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Kaffee in der Schwangerschaft: Wie viel Koffein ist erlaubt?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kinder und Familie | 09.05.2022

Darf man auch in der Schwangerschaft Kaffee trinken?
Foto: Shutterstock / Stock Holm

Für viele Menschen gehört eine Tasse Kaffee zum Start in den Tag oder gegen das kleine Tief am Nachmittag einfach dazu. Aber wie ist das in der Schwangerschaft? Ist Kaffee für Schwangere erlaubt? Kann viel Koffein dem Kind schaden?

Ein Leben ohne Kaffee ist möglich, aber sinnlos. Dieser Spruch hat für viele Menschen einen wahren Kern: Ob als Wachmacher in der Früh oder für den kleinen Energie-Kick am Nachmittags, Kaffee gehört für viele Menschen zum festen Tagesablauf. Er weckt die Lebensgeister – und schmeckt einfach gut. In der Schwangerschaft fragt sich aber so manche werdende Mama: Ist Kaffee jetzt noch erlaubt? Oder schadet das Koffein womöglich dem heranwachsenden Baby? 

Die kurze Antwort lautet: Kaffee – in Maßen – ist weiterhin erlaubt. 

Die etwas längere Antwort beginnt mit einer Relativierung: In der Schwangerschaft ist Koffeein für das werdende Kind nicht ganz unumstritten. Das beginnt schon mit der ganz offensichtlichen Wirkung, die Koffein auf das ungeborene Kind hat:

Wie wirkt Koffein im Körper von Mutter und Kind?

Das Koffein aus dem Blut der Mutter gelangt ungehindert über die Plazenta in den Organismus des Babys. Das hat zur Folge: Wenn Sie eine Tasse Kaffee trinken, kommt das Koffein mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung bei Ihrem Kind an – und zwar erstaunlicherweise in einer ähnlichen Menge.

Die Koffeinkonzentration im Blut des Kindes ist also genauso hoch wie bei der Mutter. Und das Koffein wirkt auch bei beiden ähnlich: Es macht wach und munter, beschleunigt den Herzschlag, regt die Nervenzellen im Gehirn an, lässt den Blutdruck ansteigen und sorgt insgesamt für Unruhe.

Dazu kommt: Der kindliche Organismus ist das Koffein nicht gewöhnt. Ihm fehlen zudem die Enzyme (Cytochrome), um das Koffein wieder abzubauen. Damit bleibt der Koffeinspiegel beim ungeborenen Kind länger erhöht als bei der werdenden Mutter.

Wie Koffein darüber hinaus im kindlichen Körper wirkt und wie es seine Entwicklung beeinflusst, ist wissenschaftlich noch nicht ganz klar.

Das Koffein, das die werdende Mutter beim Kaffee trinken zu sich nimmt, landet über die Nabelschnur auch beim Baby.
Das Koffein, das die werdende Mutter beim Kaffee trinken zu sich nimmt, landet über die Nabelschnur auch beim Baby. (Foto: Shutterstock / Naeblys)

Wie viel Koffein ist in der Schwangerschaft erlaubt?  

Die gute Nachricht für alle Kaffee-Fans: Kaffeetrinken ist in der Schwangerschaft nicht verboten. Schwangere dürfen Kaffee trinken, allerdings sollten sie unbedingt auf die Menge Koffein, die sie zu sich nehmen, achten. 200 Milligramm Koffein pro Tag gelten als unbedenklich.

Diesen Höchstwert hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegt. Er gilt für alle Phasen der Schwangerschaft. Das bedeutet: Bis zu drei Tassen Filterkaffee sind noch im Rahmen. Weniger oder gar kein Koffein ist aber besser!

Lesen Sie auch: Wie viele Tassen am Tag: Ist Kaffee gesund oder ungesund?

Schadet Kaffee in der Schwangerschaft dem Baby?

Die Empfehlung der EFSA, der sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) angeschlossen haben, gibt zwar Entwarnung. Die Ergebnisse einiger wissenschaftlicher Studien machen aber nachdenklich:

Wissenschaftliche Forschungsstudien bringen einen erhöhten Kaffeekonsum mit einer späteren Fettleibigkeit der Kinder, leichten Wachstumsverzögerungen sowie einem niedrigeren Geburtsgewicht in Verbindung. Einige Studien deuten auch darauf hin, dass ein höherer Koffeinkonsum in der Schwangerschaft das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen kann. Ein geringer Koffein-Konsum gilt laut einer aktuellen Studie aus den USA aber als unproblematisch.

Wichtig zu wissen: Die Datenlage ist hier bislang dünn – und die Ergebnisse zum Teil widersprüchlich. 

Fazit: Gegen die empfohlene Menge von 200 Milligramm Koffein am Tag spricht nur wenig. Mehr sollte es aber nicht sein. Wenn Sie auf den Wachmacher Kaffee verzichten können, sollten Sie das Ihrem Kind zuliebe tun. 

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In welchen Lebensmitteln steckt Koffein?

Nicht nur Kaffee in sämtlichen Formen (von Filterkaffee über Espresso & Co. bis zu Eiskaffee) enthält Koffein. Auch Cola, einige Limonaden, Grüntee, Eistee und Schwarztee sowie Schokolade enthalten Koffein:

  • Espresso (60 ml): ca. 80 mg
  • Filterkaffee (200 ml): ca. 90 mg
  • Grüner Tee (200 ml): ca. 30 mg
  • Schwarzer Tee (200 ml): ca. 45 mg
  • Cola (250 ml): ca. 25 mg
  • Zartbitterschokolade (100 g): 50 mg
  • Milchschokolade (100 g): 25 mg
  • Kakao (200 ml): 8 bis 35 mg

Hier handelt es sich um Durchschnittswerte, die je nach Zubereitungsart variieren können.

Übrigens: Auf Energy-Drinks sollten Schwangere komplett verzichten. Sie enthalten viel Koffein und weitere Stoffe (z.B. Taurin), deren genaue Wirkung noch nicht genügend erforscht ist. Hersteller sind deshalb seit Ende 2014 dazu verpflichtet, auf den Dosen von Energy Drinks den Warnhinweis "Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" aufzudrucken.

Wie viel Koffein ist in der Stillzeit erlaubt?

Wenn die Mutter ihr Kind still, gilt dieselbe Empfehlung (200 mg Koffein täglich) wie während der Schwangerschaft. Denn auch über die Muttermilch geht das Koffein in den Kreislauf des Babys über. "Ein Baby braucht mehr als drei Tage, um das aufgenommene Koffein wieder abzubauen. Das kann zu Unruhe, Bauchschmerzen und Blähungen beim Säugling führen," erklärt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Welche Alternativen zu Kaffee gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an koffeinfreien-Kaffee-Alternativen, bei denen der Genuss nicht auf der Strecke bleibt:

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