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Zündstoff Silvesterfeuerwerk

Autor: Benita Wintermantel / Annette Dohrmann | Kategorie: Freizeit und Technik | 10.12.2019

Immer mehr Städte verbieten Feuerwerk
Foto: C0 Public Domain / Pixabay - nickgesell

Die Knallerei in deutschen Städten eskaliert immer häufiger, zudem sorgt das Feuerwerk für hohe Feinstaubwerte. Einige Städte ziehen daraus Konsequenzen und schränken private Feuerwerke ein. 

Wenn Raketen und andere Knaller in der Silvesternacht auf übermäßigen Alkoholkonsum treffen, wird es in deutschen Innenstädten oft gefährlich. Feiernde werfen Böller direkt vor die Füße von Passanten oder auf fahrende Autos. Auch Angriffe auf die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei sind in der Nacht des Jahreswechsels keine Seltenheit.

Gesundheitsschädlicher Feinstaub durch Raketen

Und auch die Umwelt leidet: Mit den Silvesterraketen gelangen massenhaft Schadstoffe in die Luft. Am ersten Tag eines neuen Jahres liegt nach Angaben des Umweltbundesamtes so viel gesundheitsgefährdender Feinstaub in der Luft wie sonst im ganzen Jahr nicht. 

Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden bis zu 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Diese Menge entspricht fast 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge (Quelle: Umweltbundesamt).

In den Innenstädten sind vor allem historische Gebäude sowie Häuser mit Fachwerk oder Reetdächern feuergefährdet. Und nach der ausgelassenen Feier kommt der große Kater auch in Form von unglaublichen Mengen Silvestermüll auf Gehwegen und Freiflächen.

Außerdem zu bedenken: Feuerwerkskörper werden oft unter miserablen und unwürdigen Arbeitsbedingungen sowie in Kinderarbeit hergestellt. Lebensgefährliche Verätzungen, Asthma und Tuberkulose zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen, unter denen die Arbeiter ihr Leben lang leiden. Regelmäßig kommen bei Explosionen von Feuerwerksfabriken zahlreiche Menschen ums Leben. 

"Silvester 2.0"

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat daher 98 besonders mit Feinstaub belastete Kommunen aufgefordert, private Feuerwerksböllereien an Silvester in den stark belasteten Innenstädten zu untersagen. Stattdessen plädiert die DUH in ihrer Onlinepetition "Silvester 2.0" für öffentliche Feuerwerke oder professionelle Pyroshows außerhalb sensibler Zonen.

Immer mehr Städte verbieten Silvesterfeuerwerk

Auch in immer mehr Städten regt sich der Widerstand gegen die Böllerei. Die Liste der Städte, die ihre Innenstadt zur pyrotechnikfreien Zone erklären, wird immer länger. IAn den Regelungen wollen die Verantwortlichen auch dieses Jahr festhalten. In vielen kleineren Städte wie Tübingen, Göttingen, Hildesheim, Lüneburg oder Wolfenbüttel sind Raketen in bestimmten Stadtgebieten ebenfalls verboten.

Generell gilt: Pyrotechnische Gegenstände dürfen in der unmittelbaren Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen sowie Fachwerkhäusern und Häusern mit Reetdach nicht gezündet werden.

Es geht auch anders: Feuerwerk aus Licht

Immer mehr Städte suchen nach Alternativen zum traditionellen Silvester-Feuerwerk: Städte wie Turin, Paris, Graz oder Brüssel feiern ohne Lärm und Feinstaub - und zaubern mit Licht und Laser Lichter an den Himmel. 

Auch in deutschen Städten finden Licht- und Lasershows immer größeren Anklang, wie etwa in Landshut. Die niederbayerische Stadt an der Isar hat zum Jahreswechsel 2018/19 vorgemacht, dass ein eindrucksvolles Silvesterspektakel auch ohne Rauch und Knallerei gelingt. Da das Abschießen von Feuerwerkskörpern in der historischen Innenstadt verboten ist, hatte die Verwaltung stattdessen eine 15-minütige Musik- und Lasershow vor dem Rathaus organisiert. Das von Lichtkünstler Andreas Juergens organisierte "Feuerwerk aus Licht" hat die Landshuter und ihre Gäste offenbar überzeugt: Für den anstehenden Jahreswechsel ist wieder eine Lasershow geplant.

Die Stadt München hat für die Altstadt und die Fußgängerzonne ein komplettes Feuerwerksverbot erlassen. Auch in Stuttgart wird es in diesem Jahr auf dem zentralen Schlossplatz kein Silvester-Feuerwerk geben, so die Entscheidung des Gemeinderats. Stattdessen will die Stadt eine Lichtshow, Videoleinwände, Live-Musik und Comedy anbieten. (Quelle: Stuttgarter Nachrichten)

Quelle: DUH

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