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Smart-Home-Sicherheit: Die Risiken – und was Sie tun können, um sich zu schützen

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 09.12.2020

Smart-Home ist ein potenzielles Risiko, wenn Sie die folgenden Punkte nicht beachten.
Foto: Bilder: CC0 / Pixabay, Collage: ÖKO-TEST

Das vollautomatisierte Luxus-Zuhause bleibt vorerst ein Traum. Noch können die meisten smarten Geräte nichts, was die ökologischen und ökonomischen Kosten einer Anschaffung rechtfertigen würde. Außerdem holen sich Verbraucher neue Risiken ins Haus: Denn jede Technik, die Daten über Funk überträgt oder mit dem Internet verbunden ist, ist potenziell angreifbar.

Schenkt man Werbung und Wirtschaft Glauben, soll sich das smarte Zuhause bald durchgesetzt haben. Neue Technologien, Dienstleistungen und Produkte werden noch mehr Komfort und Sicherheit im Eigenheim bescheren. Das Versprechen: Dank intelligenter Algorithmen, dauerhafter Funk- und Internetverbindung und praktischer Apps sollen sich vernetzte Elektrogeräte im Haushalt nützlich machen und dem Verbraucher das bisschen Arbeit abnehmen, das ihm geblieben ist.

Smart Home: Was gehört eigentlich dazu?

Zwar ist der Begriff "Smart Home" nicht klar definiert. Grundsätzlich lässt sich darunter aber jedes Haushaltsgerät fassen, das sich mit dem Internet oder anderen Geräten – wie dem eigenen Smartphone – austauschen kann oder automatisierte Tätigkeiten ausführt. Dazu kann schon das Aufbrühen einer Tasse Kaffee gehören kann, sofern die Kaffeemaschine dafür, wie inzwischen üblich, einen Elektrochip bemühen muss. Auch das staubsaugende (und seit Neuestem auch wischende) Boden-Ufo, das sich selbstständig durch die Wohnung bewegt, gehört zum intelligenten Heim, selbst wenn es nicht über eine App angesteuert wird.

Daneben gibt es bereits viele weitere Produkte und Angebote, die in den Smart-Home-Bereich fallen, zum Beispiel:

  • Glühbirnen und Lichtleisten, die sich per Sprachsteuerung oder App an- und ausschalten lassen, sich selbst dimmen oder nach Wunsch die Farbe wechseln,
  • Kaffeemaschinen, die man (noch vom Bett aus) mit dem Handy in Betrieb setzt,
  • Türschlösser, die mit dem Smartphone geöffnet und verriegelt werden,
  • Überwachungskameras sowie Tür- und Fenstersicherungen, die Bewegungen am und im Haus an das Smartphone melden,
  • Thermostate, die selbsttätig die Temperatur herunterregeln, wenn sich niemand mehr im Haus aufhält oder ein Fenster geöffnet wird,
  • programmierbare Küchenmaschinen wie Thermomix oder
  • Steckdosen, die sich per App an- und abschalten lassen.

Noch beschränken sich viele Geräte darauf, das Smartphone des Nutzers als eine Art Fernbedienung zu verwenden. Der Gewinn kann hier unterschiedlich hoch sein: Da wir uns zu wenig bewegen, ist der vermeintlich unbequeme Gang zum Lichtschalter für viele eher ein Vor- als ein Nachteil.

In vielen Haushalten außerdem bereits im Einsatz: Sprachsteuerung, meistens vermittelt über ein Gerät der Technikriesen Amazon (Alexa/Echo), Google (Home) oder Apple (Homepod). Die dazugehörigen Geräte lauschen auf Stimmbefehle, die sie entschlüsseln und ihrerseits an verbundene Dienste weiterleiten. So können per Stimme schon Rollläden heruntergelassen, Küchengeräte in Gang gesetzt und sogar Badewannen eingelassen oder Toiletten gespült werden.

Das Smart Home führt zu Rebound-Effekten

Wie groß der Gewinn ist, die Waschmaschine zukünftig per Handy oder Sprachbefehl einzuschalten statt wie bisher auf Knopfdruck, muss jeder Konsument selbst entscheiden. Aus ökologischer und auch ökonomischer Perspektive sollte man bedenken, dass sich bei neuen Haushalts-Anwendungen fast immer die bekannten Rebound-Effekte ('Abpralleffekte') einstellen.

Das bedeutet, dass das mehr oder weniger große Einsparpotenzial (an Aufwand, Energie etc.), das die neuen Geräte versprechen, sofort durch den Mehraufwand aufgefressen wird, den die neue Technik im Gepäck hat. Nicht selten übertrifft der Zusatzaufwand sogar die Einsparungen. Schließlich will das neue Küchenwundergerät auch verstanden, gewartet, geupdatet, mit Rezepten gefüttert, in möglichst allen Funktionsweisen genutzt und gegebenenfalls repariert werden. Auch die richtigen Sprachbefehle sind zu lernen, damit die Maschinen wie gewünscht strammstehen. Das alles kostet: Zeit und Energie.

Bewusste und strategisch kluge Konsumenten überlegen deshalb genau, welche smarten Geräte wirklich eine Erleichterung versprechen – und welche eher neue Abhängigkeiten und Kosten bedeuten.

Ein smartes Zuhause braucht Vernetzung

Natürlich lassen sich die modernen Geräte auch untereinander verdrahten, damit beispielsweise das Licht im Haus erlischt, sobald die Tür elektronisch verriegelt wird. Zur munter kommunizierenden Technikfamilie gehören inzwischen digital aufgemotzte Analoguhren (die per App gestellt werden statt von Hand), Insulinspritzen mit WLAN und natürlich auch ferngesteuertes Sexspielzeug.

Nur der vielbeschworene Kühlschrank, der selbsttätig Milch nachbestellt, existiert im Handel noch nicht – dafür immerhin ein Gerät, das einem auf Wunsch ein Foto des Kühlschrank-Inneren als Erinnerungshilfe aufs Handy schickt, wenn man mal ohne Einkaufszettel im Supermarkt steht.

Sicherheit im Smart Home

Um das clevere Heim auch angemessen zu schützen, werden von der Industrie passende, natürlich ebenfalls vernetzte Sicherheitstechnologien angepriesen. So können Bewegungsmelder, Tür- und Fenstersensoren, Rauch-, Feuchtigkeits- und Kohlenmonoxidmesser und die altbekannten Überwachungskameras erworben, verbaut, verknüpft und ihrerseits beim Überwachen überwacht werden.

Die neuen Techniken versprechen Schutz nicht nur vor Einbruch und Diebstahl, sondern auch vor den Launen der Natur. Ein Haus, das selbsttätig die Fenster schließt, wenn ein Sturm aufzieht oder die Pollenkonzentration in der Luft zu hoch wird? Beides ist schon möglich. Wer zwei schwere Einkaufstüten trägt, wird auch eine Tür begrüßen, die sich selbsttätig öffnet, wenn man sich nähert – vorausgesetzt, man hat ein Smartphone in der Hand- oder Hosentasche, auf dem der passende digitale Schlüssel gespeichert ist.

Schick, aber nicht unbedingt sicherer: Auch smarte Türen lassen sich hacken.
Schick, aber nicht unbedingt sicherer: Auch smarte Türen lassen sich hacken. (Foto: CC0 / Unsplash.com / Sebastian Scholz)

Smart Home: Probleme und Risiken

Doch die digitalen Helferlein haben auch neue Schwierigkeiten im Gepäck, wenn sie ins Haus einziehen. Dazu gehören:

  • Smarte Technik erhöht oft den Energieverbrauch und steigert die Belastung mit Elektrosmog im Eigenheim. Auch hier handelt es sich um Rebound-Effekte (siehe oben). Zwar gibt es intelligente Technik, die dazu beitragen kann, den persönlichen Energiebedarf zu senken, beispielsweise kluge Thermostate.
    Der Bund für Umwelt und Naturschutz kam 2018 in einer Kurzstudie allerdings zu dem Schluss, dass smarte Heime die Stromkosten tendenziell nicht dämpfen, sondern nach oben treiben. Der Grund: Der schöne neue Technikpark muss normalerweise rund um die Uhr empfangsbereit bleiben, um auf Sprachbefehle oder Signale anderer Geräte zu reagieren.
  • Für jedes schlaue Gerät werden zahlreiche kritische Rohstoffe – wie Aluminium, Gold, Kobalt, Tantal oder Wolfram – benötigt. Sie werden zu unterschiedlich hohen Umweltkosten und oft unter fragwürdigen Bedingungen abgebaut und müssen häufig unter hohem Energieaufwand verarbeitet werden.
  • Der Elektronik-Müll, den unsere Technik irgendwann hinterlässt, belastet die Umwelt bei seiner Entsorgung häufig ein zweites Mal. Der Grund: Heimischer Elektroschrott reist – oft illegal – in entfernte Länder, wo er nicht fachgerecht entsorgt wird (lesen Sie dazu auch: Elektroschrott: Tagebuch einer Dokumentarfilmerin). Und auch in hiesigen Recyclingbetrieben können nicht immer alle Rohstoffe sinnvoll zurückgewonnen werden.

Smart-Home-Sicherheit: Was Sie wissen müssen

Wenn es um die Probleme von Smart Homes geht, werden die meisten Verbraucher allerdings weniger an den eigenen ökologischen Fußabdruck denken als an ihre Privatsphäre und Datensicherheit. Und das aus gutem Grund. Denn jede Technik, die Daten über Funk überträgt oder übers Internet austauscht, ist potenziell angreifbar. Vollständige Sicherheit gibt es nicht. Was vernetzt ist, lässt sich auch hacken – von der intelligenten Glühbirne im heimischen Wohnzimmer bis zum CIA-Server.

Deshalb können smarte Geräte die gefühlte Sicherheit im Eigenheim zwar erhöhen, den Verbraucher real aber angreifbarer machen als zuvor. Schon unscheinbare Geräte können zu potenziellen Angriffszielen für Hacker werden.

Wie die Zeitschrift Spektrum berichtete, gelang es beispielsweise einem deutschen IT-Unternehmer ohne größere Mühe, aus einer smarten Glühbirne, die er im Internet erworben hatte, das eigene WLAN-Passwort auszulesen. Hätte er sein Wissen auf ein fremdes Gerät angewandt, hätte er damit auf die Kommunikation im gesamten Netzwerk zugreifen und so wohl auch private Daten und Dateien auslesen können.

Smart Homes ziehen neue Einbruchsmethoden an

Weil sie über Schnittstellen verfügen, auf die man auch von außen zugreifen kann, werden smarte Geräte deshalb für eine neue Generation von Einbrechern interessant. Für Kriminelle sind vor allem Häuser attraktiv, die über vernetzte, aber schlecht gesicherte Sicherheitstechnik verfügen. Wer eine Sicherheitskamera im Eigenheim installiert, die Bilder ins Internet schickt, kann darüber auch selbst beobachtet werden, wenn sich ein Fremder Zugriff auf die Kamera verschafft.

So kann der virtuelle Eindringling nicht nur feststellen, ob (und wo) etwas zu holen ist, sondern auch, wann jemand zu Hause ist. Die entsprechenden Kenntnisse vorausgesetzt, lässt sich eine vernetzte Alarmanlage auch aus der Ferne abschalten und ein smartes Türschloss ist ebenso "hackbar" wie ein physisches, nur mit der Software statt mit dem Brecheisen. Erst kürzlich wies Stiftung Warentest nach, dass zwei von sieben smarten Tür­schlössern zu kurze Pass­wörter erlauben, was Hacker ausnutzen könnten.

Drohnen auf dem Dach und andere Schreckensszenarien

Die Süddeutsche Zeitung zitierte 2018 einen IT-Experten, der warnte, schon eine ins Smart Home integrierte Außenbeleuchtung könne zum Risiko werden. Das Szenario: Kriminelle könnten Minicomputer anstelle der Leuchtmittel in die Fassungen schrauben und so beispielsweise versuchen, Zugriff auf die Alarm- und Schließsysteme zu bekommen. Eine andere Gefahr, so der Fachmann, gehe von Drohnen mit Funksensoren aus: Sie könnten es Einbrechern ermöglichen, nah genug ans Smart-Home-Netz heranzukommen, um sich – beispielsweise über die Drohne auf dem Dach – in heimische Netz zu hacken.

Obwohl diese Szenarien mehr nach Agentenfilm klingen als nach einer realen Gefahr: Jedes smarte Gerät im eigenen Heim stellt ein potenzielles Risiko dar und eine einzelne Schwachstelle kann ausreichen, um das gesamte System zu kompromittieren. Denn wenn das ganze Haus vernetzt ist, genügt ein schlecht gesichertes Gerät, um Angreifer ins gesamte virtuelle Zuhause zu lassen, wenn diese über das Leck beispielsweise an Passwörter für Funknetze gelangen.

Die smarte neue Welt hat leider noch keine vorgeschriebenen Sicherheitsstandards.
Die smarte neue Welt hat leider noch keine vorgeschriebenen Sicherheitsstandards. (Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Für Laien ist es schwierig, ihre Geräte effektiv zu schützen. Hat die Software der Geräte technische Schwachstellen, kann dies normalerweise nur vom Hersteller behoben werden. Nutzer sollten vor allem sicherstellen, dass auf allen Geräten immer die aktuellste Software installiert ist, um keine unnötigen Risiken einzugehen. Nicht immer sind Anwendungen so freundlich, sich wie der heimische PC in regelmäßigen Abständen selbsttätig Sicherheits-Updates zu unterziehen.

Smart Home: Diese Sicherheit-Tipps sollten Sie beachten

  • Informieren Sie sich im Vorfeld, ob das Gerät, das Sie sich anschaffen möchten, als sicher gilt. An Amazons Alexa beispielsweise wurde immer wieder Kritik laut. So hat die Fachzeitschrift c't unter anderem dokumentiert, wie 2018 über 1.000 private Alexa-Sprachaufzeichnungen in die Hände von Unbefugten gerieten.
  • Vergewissern Sie sich vor einem Kauf, ob das Gerät seine Daten verschlüsselt versendet. Per Funk übermittelte Daten können von außen abgegriffen werden und sollten deshalb verschlüsselt sein.
  • Lassen Sie smarte Geräte nach Möglichkeit von einem Fachmann mit IT-Kenntnissen installieren.
  • Smarte Geräte werden mit voreingestellten Passwörtern ausgeliefert. Ersetzen Sie diese vor der Inbetriebnahme unbedingt durch ein starkes eigenes Passwort.
  • Wenn Sie vom PC aus auf Ihr smartes Heim zugreifen, halten Sie Schutzsoftware und Browser aktuell. So verhindern Sie, dass sich Spionageprogramme auf Ihrem Rechner breitmachen.
  • Wenn Sie Ihr Smart Home über Apps steuern, schützen Sie auch Ihr Smartphone oder Tablet so gut wie möglich. Tipps dazu finden Sie beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
  • Meiden Sie smarte Haustürschlösser, die mit dem Handy geöffnet werden können. Hacker, die Ihr Schloss digital knacken, können spurlos in Ihr Haus eindringen und es ebenso spurlos wieder verlassen. Außerdem kann Ihr Handy – und damit Ihr "Schlüssel" – natürlich verlorengehen oder gestohlen werden.
  • Kabelgebundene Smart-Home-Systeme sind zwar teurer als solche, die über Funk kommunizieren, gelten aber als sicherer und weniger störanfällig.
  • Achten Sie auf das VDE-Siegel "Smart Home – Informationssicherheit geprüft". Es bedeutet, dass das Produkt zumindest eine unabhängige Prüfung durchlaufen hat.

    Fazit zum Smart Home

    Berechnet man Anschaffungskosten, Installation, Instandhaltung und Reparatur, das Aneignen der nötigen Kenntnisse, Ein- und Ausloggen aus den Programmen, Energieverbrauch sowie die genannten Risiken für Privatsphäre und Datenschutz ein, sind bislang kaum smarte Geräte auf dem Markt, deren Anschaffung der schönen neuen Welt nahekommt, die die Hersteller versprechen.

    Eine tatsächliche Erleichterung versprechen bislang vor allem Saug- bzw. Wischroboter, sofern sich die eigene Wohnung dafür eignet. Außerdem smarte Thermostate, mit deren Hilfe sich tatsächlich eine, wenn auch geringe, Heiz­kosten­ersparnis erzielen lässt, sind eine sinnvolle Ergänzung in Haus oder Wohnung.

    Quellen: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Bund für Umwelt und Naturschutz, Spektrum, Stiftung Warentest, Süddeutsche Zeitung, Umweltbundesamt, Verbraucherzentralen, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, Verbraucherportal Baden-Württemberg.

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