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Ratgeber: Wohlstand

Leben auf Kredit

Spezial Umwelt 6: 2012 | Kategorie: Freizeit und Technik | 16.11.2012

Ratgeber: Wohlstand

Während in den Industrienationen die Wachstumskurve nach oben steigt, schmelzen die Polkappen und Gletscher mit bedrohlicher Geschwindigkeit. Dennoch halten wir an der Politik des permanenten Wachstums fest. Dabei ist klar, dass die simple Steigerung des Bruttoinlandsprodukts uns nicht automatisch glücklicher macht.

Wachstum bedeutet Wohlstand. So ist es früher immer gewesen. Und glaubt man den Politikern und Ökonomen, dann stimmt diese Formel heute noch genauso wie vor 50 Jahren. Das andere Zauberwort heißt Bruttoinlandsprodukt, in Kurzform BIP. Für die Statistiker ist das BIP schlicht die Summe aller Güter und Dienstleistungen eines Landes, die im Jahr produziert und gehandelt werden. Für viele Bundesbürger verbindet sich das BIP noch heute mit den Erinnerungen an das Glück des deutschen Wirtschaftswunders. Damals in den 50ern stieg das Bruttoinlandsprodukt jährlich um sagenhafte acht Prozent. Und nach den Entbehrungen des Krieges bescherte es den Menschen wieder bescheidenen Konsum: einen Kühlschrank, den ersten Fernseher, eine Reise nach Italien. Um 1960 herrschte in Deutschland sogar Vollbeschäftigung - dem rasanten Wirtschaftswachstum sei Dank.

Heute leben die Kinder und Enkel dieser Generation im Überfluss. Legt man das Bruttoinlandsprodukt zugrunde, dann kann Otto Normalverbraucher sich fast fünfmal mehr kaufen als seine Großeltern vor 40 Jahren. Die Autos sind größer und schneller, die Wohnungen komfortabler, Urlaubsreisen mit dem Billigflieger zur Selbstverständlichkeit geworden. Vollautomatische Geschirrspüler und Wäschetrockner erleichtern uns die tägliche Hausarbeit, im Supermarkt haben wir die Qual der Wahl, über Handy und Internet sind wir rund um die Uhr weltweit vernetzt.

Dennoch: Der Optimismus der Wirtschaftswunderjahre scheint dahin. Stattdessen werden die Menschen von düsteren Vorahnungen und Zukunftsängsten geplagt. Sie sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, ihre Ersparnisse und ihre Rente. Von Vollbeschäftigung ist schon lange keine Rede mehr. Als Favorit für das Wort des Jahres bietet sich die Eurokrise an.

Der Abschwung ist für die Umwelt oft ein Segen

Und noch etwas hat sich geändert. Während in den Industrienationen die Wachstumskurve trotz einiger Dellen seit Jahrzehnten nach oben klettert, schmelzen fernab die Polkappen und Gletscher mit bedrohlicher Geschwindigkeit. Die Erde heizt sich auf. Die Meeresspiegel steigen, manche Regionen werden zunehmend von Wirbelstürmen und Überschwemmungen heimgesucht. Anderswo herrscht Dürre, die Nahrungsmittel werden knapp, die Wüsten dehnen sich aus. Schuld ist der durch industrielles Wachstum verursachte Treibhauseffekt, genauer: die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Abholzung der Regenwälder, die intensive Nutzung von Ackerflächen, der massenhafte Verzehr von Hamburgern und saftigen Rindersteaks. Das alles puscht nicht nur das BIP in die Höhe, sondern auch die Freisetzung des Treibhausgases CO2. Schon jetzt ist weltweit die Hälfte aller fossilen Energiequellen verbraucht. In den vergangenen 100 Jahren erhöhte sich die durchschnittliche Temperatur um 0,8 Grad. Und wenn wir weiter auf dem Pfad des Wachstums wandeln, kommen bis zum Jahr 2100 wahrscheinlich noch einmal vier Grad dazu - mit katastrophalen Folgen für das Öko-System unseres Planeten. Um das zu ver

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10 Seiten
Seite 6 - 15 im Spezial Umwelt 6: 2012
vom 16.11.2012
Abrufpreis: 1,32 €

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Erschienen am 16.11.2012

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