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Treibhausgasemissionen: Deutschland senkt Ausstoß 2020 um 8,7 Prozent

Autor: Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Freizeit und Technik | 16.03.2021

Die jährlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland sinken zum dritten Mal in Folge.
Foto: Victor Lauer/Shutterstock

Zum wiederholten Mal in Folge sinken in Deutschland die Treibhausgasemissionen. Das Land kommt damit seinen Klimaschutzzielen näher. Mitverantwortlich für die gesunkenen Emissionen ist auch die Corona-Pandemie. 

70 Mio. eingesparte Tonnen Treibhausgasemissionen, umgerechnet ein Minus von 8,7 Prozent gegenüber des Vorjahres – so steht es in den Emissionsdaten des Umweltbundesamtes (UBA) für Deutschland im Jahr 2020. Damit setzte sich der deutliche Emissionsrückgang der beiden Vorjahre auch im vergangenen Jahr fort. Besser noch: Der Rückgang im Jahr 2020 ist der größte jährliche Rückgang seit 1990. Im Vergleich zu diesem Jahr sanken die Emissionen in Deutschland um 40,8 Prozent.

Dafür ist insbesondere die Corona-Pandemie verantwortlich. Laut der Daten des Umweltbundesamtes gehen die Emissionsrückgänge zu rund einem Drittel auf die Folgen der Bekämpfung der Pandemie zurück. Besonders der Verkehrs- und Energiebereich waren von Einschränkungen bei Produktion und Mobilität betroffen, was sich positiv auf die Gesamtbilanz auswirkte. 

Für die Emissionsdaten des Umweltbundesamtes wurden die Sektoren Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie, Gebäude, Landwirtschaft und Abfall berücksichtigt. Neben dem CO2-Ausstoß flossen in die Untersuchung auch die Emissionen von Methangas, Lachgas und fluorierten Treibhausgasen mit ein. Im Jahr 2020 haben sich die Treibhausgasemissionen wie folgt auf die Sektoren verteilt:

Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen nach Sektoren von 1990 bis 2020.
Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen nach Sektoren von 1990 bis 2020. (Foto: Umweltbundesamt)

Treibhausgasemissionen: Energiewirtschaft spart am meisten ein

Der größte Emissionsrückgang ist laut der Daten des Umweltbundesamts mit rund 38 Mio. Tonnen CO2 im Sektor Energiewirtschaft zu verzeichnen. Das entspricht einem Minus von 14,5 Prozent gegenüber 2019. Besonders positiv: Mit rund 221 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten lagen die Emissionen deutlich unter der im Bundesklimaschutzgesetz erlaubten Jahresemissionsmenge von 280 Mio. Tonnen. Ein wichtiger Faktor war der – vor allem durch die Lockdown-Maßnahmen bedingte – Rückgang des Bruttostromverbrauchs um mehr als vier Prozent.

Hinter dem Sektor Energiewirtschaft folgt der Sektor Verkehr, der im Jahr 2020 ein Minus von 19 Mio. Tonnen (umgerechnet -11,4 Prozent) CO2 verzeichnete und insgesamt auf einen Ausstoß von 146 Mio. Tonnen kam. Damit lagen die Treibhausgasemissionen in diesem Bereich ebenfalls unter der im Bundesklimaschutzgesetz für 2020 festgelegten Jahresemissionsmenge von 150 Mio. Tonnen CO2.

Verkehrssektor profitiert von Corona-Lockdown

Der Hauptteil dieser Minderung ist darauf zurückzuführen, dass während des ersten Lockdowns weniger Auto gefahren wurde, vor allem auf den langen Strecken. Dies belegen die niedrigeren Absatzzahlen für Kraftstoffe und Daten von Zählstellen an Autobahnen und Bundesstraßen. Ein mit rund 2 Mio. Tonnen kleinerer Teil der Minderung ist auf niedrigere CO2-Emissionen neuer Pkw unter anderem durch den Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos zurückzuführen sowie auf mehr Biokraftstoffe aufgrund der höheren Beimischungsquote. Einen deutlichen Corona-Effekt gab es ebenso beim inländischen Flugverkehr, der 2020 fast 60 Prozent weniger CO2 verursachte – insgesamt rund 1 Mio. Tonnen weniger. 

Der Verkehrssektor profitierte von den Corona-Lockdowns. 2020 sanken die Emissionen dieses Sektors deutlich.
Der Verkehrssektor profitierte von den Corona-Lockdowns. 2020 sanken die Emissionen dieses Sektors deutlich. (Foto: Andriy Blokhin/Shutterstock)

Treibhausgasemissionen: Industrie und Landwirtschaft sparen ebenfalls ein

Ein kleineres Minus von 4,6 Prozent verzeichnete 2020 der Sektor Industrie. Im Vergleich zum Emissionsausstoß von 2019 sparte die gesamte Branche knapp 9 Mio. Tonnen CO2 ein und lag damit ebenfalls unter der festgeschriebenen Jahresemissionsmenge.

Die Gründe für den Emissionsrückgang sind vor allem in der Corona-Krise und den damit einhergehenden Konjunkturschwankungen zu suchen. Die deutlichste Minderung gab es in der Stahlindustrie, wo die Rohstahlerzeugung um rund 10 Prozent zurückging. Im produzierenden Gewerbe gab es überwiegend leichte Emissionsrückgänge. Die gute Baukonjunktur wiederum führte zu höheren Prozessemissionen der relevanten Branchen in der mineralischen Industrie.

Ein Sektor, in dem die im Bundesklimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmengen nicht unterschritten wurden, ist der Gebäudesektor. Zwar konnten auch hier gut 3 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten, umgerechnet -2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, eingespart werden. Durch den Emissionsanstieg in den Haushalten verlagerte sich der Gesamtverbrauch des Sektors allerdings teilweise aus den Bereichen Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ins Private. 

Schlusslicht der Betrachtung sind die Sektoren Landwirtschaft und Abfall. Auch hier hat sich etwas getan. So gingen die Treibhausemissionen in der Landwirtschaft um etwa 1,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (minus 2,2 Prozent) auf 66 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente zurück. Der Sektor bleibt damit unter der für 2020 im Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von 70 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten. Gründe dafür sind ein vergleichsweise geringer Einsatz von Mineraldünger, sinkende Rinderbestände und die erneut trockene Witterung.

Die Emissionen des Abfallsektors sanken gegenüber des Vorjahres um rund 3,8 Prozent auf knapp neun Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Damit bleibt der Abfallsektor unter der im Bundesklimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von neun Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten. Der Trend wird im Wesentlichen durch die sinkenden Emissionen der Abfalldeponierung bestimmt.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, kommentierte die Emissionsdaten verhalten: "Wir sehen, klimapolitische Instrumente beginnen zu wirken, insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien und die CO2-Bepreisung. Doch ohne die Corona-Lockdowns mit den Einschränkungen bei Produktion und Mobilität hätte Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlt. Das bedeutet, dass die Emissionen wieder steigen werden, wenn die Wirtschaft anspringt. Das gilt besonders für den Verkehrssektor, der sich nicht auf den vergleichsweise guten Zahlen ausruhen kann." Nur ein ambitionierter Klimaschutz, so bilanzierte er weiter, könne dazu führen, dass die Klimaziele der Bundesregierung erreicht würden.

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