ja nicht viel bekommen. Also: Ein guter Jodlieferant ist auch die Norialge. Darauf achten, dass der Jodgehalt deklariert ist. Liegt er über 20 Milligramm pro Kilo, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung vom Verzehr ab.
  6. Gute Eisen- und Zinklieferanten: Hülsenfrüchte, Nüsse, Ölsamen wie Sesam und Leinsamen, Vollkornprodukte aller Art und auch einige Gemüsesorten wie Spinat, Grünkohl, Feldsalat und Schwarzwurzeln sind gute Lieferanten. Ab etwa einem halben Jahr können Kinder auch Vollkornbrot essen. Durch gleichzeitige Aufnahme von Vitamin-C-reichen Lebensmitteln wie Obst verbessert sich die Eisenaufnahme.
  7. Gute Vitamin B2- und B6-Lieferanten: Pilze, Nüsse, Mandeln, Ölsamen, Hülsenfrüchte und Vollkorn sind gute Vitamin-B2-Spender; Bananen, Möhren und Kartoffeln sowie Walnüsse liefern B6.
  8. Wichtig ist es, auf die Versorgung mit den Fettsäuren EPA und DHA zu achten. Eine strikt vegane Ernährung liefert davon nur sehr geringe Mengen. Auch die Umwandlung von Alpha-Linolensäure aus Leinsamen, Walnüssen, Raps und daraus hergestellten Ölen in EPA und DHA sei begrenzt, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie empfiehlt Öle mit Mikroalgenzusatz, die DHA liefern.

Dieser Beitrag ist im Ratgeber Kinder und Familie 2019 erschienen. Hier können Sie diesen als e-Paper erwerben.

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