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Ratgeber: Wälder

Spezial Umwelt 5: 2011
vom 04.11.2011

Wälder

Silberstreif am Horizont?

Noch immer werden Wälder rücksichtslos gerodet, um Holz zu gewinnen und Platz für die Landwirtschaft zu schaffen, insbesondere in den Tropen. Das beschleunigt den weltweiten Klimawandel - und macht die Menschheit auf Dauer atemlos. Doch es gibt Fortschritte bei der Rettung der Wälder und Hoffnung auf ihre Wiederbelebung.

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04.11.2011 | Motorsägen kreischen, Affen schreien in Panik, aufgeregt krächzen die Vögel in den Wipfeln. Dann ein Wimpernschlag der Ruhe, abgelöst von lang gezogenem Quietschen und Krachen: Der Baumriese fällt, reißt seine unscheinbaren Nachbarn mit und stürzt mit dumpfem Grollen zu Boden. Kaum ist das Beben verklungen, geht der Raubbau von vorne los: Eine schrille Begleitmusik zu den Feiern zum Jahr des Waldes 2011. Derzeit werden jährlich weltweit 130.000 Quadratkilometer Wald zerstört, kalkuliert die Welternährungsorganisation FAO. Das ist eine Fläche fast doppelt so groß wie Bayern.

Die Zerstörung trifft vor allem die tropischen Regenwälder: das größte Urwaldgebiet der Welt am Amazonas, und zunehmend das zweitgrößte am Kongo in Zentralafrika. Noch rigoroser schlagen die Holzfäller in Indonesien zu, wo der Dschungel prozentual die schlimmsten Verluste erlitten hat. Fast die Hälfte der so vernichteten Wälder hatte der Mensch zuvor kaum betreten. Dabei sind gerade die Tropenwälder besonders reich an Pflanzen- und Tierarten, von denen die Menschen zurzeit Tausende ausrotten, oft bevor sie überhaupt entdeckt wurden.

Landwirtschaftliche Fläche endet als Brache

Lange Zeit interessierten sich nur wenige Bürger der Ersten Welt für die Vernichtung der Regenwälder, die 300 Millionen Menschen als Heimat und Existenzgrundlage dienen. Wenn die Holzfällertrupps anrücken, vertreiben sie oft die Bewohner, insbesondere indogene Völker, denn die können ihre traditionellen Rechte meist nicht mit Urkunden belegen. Der Staat versteht sich als Eigentümer und überlässt Farmern, Plantagenbesitzern und Viehbaronen die Flächen. Vielfach gilt das Recht des Stärkeren, mancher sichert sich die Ländereien durch Bestechung. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen machen seit Jahren diese Tragödie in der ersten Welt bekannt.

Zum Politikum wurde die Zerstörung der Tropenwälder in den wohlhabenden Ländern erst, als sich die Menschen selbst betroffen fühlten. Denn Wissenschaftler zeigen, dass der Raubbau am Wald den Klimawandel erheblich beschleunigt. Die Brandrodungen und die Verwertung der Bäume verursachen fast ein Fünftel des weltweiten CO2-Ausstoßes - und damit mehr als der gesamte Verkehrssektor. Diese Zahlen nannte schon Nicholas Stern in seiner 2006 für die britische Regierung erstellten Studie zum Klimawandel. Die frohe Botschaft lieferte der frühere Chefökonom der Weltbank gleich mit: "Indem wir die Waldvernichtung drosseln, können wir sehr kostengünstig und schnell den Ausstoß der Treibhausgase reduzieren."

Doch warum sollen die Schwellenländer und die Dritte Welt auf Rodungen verzichten? Zuerst mit dem Holz und danach mit den Agrarprodukten lässt sich gutes Geld verdienen - ob am Amazonas mit Sojabohnen, die in Europa als Viehfutter dienen, mit Fleisch oder Leder beziehungsweise in Südostasien mit Palmöl? Schließlich haben die Industriestaaten selbst bereits vor Jahrhunderten ihre Wälder gerodet. Zudem sind sie es, die mit der Verbrennung von Kohle, Erdöl und -gas

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Spezial Umwelt 5: 2011 Seite 126
Spezial Umwelt 5: 2011 Seite 127
Spezial Umwelt 5: 2011 Seite 128
Spezial Umwelt 5: 2011 Seite 129
Spezial Umwelt 5: 2011 Seite 130
Spezial Umwelt 5: 2011 Seite 131

10 Seiten
Seite 122 - 131 im Spezial Umwelt 5: 2011
vom 04.11.2011
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