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Schlimmer als McDonald’s: Kindergerichte in Restaurants oft extrem ungesund

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kinder und Familie | 04.02.2019

Schlimmer als McDonald’s: Kindergerichte in Restaurants oft extrem ungesund
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Cairomoon)

Schnitzel mit Pommes, Chicken Nuggets, Nudeln mit Sauce: Kindergerichte in Restaurants sind Forschern zufolge fast alle extrem ungesund.

"Käpt’n Blaubär", "Pumuckl-Teller" und "Biene Maja": Die Namen auf der Kinder-Speisekarte sollen bei Kindern für leuchtende Augen sorgen. Auf den Tisch kommen Chicken Nuggets, Schnitzel mit Pommes oder einfach nur Pommes mit Ketchup und Mayonnaise. Die Auswahl auf Kinderspeisekarten ist meist klein – und die Gerichte fast immer ungesund. Das ist das alarmierende Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Universität Heidelberg. Die Wissenschaftler untersuchten dafür knapp 1.900 Kindergerichte von 500 Speisekarten. Sie stammen nicht aus Fastfood-Ketten, sondern aus inhabergeführten Restaurants.

Zu viel Fett und zu viele Kalorien 

Mehr als 80 Prozent der Gerichte seien aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ungesund. Die Kritikpunkte der Wissenschaftler: Die Gerichte für Kinder bestehen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln, sie enthalten viele Kalorien und wenig Nährstoffe und zudem zu viel Fett, erklärt der Experte für Kindergesundheit Sven Schneider von der Universität Heidelberg.

Die Hälfte der ausgewerteten Kindergerichte enthielt frittierte und damit höchst ungesunde Pommes Frites. Volllkornprodukte fanden die Tester kein einziges Mal auf der Speisekarte. Eine Gemüsebeilage war immerhin bei ungefähr jedem dritten Gericht dabei. Weniger als zehn Prozent der Kindergerichte enthielten Seefisch.

Gegenüber ÖKO-TEST erklärt Sven Schneider: "Obwohl wir in Deutschland über eine traditionsreiche Restaurantkultur, in der Regel hervorragend ausgebildetes Küchenpersonal und ein mannigfaltiges, regional differenziertes Speiseangebot verfügen, setzen wir unseren Kindern tristes und ungesundes Essen vor: 80 Prozent des Angebotes auf Kinderspeisekarten beschränkt sich auf lediglich acht Gerichte."

Die Forscher bewerteten die Qualität der Gerichte auf der Grundlage der Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die für Mittagessen in Kitas und Schulen gelten. „Ein Viertel der Gerichte erfüllt kein einziges Qualitätskriterium und 38 Prozent nur ein einziges“, so die Kritik der Forscher. 

Das traurige Fazit der Wissenschaftler: „Das Kinderessen in deutschen Restaurants ist noch ungesünder als das typische Essen der amerikanischen Fastfood-Ketten.“

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) teilte via Twitter mit, die Ergebnisse der Studie seien ein Grund, sich mit Vertretern von Restaurants und Gaststätten zu treffen.

Unser Tipp für Eltern: Kinder sind außerhalb der eigenen vier Wände oft viel experimentierfreudiger als daheim. Fragen Sie im Restaurant nach, ob es von einem ausgewogenen Gericht von der „normalen“ Karte eine kleine Kinderportion gibt. Meistens ist das problemlos möglich. Wenn der Salat hübsch angerichtet ist und das Dressing anders schmeckt als gewohnt, hat im Restaurant auch Grünzeug die Chance, bei Kindern Begeisterung auszulösen.

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