Vogelzähl-Aktion: Warmes Wetter, wenig Wintervögel?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 10.01.2023

Vogelzähl-Aktion: Warmes Wetter, wenig Wintervögel?
Foto: NABU

Spatz, Meise oder Amsel - welche Vögel sind am Futterhaus zu sehen? Die erste Vogel-Zähl-Aktion des Jahres ist vorbei und ersten Zahlen des NABU zeigen: Die Vögel halten sich bei der milden Witterung mit ihren Besuchen im Garten zurück.

Sind in diesem Winter weniger Vögel an den Futterhäusern unterwegs, weil sie im Wald ausreichend Nahrung finden? Das sollten Bürgerinnen und Bürger von Freitag bis Sonntag (6. bis 8. Januar 2023) wieder bei der "Stunde der Wintervögel" beobachten. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) im bayerischen Hilpoltstein und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin haben in diesem Jahr erneut zu der nach ihren Angaben größten wissenschaftlichen Mitmachaktion Deutschlands aufgerufen.

Mehr als 176.000 Menschen hatten sich nach Nabu-Angaben im vergangenen Jahr beteiligt und dabei am häufigsten Haussperling, Kohlmeise und Blaumeise gesichtet. Spannend sei die Frage, ob es in diesem Jahr weniger Betrieb am Futterhaus gebe, sagt die LBV-Biologin Angelika Nelson. Denn das vergangene Jahr sei ein Mastjahr gewesen, in dem Buche, Eiche, Fichte und andere Bäume besonders viele Samen gebildet hätten. "Für Waldvögel wie Eichelhäher, Kernbeißer und Buchfink gibt es Eicheln und Bucheckern im Überfluss, die den hungrigen Schnäbeln als energiereiche Nahrung dienen", sagt Nelson.

Zwischenstand bei "Stunde der Wintervögel"

Einen ersten Zwischenstandsbericht seiner "Stunde der Wintervögel" hat der NABU bereits gegeben: Weit über 70.000 Vogelfreunde und -freundinnen haben sich demnach bei der großen Vogelzähl-Aktion schon beteiligt. "Das wenig zu Vogelbeobachtungen einladende nasskühle Wetter hat sich auch auf die Teilnehmendenzahlen ausgewirkt", zieht NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller eine Zwischenbilanz. 

Trends, die schon während des Wochenendes auffielen, scheinen sich unterdessen zu verfestigen: Weiterhin wurden überdurchschnittlich viele Gänse gesichtet und gemeldet. Vögel, die vor allem in Wäldern heimisch sind, wurden seltener gezählt – vor allem der Eichelhäher war offensichtlich seltener zu Gast am Futterhaus.

Insgesamt wurden weniger Vögel pro Garten beobachtet, was die Experten des NABU nicht verwundert: Die milden Witterungsbedingungen am Wochenende selbst und auch zuvor dürften dafür gesorgt haben, dass viele Vögel genügend Futter außerhalb der Siedlungen in der freien Natur finden. Sie haben also keinen Anlass, die Futterstellen aufzusuchen.

Die steigenden Temperaturen könnten außerdem der Grund sein, warum Zaunkönig und Türkentaube deutlich häufiger gesichtet wurden: Der kleine Zaunkönig fühlt sich besonders in frostarmen, küstennahen Regionen in Deutschland wohl und wurde besonders häufig in Schleswig-Holstein gesichtet. Die Population der Türkentaube hingegen könnte von den warmen Sommern profitiert haben, in denen die Art erfolgreicher brütet.

Nach dem Ende des Meldezeitraums werden die Ergebnisse von den Ornithologen des NABU ausgewertet. Wir informieren Sie an dieser Stelle über die endgültigen Ergebnisse der "Vogel-Inventur".

Stunde der Wintervögel: Deutschlands große Mitmachaktion

Bei der "Stunde der Wintervögel" geht es den Naturschutzverbänden nicht um eine vollständige Erfassung aller Vögel. Die Aktion soll vielmehr wichtige Erkenntnisse über Veränderungen in der heimischen Vogelwelt in den Städten und Dörfern bringen. Dafür werden die Daten über mehrere Jahre verglichen. Die Beobachtungen zeigen dem Nabu zufolge zum Beispiel, dass immer mehr Zugvögel auch im Winter in Deutschland bleiben.

Wie kann man mitmachen?

Wer am vergangenen Wochenende eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park beobachtet hat, kann seine Beobachtungen noch bis zum 16. Januar 2023 melden:

Und so können die Ergebnisse dem NABU gemeldet werden: Entweder direkt in der Vogelwelt-App, zu finden unter www.NABU.de/vogelwelt oder online auf www.stundederwintervoegel.deOder melden Sie per Post: Einfach von einem der Teilnahmeflyer die Meldebogen-Postkarte abtrennen, mit 70 Cent frankieren und bis zum 16. Januar an NABU, Stunde der Wintervögel, 10469 Berlin schicken. Meldebogen zum Ausdrucken

Weitere Infos, Anleitungen und Tipps: Stunde der Wintervögel

Stunde der Wintervögel im vergangenen Jahr

Wer sich Anfang des Jahres 2022 mit Fernglas und Meldebogen bei der "Stunde der Wintervögel" beteiligte, sichtete im Durchschnitt 35,5 Vögel, die zu durchschnittlich 8,7 Arten gehörten. Das zeigt das finale Ergebnis der "Stunde der Wintervögel", die vom 6. bis 9. Januar 2022 stattfand.

Sperling am häufigsten gesichtet

Die Top Ten der häufigsten Arten führte 2022, wie so oft, der Haussperling an, gefolgt von Kohlmeise, Blaumeise und Amsel. Zu sehen gab es bei der Zählung in 2022 etwas mehr Vögel als 2021.

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer: "Sowohl bei der Zahl der gemeldeten Arten als auch bei der Zahl der gemeldeten Vogel-Individuen ging es leicht nach oben. Das liegt vor allem an den typischen Waldarten wie Kernbeißer, Kleiber, Eichelhäher, Bunt- und Mittelspecht sowie Tannen-, Blau- und Kohlmeise, die sich vermehrt in Gärten und Parks zur Nahrungssuche eingefunden haben." Ursache dafür könnten weniger Baumfrüchte in den Wäldern als in anderen Wintern sein.

Der Haussperling wurde 2022 am häufigsten beobachtet.
Der Haussperling wurde 2022 am häufigsten beobachtet. (Foto: Shutterstock/PatP66)

Weniger häufig gesehen wurden 2022 hingegen vor allem Arten, die sich, oft in Trupps, als Wintergäste in Deutschland aufhalten und vermutlich aufgrund der milderen Winter weniger Zugtendenzen zeigen. Dazu gehören Erlen- und Birkenzeisig, Rot-, Sing- und Wacholderdrossel. Miller: "Einige dieser Arten sind mutmaßlich Klimaverlierer, da sich durch die sich verändernden Bedingungen ihr Verbreitungsgebiet verkleinert."

Die "Stunde der Wintervögel" zeigte auch: Die Vogeldichte im Siedlungsraum ist nicht gleichmäßig verteilt. "In Mecklenburg-Vorpommern wurden mit 45,5 die meisten Vögel pro Garten gesichtet, gefolgt von Sachsen-Anhalt (43,4) und Brandenburg (41,3). Die wenigsten hat Hamburg mit 26,4 gemeldet", so Miller.

Vogelzählung: Im Mai 2023 geht es weiter

Naturfreundinnen und -freunde können sich schon auf die nächste Vogelzählung freuen: Sie findet vom 12. bis 14. Mai 2023 mit der "Stunde der Gartenvögel" statt.

Mit Material der dpa.

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