Umweltfreundliche Kerzen erkennen: Tipps für den Kerzenkauf

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 24.11.2022

Woran erkennt man umweltfreundliche Kerzen?
Foto: Shutterstock/Jeffrey Clark

Kerzen gehören für viele fest zur dunklen Jahreszeit und vor allem zu den Advents- und Weihnachtstagen. Was vielen dabei bewusst ist: Konventionelle Kerzen sind nicht gerade umweltfreundlich. Wir erklären, was an konventionellen Kerzen problematisch ist – und geben Tipps, um nachhaltigere Kerzen schon beim Kauf zu erkennen.

Kerzen sind – gerade in der kalten Jahreszeit und um Weihnachten herum – eine herrlich stimmungsvolle Beleuchtung. Sie spenden zwar kaum Wärme; aber jeder, der schon mal in eine Kerzenflamme geblickt hat, wird bestätigen, dass die Wachslichter zumindest das Herz und die Sinne erwärmen.

Die Probleme konventioneller Kerzen

Leider bringen konventionelle Kerzen – wie sie im Supermarkt, im Möbelhaus und im Onlinehandel angeboten werden – einige Nachteile mit sich. Denn: Kerzen und Teelichter werden in den meisten Fällen aus Paraffin oder Stearin (oder aus einer Mischung der beiden Stoffe) hergestellt. Wo liegt dabei das Problem?

  • Paraffin ist ein (Neben-)Produkt der Erdölindustrie. Die Produktion von Paraffinwachs trägt damit zu Klimawandel und Umweltverschmutzung bei.
  • Stearin wiederum wird oft aus Palmöl gewonnen, einem Rohstoff, der wegen seiner verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt kritisiert wird. Stearinwachs muss allerdings nicht zwingend aus Palmöl bestehen, sondern kann auch aus anderen pflanzlichen oder tierischen Ölen hergestellt werden – deshalb ist es immerhin biologisch abbaubar. Weitere Informationen liefert der ausführliche "Kerzencheck" der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aus dem Jahr 2021.

Macht ein Hersteller keine oder nur unklare Angaben zur Herkunft seines Kerzenwachses, handelt es sich fast immer um Paraffin oder Stearin, da die beiden Rohstoffe am günstigsten sind. Auch eine Angabe wie "Mit Pflanzenwachs" (statt: "Aus Pflanzenwachs") auf einer Kerze sollte kritisch stimmen: Hier werden Paraffin und andere (Natur-)Wachse gemischt.

Kerzen aus Bienenwachs sind zwar nicht vegan, dafür aber auch keine Erdöl-Produkte.
Kerzen aus Bienenwachs sind zwar nicht vegan, dafür aber auch keine Erdöl-Produkte. (Foto: Shutterstock/lafoto)

So finden Sie umweltfreundliche Kerzen

Zum Glück lassen sich im Handel inzwischen immer mehr Kerzen und Teelichter finden, die auf Problemstoffe verzichten. Solche nachhaltigeren Wachslichter bestehen vollständig aus Naturmaterialien und werden unter anderem als "Naturkerzen", "Bio-Kerzen" oder "Öko-Kerzen" verkauft (obwohl es kein Bio-Siegel für Kerzen gibt).

Woraus genau sich die jeweiligen Kerzen zusammensetzen, können Sie in der Regel der Produktbeschreibung entnehmen – eine Deklarationspflicht für die Inhaltsstoffe existiert bei Kerzen allerdings nicht.

Diese Naturwachse ergeben bessere Kerzen

Bevorzugen Sie beim Kauf am besten eines der folgenden vier Naturwachse. Sie alle sind sehr wahrscheinlich umweltverträglicher als Stearin oder Paraffin:

  • Bienenwachs ist wohl der Klassiker unter den Naturmaterialien, die für Kerzen verwendet werden. Die wohlriechende, goldgelbe Wachsmasse wird von den Bienen eigentlich mithilfe spezieller Drüsen erzeugt, um daraus ihre Waben zu bauen. Entsprechend aufwändig ist die Herstellung, und entsprechend teuer sind echte Bienenwachskerzen. Was man ebenfalls wissen sollte: Bienenwachs wird oft importiert, das mit Abstand führende Exportland ist dabei China.

    Achtung: Manche Kerzen erwecken nur den Anschein, aus Bienenwachs zu sein. Der Unterschied lässt sich aber leicht erkennen: Echte Bienenwachskerzen entwickeln häufig einen weißen Belag an der Oberfläche und geben den typischen Bienenwachsduft ab, wenn man leicht an ihnen reibt. 

  • Biomasse: Hinter dem etwas rätselhaften Begriff verbergen sich Fette und Öle, die bei der Nahrungsmittelproduktion abfallen und anschließend zu Kerzenwachs verarbeitet werden: ein nachhaltiges Konzept, da hier Reststoffe sinnvoll recycelt werden.

  • Rapswachs wird, wie der Name sagt, aus dem Öl der Rapspflanze gewonnen. Rapswachs ist eine etwas günstigere und zudem vegane Alternative zu Bienenwachs und anderen tierischen Fetten. Zudem kann der benötigte Raps häufig in Deutschland angebaut und verarbeitet werden.
  • Sojawachs wird aus dem Öl von Sojabohnen gewonnen und spielt bei der Kerzenherstellung eine immer größere Rolle. Soja wird vor allem in den USA, Brasilien oder Argentinien angebaut, was die Ökobilanz entsprechender Kerzen verschlechtern kann. Auch spielt Gentechnik beim Sojaanbau eine wichtige Rolle.

  • Bei Stearinkerzen sollten Sie auf das RSPO-Label achten, das für eine Zertifizierung der Initiative "Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl" steht. Es weist zumindest nach, dass das verwendete Palmöl umwelt- und sozialverträglicher angebaut wurde.

Fazit: So finden Sie bessere Kerzen

Die ideale, durch und durch umweltfreundliche Kerze gibt es also nicht, denn für jeden Rohstoff lassen sich mögliche Vor- und Nachteile aufzählen. Klar ist aber, dass Sie mit Kerzen aus natürlichem Wachs fast immer besser fahren als mit solchen, die aus Erdöl oder Palmöl gewonnen werden.

Am besten achten Sie beim Kauf auf die Angaben, die der Hersteller zu seinem Produkt macht. Fehlen Angaben beispielsweise zur Zusammensetzung des verwendeten Wachses oder zur Herkunft der Rohstoffe, sollten Sie von einem Kauf Abstand nehmen.

Kerzen sicher und umweltfreundlich abbrennen

Damit Sie in Zukunft nicht nur umweltverträglichere Kerzen finden, sondern auch beim Anzünden und Abbrennen kein unnötiges Risiko eingehen, haben wir folgende Tipps:

  • Stellen Sie die Kerze auf eine hitzefeste Unterlage und lassen Sie sie nie unbeaufsichtigt brennen.
  • Stellen Sie mehrere Kerzen nur mit ausreichendem Abstand zueinander auf.
  • Wenn es brennt, wird Sauerstoff verbraucht. Um die Qualität der Raumluft nicht zu verschlechtern, sollten Sie deshalb regelmäßig stoßlüften, wenn Sie eine Kerze anzünden. Lesen Sie dazu auch unsere Tipps in: Richtig lüften im Winter.
  • Aber: Vermeiden Sie Zugluft. Sonst beginnen Kerzen, Ruß abzugeben, zu tropfen und/oder einseitig abzubrennen.
  • Fängt eine Kerze an, zu rußen, ist der Docht zu lang. Einfach mit einer Schere wieder – auf rund 1,5 Zentimeter – kürzen.
  • Dickere (Stumpen-)Kerze sollte nach dem Anzünden mindestens so lange brennen, bis der Brennteller unter dem Docht vollständig flüssig geworden ist. Sonst besteht die Gefahr, dass die Kerze in Zukunft hohl abbrennt.
  • Bleibt ein zu hoher Kerzenrand stehen, kürzen Sie den Rand wieder auf ein bis zwei Zentimeter herunter, während das Wachs noch warm ist.
  • Ist der Docht zu kurz, gießen Sie vorsichtig etwas flüssiges Wachs ab und befreien Sie den Docht von Ruß.
  • Das geschützte "RAL Gütezeichen Kerzen" ist ein Siegel, das von Kerzenherstellern verwendet wird, die sich zur "Gütegemeinschaft Kerzen" zusammengeschlossen haben. Das Zeichen garantiert eine geprüfte Qualität der Produkte, auch im Hinblick auf Schadstoffe – was allerdings nicht heißt, dass entsprechende Kerzen besonders umweltfreundlich sein müssen.
  • Duftkerzen können Wirkstoffe (wie ätherische Öle) enthalten, die Kontaktallergien auslösen. Wenn Sie bemerken, dass die Augen brennen, die Nase läuft oder Atemwegsbeschwerden auftreten, sollten Sie die betreffende Kerze nicht mehr verwenden.
  • Beim Teelichter-Kauf sollten Sie nicht nur auf Naturwachs achten, sondern auch die kleinen Aluminium-Schälchen vermeiden, da die Herstellung des Leichtmetalls hohe Umweltkosten mit sich bringt.

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