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"Unsichtbarer" Müll: Diese Steine sind aus Plastik

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 24.08.2019

CCO WikimediaCommons / Turner et al., Science of the Total Environment, 2019
CCO WikimediaCommons / Turner et al., Science of the Total Environment, 2019

Plastik ist allgegenwärtig. Mikroplastik wurde inzwischen ebenso auf dem Mount Everest nachgewiesen wie in der Antarktis oder im Marianengraben. Jetzt hat unser unerfreuliches Plastik-Erbe eine neue, verblüffende Form angenommen.

Forscher der Universität Plymouth sammelten an einem Strand in Cornwall über 150 Plastikklumpen unterschiedlichster Form, die echten Steinen zum Verwechseln ähnlich sehen. Es handelt sich dabei um sogenanntes Pyroplastik, wie Andrew Turner, der in Plymouth zu diesem Thema forscht, das Phänomen bezeichnet.

Pyroplastik entsteht, wenn Kunststoff erhitzt wird und schmilzt. Dies kann nicht nur in einer Fabrik geschehen, um Plastik etwa in eine bestimmte Form zu gießen, sondern auch in der Natur. Fast immer sind Menschen dafür verantwortlich, sie schmeißen Plastik beispielsweise in Lagerfeuer oder verbrennen es auf Schiffen.

Die geschmolzenen Plastikklumpen gelangen als Müll ins Meer, wo sie normalerweise auf der Oberfläche schwimmen. Durch die Bewegungen von Wind und Wasser verwittert das Pyroplastik wie ein Stein – bis es auch genauso aussieht.

Plastiksteine kommen weltweit vor

Geschmolzenes Plastik findet sich nicht nur an britischen Stränden: "Da Pyroplastik von Kollegen am spanischen Atlantik und in Vancouver am Pazifik gefunden wurde, handelt es sich nicht nur um ein regionales Phänomen", so die Forscher. Sie vermuten, dass Plastiksteine weit verbreitet sind, aber bislang kaum dokumentiert wurden, weil sie ihren natürlich vorkommenden Verwandten zu ähnlich sehen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich auf diese Weise weit mehr "unsichtbares" Plastik an Stränden angesammelt hat als bislang bekannt.

Die Forschergruppe sichtete nicht nur Pseudo-Steine in Cornwall, sondern auch 30 weitere Plastikkiesel aus Schottland, Irland und Spanien. Im Labor stellt sich heraus, dass die Fundstücke vor allem aus Polyethylen oder Polypropylen (oder einer Kombination aus beidem) bestanden. Polyethylen und Polypropylen zählen zu den weltweit am häufigsten verarbeiteten Kunststoffen. Polyethylen kommt in erster Linie in Verpackungen zum Einsatz. Die "Feuersteine" sind also ohne Zweifel menschgemachte Abfälle. Nach Aussage der Forscher waren einige Plastikfunde bereits viele Jahre alt. 

Die falschen Steine werden zu Mikroplastik

Als wäre die schleichende Vermüllung unserer Strände nicht ärgerlich genug, zerreiben Wind und Wasser die geschmolzenen Plastikklumpen auch noch. Sie lösen sie sich in immer feinere Partikel auf – Mikroplastik entsteht, das seinen Weg nicht nur in die Körper von Meereslebewesen findet, sondern auch in unserer Nahrungskette.

Quellen: Science of the Total Enviroment, Science Alert

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