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Schlafstörungen bei Kindern: So helfen Sie Ihrem Kind

Kategorie: Kinder und Familie | 19.01.2020

So helfen Sie, wenn Ihr Kind unter Schlafstörungen leidet
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / ddimitrova

Babys müssen ihren Schlafrhythmus erst finden. Deshalb ist es ganz normal, dass sie manchmal schlecht einschlafen oder nachts unruhig sind. Wenn die Probleme aber über längere Zeit andauern, kann auch eine Schlafstörung schuld sein. So können Eltern ihren Kindern helfen.

Wie viel Schlaf braucht ein Kind in welchem Alter?

Auch wenn der Schlafbedarf mit dem Alter abnimmt, ist er doch in jeder Lebensphase von Kind zu Kind verschieden. Ab dem Alter von drei Monaten nimmt der Schlafbedarf ab.

  • Säuglinge (0 bis 3 Monate): 15 bis 16 Stunden täglich
  • Kleinkinder: 13 bis 14 Stunden täglich
  • Vorschulkinder: ungefähr 11 Stunden
  • Schulkinder zwischen 7 und 10 Jahren: ungefähr 10 Stunden

Schlafen schon kleine Kinder unterschiedlich lange?

Ja, auch kleine Kinder sind schon sehr individuell, was die Dauer des Schlafes betrifft. Ihr Schlafbedürfnis entscheidet auch darüber, wie lange sie noch Mittagsschlaf halten. Manche Kinder brauchen das Schläfchen am Tage noch bis zur Einschulung oder hin und wieder sogar noch während der Grundschulzeit, andere verzichten bereits mit zwei Jahren darauf. Auch die Veranlagung dafür, ob ein Kind eine Lerche ist und morgens früh wach und putzmunter ist, oder doch eher eine Eule, die morgens schwer wach zu kriegen ist und dafür abends kaum ins Bett findet, ist schon früh angelegt. Eltern sollten, solange es mit dem Alltag vereinbar ist, darauf Rücksicht nehmen.

Schlaftagebuch hilft 

Wer befürchtet, dass sein Kind zu wenig schläft, sollte über zehn Tage hinweg ein Schlaftagebuch führen, in das jedes Nickerchen und jeder längere Schlaf eingetragen wird. Aus den ermittelten Zeiten bildet man den Durchschnittswert. Vielleicht zeigt sich daran, dass das Kind tagsüber viel ruht und deshalb nachts schon ausgeschlafen hat.

Ab wann entwickelt ein Baby einen regelmäßigen Schlafrhythmus?

Auch das ist von Kind zu Kind verschieden. Wenn die Kinder auf die Welt kommen, haben sie zunächst keinen Tag-und-Nacht-Rhythmus. Erst allmählich lernen die Kleinen, einen Schlafrhythmus einzuhalten. In der Regel pendelt der sich nach etwa einem halben Jahr ein. Die Kinder sind dann tagsüber aktiver und schlafen nachts länger. Um ihnen das Erlernen des Schlafrhythmus zu erleichtern, sollten Eltern darauf achten, dass nachts kein großes Programm abläuft. Versorgen Sie das Kind im Halbdunkeln und möglichst, ohne groß mit ihm zu reden. Es soll nicht hellwach werden und sich an eine Bespaßung in der Nacht gewöhnen.

Ab welchem Alter sollten Kinder durchschlafen?

Es gibt keine festen Regeln. Um das Durchschlafen zu fördern, empfiehlt es sich, das Nickerchen am frühen Abend zu streichen. Auch wenn es praktisch ist, für eine Stunde seine Ruhe zu haben, um das Abendbrot zuzubereiten oder endlich die Wäsche aufzuhängen: Dieser kurze Schlaf hindert das Kind später daran, acht Stunden hintereinander durchzuhalten. Wecken Sie das Kind deshalb auf, spielen Sie mit ihm, bis es seine Abendmahlzeit bekommt und das Nachtritual beginnt.

Auch Kinder unter einem Jahr profitieren bereits von einem regelmäßigen Tagesrhythmus und Ritualen, wenn sie abends ins Bett gehen. Wickeln, füttern, in den Armen wiegen, singen – und dann schlafen. Diese beruhigende Regelmäßigkeit hilft dem Kind, in den Schlaf zu finden. Zum anderen sollten die Kinder nach Möglichkeit allein in ihrem Bett zur Ruhe kommen. Nachts wachen sie einige Male auf. Sie orientieren sich: Hat sich nichts verändert, dann schlafen sie wieder ein. Schlummert das Kind im Arm der Mama ein und wird dann ins Bettchen gelegt, ist es wahrscheinlicher, dass es anfängt zu protestieren, wenn es aufwacht.

Wann spricht man von Schlafstörungen?

Die meisten Kinder haben hin und wieder Probleme beim Schlafen, etwa wenn sie etwas tagsüber sehr beschäftigt hat oder sie traurig macht. Das ist normal und vergeht meistens nach kurzer Zeit von selbst.

Von Schlafstörungen spricht man erst, wenn das Kind an mindestens vier Nächten in der Woche dreimal oder häufiger aufwacht, jeweils länger als 20 Minuten wach ist und wenn es nur mithilfe der Eltern in den Schlaf findet.

In den ersten sechs Monaten spricht man allerdings grundsätzlich nicht von Schlafstörungen, da das Kind in diesem Alter noch seinen eigenen Schlafrhythmus erlernen muss.

Welche Ursachen haben Schlafstörungen?

Häufig liegt es nur daran, dass die Kinder keinen festen Tagesrhythmus haben oder sich mit der Zeit Rituale eingeschlichen haben, die das Kind davon abhalten, allein in den Schlaf zu finden oder durchzuschlafen. Auch bestimmte Entwicklungsschritte wie das Laufenlernen oder der Übergang in den Kindergarten können dazu führen, dass das Kind unruhig schläft. Darüber hinaus können seelische Belastungen wie die Trennung der Eltern, ein neues Geschwisterchen oder auch Angst vor Monstern in der Dunkelheit für Schlafstörungen sorgen. Manchmal sind auch äußere Faktoren wie ein zu warmes oder zu helles Zimmer, schwere Mahlzeiten vor dem Schlafen oder zu viel Aufregung durch Fernsehen oder Computerspiele wahre Schlafräuber.

Forscher in Frankreich haben vor einigen Jahren in Schlaflabor-Untersuchungen herausgefunden, dass der Schlaf von Neugeborenen verkürzt ist, wenn die Mutter raucht: Die Babys von Raucherinnen schliefen demnach unruhiger und im Durchschnitt zwei Stunden weniger als andere Kinder. Natürlich können Schlafstörungen aber auch ein Hinweis auf akute oder chronische Erkrankungen sein.

Kann auch eine falsche Matratze die Ursache von Schlafstörungen sein?

Eigentlich nicht, aber eine Kindermatratze sollte schon bestimmte Anforderungen erfüllen. Immerhin verbringen die Kleinen eine Menge Zeit auf ihr. Generell sollte eine Kindermatratze nicht zu hart, nicht zu weich, sicher und vor allem schadstofffrei sein.

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Bei welchen Schlafstörungen ist ein Arztbesuch notwendig?

Wenn Schlafstörungen über längere Zeit auftreten, das Kind tagsüber sehr müde und unausgeglichen ist oder wenn es selbst und die ganze Familie unter der Situation leiden, sollten Sie zur Sicherheit einen Kinderarzt aufsuchen. Denn auf Dauer gefährdet mangelnder Schlaf die gesunde Entwicklung Ihres Kindes. In den meisten Fällen hilft jedoch schon eine Umstellung der (Ein-)Schlafgewohnheiten.

Was ist eigentlich ein Schlaflabor?

In einem Schlaflabor werden verschiedene Körperfunktionen im Schlaf gemessen und aufgezeichnet. Aus den Daten sollen Rückschlüsse auf die Ursachen von Schlafstörungen gezogen werden. Mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) werden beispielsweise die Hirnaktivitätsströme gemessen, andere Sonden überwachen Herzschlag und Atem. Außerdem zeichnet eine Kamera während der gesamten Nacht die Bewegungen und Geräusche auf, die der Schlafende macht. Eine Liste der in Deutschland akkreditierten Schlaflabore und von speziellen Kinderschlaflaboren findet man über die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Wie bekommt man ein total übermüdetes, quengeliges Kind zum Einschlafen?

  • Sorgen Sie für feste Strukturen im Alltag und tagsüber für ausreichend Bewegung – möglichst an der frischen Luft.
  • Versuchen Sie, Aufregung, wilde Spiele und Fernsehen kurz vor dem Zubettgehen zu vermeiden.
  • Oft helfen Rituale wie eine Gutenachtgeschichte, ein Schlaflied oder ein Gespräch darüber, wie der Tag gelaufen ist, um ein aufgedrehtes, quengeliges Kind liebevoll "herunterzufahren".
  • Im akuten Fall bleibt Eltern nichts übrig, als ihr Kind konsequent zu Bett zu bringen und notfalls so oft ins Kinderzimmer zu gehen und es zu beruhigen, bis es vor lauter Müdigkeit irgendwann doch einschläft.

Sind Schlafmittel für Kinder eine Möglichkeit?

Ganz klar: Nein. Wenn Kinder nicht schlafen können, brauchen sie jemanden, der nach den Ursachen dafür sucht - Schmerzen, Ängste oder Stress – und diese beheben hilft. Und wenn die Eltern etwas vorhaben, ist ein Babysitter allemal besser als ein Schlafmittel. Einige pflanzliche Präparate sind zwar für Kinder ab sechs Jahren oder sogar ganz ohne Alterseinschränkung empfohlen, doch es könnte fatal für die Entwicklung von Kindern sein, wenn sie merken, dass sie nur mithilfe von Medikamenten ein- und durchschlafen können.

Was tun bei Albträumen?

Albträume haben mit Belastungen oder Konflikten zu tun. Bereits Zweijährige haben schlechte Träume, häufiger kommen sie mit drei oder vier Jahren vor. Meist sind die Träume kein Grund zur Beunruhigung.

  • Im akuten Fall trösten und beruhigen Sie Ihr Kind und warten, bis es wieder eingeschlafen ist.
  • Vorbeugend hilft ein Abendritual dem Kind in einen entspannten Schlaf.
  • Fantasievolle Traumfänger, die übers Kinderbett gehängt werden, beruhigen die Kleinen zusätzlich.
  • Hilfreich sind auch Beschütz-mich-Tiere, die das Bett zur monstersicheren Zone machen.
  • Außerdem ist eine gesunde Schlafatmosphäre wichtig: Zimmer gut lüften, das Kind nicht zu warm anziehen, keine schweren Decken und kein Fernsehen direkt vor dem Schlafengehen.

Was sind Aufwachstörungen?

Zu den Aufwachstörungen (Parasomnien) gehören das Schlafwandeln, der Nachtschreck (Pavor nocturnus) und Schlaftrunkenheit, aber auch das Sprechen im Schlaf. Sie treten im Kindesalter gehäuft auf, sind in der Regel harmlos und verschwinden nach einer Weile von selbst.

Das Schlafwandeln tritt vor allem bei älteren Kindern auf – häufig direkt aus dem traumlosen Tiefschlaf heraus, typischerweise im ersten Drittel der Nacht. Zu Verletzungen kommt es dabei in der Regel nicht. Die Kinder nicht abrupt ansprechen oder aufwecken, sie könnten in Panik geraten. Am besten schiebt man sie vorsichtig zurück ins Bett. Normalerweise verschwindet das Phänomen spätestens bis zum 20. Lebensjahr.

Auch der Pavor nocturnus ist harmlos. Er kommt bei zwei bis fünf Prozent aller Kinder vor, es gibt eine genetische Veranlagung dazu. Meist sind die Kinder zwischen zwei und sechs Jahren alt. Der Schreck ist erst mal aufseiten der Eltern. Mit gellendem Schrei fährt der Nachwuchs etwa zwei Stunden nach dem Einschlafen aus dem Schlaf und zeigt Anzeichen tiefer Furcht: geweitete Pupillen, schnelle Atmung, Herzrasen, Schwitzen, Muskelverspannungen. Das Kind windet und krümmt sich wie unter Schmerzen, ruft häufig nach seinen Eltern, erkennt sie aber nicht und wehrt sie sogar ab. Der Nachtschreck dauert etwa 15 lange Minuten, zum Schluss wacht das Kind kurz auf und schläft dann ruhig ein. Am nächsten Tag kann es sich an nichts mehr erinnern.

Was sind nächtliche rhythmische Bewegungsstörungen?

Auch wenn es für Eltern sehr beunruhigend ist und erschreckend wirkt – die rhythmischen Bewegungsstörungen sind in der Regel harmlos und dienen dem Kind vermutlich dazu, sich zu beruhigen. Kurz vor dem Einschlafen schlagen sie etwa mit dem Kopf oder dem Körper gegen die Gitterstäbe des Bettchens oder werfen den Kopf schnell von einer Seite auf die andere. Normalerweise verletzen sie sich dabei nicht. Und spätestens ab dem Alter von vier Jahren verschwindet dieses Verhalten von selbst.

Ist es schädlich, wenn Kinder nachts häufig mit den Zähnen knirschen?

Dass Kinder nachts gelegentlich mit den Zähnen knirschen, ist normal. Bei Babys und Kleinkindern zwischen dem achten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr ist das Zähneknirschen sogar ein natürliches Entwicklungsphänomen. In diesem Alter schießen die neuen Milchzähne durch die Zahnleisten und wachsen in die Mundhöhle hinein. Durch das Knirschen schleifen sich die Kauflächen gegenseitig ab, damit die Zähne der unteren Zahnreihe exakt zur Zahnlänge der oberen passen. Bei älteren Kindern dagegen deutet Zähneknirschen oft auf psychische oder stressbedingte Ursachen hin, manchmal aber einfach auch auf eine Fehlstellung des Gebisses.

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