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Kreidezähne durch Weichmacher in Plastik?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kinder und Familie | 23.11.2018

Kreidezähne durch Weichmacher in Plastik?
(Foto: Prof. Dr. Norbert Krämer)

Fast 20 Prozent der Kinder leiden unter fleckigen und bröckelnden Zähnen, Tendenz steigend. Bei den sogenannten Kreidezähnen ist die Bildung von schützendem Zahnschmelz gestört. Die genauen Ursachen sind noch unbekannt.

Als Kreidezähne werden Zähne bezeichnet, bei denen der Zahnschmelz weicher als normal ist. Schon wenn die Zähne im Kindermund durch den Kiefer brechen, sind sie fleckig und bröckelig. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bezeichnet Kreidezähne als „neue Volkskrankheit“. Der medizinische Fachbegriff für die bröselnden Zähne ist Molaren-Hypomineralisation (MIH).

Entdeckt wurde MIH erst 1987, inzwischen schlagen Zahnärzte Alarm, weil in ihren Praxen immer häufiger verzweifelte Familien mit ihren Kinder mit Kreidezähnen erscheinen. Aktuelle Studien zeigen, dass ungefähr 10 bis 15 Prozent der jüngeren Kinder an MIH leiden. Bei den Zwölfjährigen sollen es bereits knapp 30 Prozent sein. Ganz genaue Zahlen gibt es bislang nicht. Aber klar ist: Die Schmelzbildungsstörung wird zu einem immer größeren Problem.

Kreidezähne führen zu Karies

Kreidezähne sind unschön anzusehen, sie tun weh – und vor allem sind sie gefährlich. In der porösen Zahnoberfläche können sich leicht schädliche Bakterien einnisten, die Gefahr von Karies steigt. Zudem lässt sich die raue Oberfläche nur schlecht sauber halten. Die betroffenen Kinder haben Schmerzen, wenn Kälte oder Luft an die empfindlichen Zähne kommen. Das macht das Putzen nochmals schwieriger.

Welche Zähne betroffen sind, ist ganz unterschiedlich: Mal sind es nur die Backenzähne, mal auch die Schneide- oder Frontzähne. Die Flecken rangieren farblich zwischen weißlich-gelb bis gelblich-braun. Betroffen sind hauptsächlich die bleibenden Zähne, das macht die Krankheit so gefährlich.

Gestörte Mineralisation bei Kreidezähnen

Die Entwicklung und Aushärtung der Zähne findet zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr statt. In dieser Phase werden Kalzium und Phosphat in den Zähnen eingelagert. Bei Kreidezähnen ist der Prozess des Aushärtens gestört, der Zahnschmelz bleibt weichlich. Die Zähne sind häufig schon kaputt, wenn sie durchbrechen. 

Gründe für MIH noch unklar

Warum plötzlich so viele Kinder von MIH betroffen sind, ist noch völlig unklar. Mangelnde Zahnpflege ist es nicht – häufig sind die Zähne schon beim Durchbruch durch den Kiefer bröselig. Die Ursachen für die Schmelzbildungsstörung werden in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten und -jahren gesucht. Antibiotika stehen ebenso in Verdacht wie Erkrankungen während der Schwangerschaft oder Umweltgifte. Als mögliche Gründe werden folgende Punkte diskutiert:

  • Veranlagung
  • Infektionskrankheiten wie Windpocken
  • Dioxine
  • Geringer Vitamin-D-Spiegel
  • Frühe Einnahme des Antibiotikums Amoxicillin
  • Bisphenol A (BPA)

 BPA wird aufgrund einer 2013 im American Journal of Pathology veröffentlichten Studie als möglicher Verursacher diskutiert. In Tierversuchen wurde trächtigen Ratten und neugeborenen Rattenbabys Bisphenol A eingeflößt. Die Forscher beobachteten später bei den Tieren massive Störungen in der Schmelzentwicklung.  Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält den direkten Zusammenhang zwischen Bisphenol A und Kreidezähnen bei Kindern aber für „unwahrscheinlich“. Man müsse bei der Entstehung von MIH von einem multifaktoriellen Geschehen ausgehen, so das Fazit des BfR.

Auch ÖKO-TEST meint, dass sich die Frage, inwieweit BPA für bröselige Zähne von Kindern verantwortlich ist, nach dem aktuellem Forschungsstand noch nicht abschließend beantworten lässt.  

BPA gehört zu den Chemikalien, die sich im Alltag kaum gänzlich vermeiden lassen: Es steckt zum Beispiel in Plastikbehältern, Spielzeug, Konserven- und Getränkedosen. Trinkflaschen für Kinder, Schnuller und auch Spielsachen, die ohne BPA hergestellt wurden, sind an der Kennzeichnung "BPA-frei" zu erkennen.

Wichtig bei Kreidezähnen: Karies vermeiden

Heilen lassen sich Kreidezähne leider nicht. Ganz wichtig ist deshalb eine besonders intensive Prophylaxe: Kinder sollten die Zähne so gründlich wie nur möglich putzen, Eltern dürfen dabei möglichst lange mithelfen. Wichtig für die Zahnpflege ist eine fluoridhaltige Zahncreme. Außerdem ist eine regelmäßige (mindestens zwei Mal jährlich) Vorstellung in der Zahnarztpraxis wichtig. Der Zahnarzt kann die beschädigten Zähne fluoridieren und versiegeln. Das macht sie weniger empfindlich und anfällig.

Quellen: www.dgzmk.de / www.bfr.bund.de

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