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So gefährlich ist unser Plastikmüll für junge Meeresschildkröten

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 12.12.2018

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch diese Schilkröte Plastikteile im Bauch hat.
Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch diese Schilkröte Plastikteile im Bauch hat. (Foto: naturepl.com / Jordi Chias / WWF)

Plastikmüll ist ein riesiges Probleme für unsere Umwelt und die Ozeane. Jetzt zeigten Forscher, wie dramatisch das Problem ist: Jede der von ihnen untersuchten Schildkröten hatte Plastik im Magen.

Plastiktüten, Kunststofflaschen und jede Menge anderer Plastikabfall – riesige Mengen unseres Mülls landen im Meer. Mit schlimmen Folgen für die Umwelt und vor allem die Tiere. Wie dramatisch die Folgen der Meeresverschmutzung durch unseren Plastikmüll sind, zeigt eine aktuelle Studie: Von 102 untersuchten Meeresschildkröten hatte jede Plastikteile im Magen-Darm-Trakt.

Die Wissenschaftler von der Universität Exeter in Cornwall und vom Plymouth Marine Labratory untersuchten Schildkröten aus dem Atlantik, dem Pazifik und dem Mittelmeer. Alle sieben Arten von Meeresschildkröten waren bei der Untersuchung vertreten. Der Großteil der gefundenen Plastikteile waren Synthetik-Fasern, die zum Teil aus unserer Kleidung stammen. Beim Waschen in der Waschmaschine lösen sich bei Kleidung aus Polyester kleine Synthetikfasern, die über das Abwasser schließlich im Meer landen. Der andere Teil der Synthetikfasern im Meer stammt von Autoreifen, Zigarettenfiltern und der Ausrüstung der Fischer, wie beispielsweise Fischernetze und Seile. Außerdem fanden die Forscher jede Menge Mikroplastik aus Kosmetikprodukten in Magen und Darm der Tiere. Auch Teile von Plastikbechern und -besteck zählten zu den traurigen Fundstücken.

Insgesamt fanden die Forscher mehr als 800 Plastikteile in den Tieren. Da nur ein Teil des Magen-Darm-Trakts analysiert wurde, gehen die Forscher davon aus, dass die Plastikmenge in Wirklichkeit ungefähr 20 Mal so groß ist.

Mittelmeer besonders belastet

Die Schildkröten im Mittelmeer waren am stärksten mit Plastik belastet. Das Ergebnis verwundert nicht, denn das Binnenmeer gehört zu den am stärksten mit Plastikmüll verschmutzten Gewässern weltweit. Obwohl das Mittelmeer nur ein Prozent des weltweiten Wassers ausmacht, konzentrieren sich hier rund sieben Prozent des globalen Mikroplastiks. 1,25 Millionen Fragmente finden sich auf einem Quadratkilometer, so der WWF

Zur Studie: 
Die untersuchten Tiere wurden allesamt tot aufgefunden: Entweder waren sie an den Küsten gestrandet oder als überflüssiger Beifang über Bord der Fischerboote geworfen worden. Die Studie wurde in der Zeitschrift "Global Change Biology" veröffentlicht.

Besonders viel Plastik im Magen von Jungtieren

Eine andere aktuelle Studie aus Australien zeigt: Junge Schildkröten haben deutlich mehr Plastik im Körper als ausgewachsene Tiere. Für sie ist das Müllproblem in unseren Meeren noch gravierender. Für die Studie untersuchten Forscher knapp 250 tote Meeresschildkröten. Sie vermuten, dass die jungen Schildkröten eher dort fressen, wo besonders viel Plastik im Meer treibt - nämlich an der Wasseroberfläche und in Küstennähe. Speziell die Jungtiere der „Unechten Karettschildkröte“ jagen laut WWF-Meeresbiologe Philipp Kanstinger häufiger als ältere Tiere gezielt Quallen. „Sie bemerken oft nicht, dass das, was aussieht wie eine Qualle, in Wirklichkeit eine Plastiktüte ist.“ Wenn Jungtiere sterben, ist das besonders dramatisch: Sie hatten noch keine Chance, Nachkommen zu haben, der Bestand schrumpft immer schneller.

Plastikmüll-Flut muss eingedämmt werden

Inzwischen sind alle sieben Meereschildkröten-Arten vom Aussterben bedroht. Schildkröten fressen Aas und Schädlinge und verbessern durch ihr Graben die Bodenqualität. Wenn ihr Bestand weiter zurückgeht, leidet das gesamte Ökosystem. Eines der größten Probleme der Meeresschildkröten ist Plastik. Bei 14 verschluckten Plastikteilen steigt das Risiko, daran zu sterben auf 50 Prozent, so das Ergebnis der australischen Forscher. 

Schuld an dem Elend der Meeresschildkröten sind wir Menschen. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als Hundert Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren treiben. Die einzige Lösung, um die Schildkröten nachhaltig zu schützen, ist die Plastikflut schnell und massiv einzudämmen.

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