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Neues Gesundheitsportal: Spahn greift NetDoktor & Co. an

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 02.09.2020

Neues Gesundheitsportal: Spahn greift NetDoktor & Co. an
Foto: gesund.bund (Screenshot)

Das Bundesgesundheitsministerium hat ein neues Portal vorgestellt, mit dem es in Konkurrenz zu NetDoktor & Co. tritt. Der Ansatz ist richtig, auch der Zeitpunkt stimmt. Nur die Funktionsweise von Suchmaschinen haben Jens Spahn und sein Team nicht ganz verstanden. Ein Kommentar von Lino Wirag.

Seit dem Start der ersten deutschsprachigen Gesundheitsportale vor über 20 Jahren gibt es immer mehr Webseiten, die sich gezielt mit Gesundheitsthemen beschäftigen. Sie gehören zu den gefragtesten Inhalten im Internet – kein Wunder, dass das auch schwarze Schafe und Geschäftemacher anzieht. Auch ÖKO-TEST hat sich schon mit  Gesundheitsportalen im Internet beschäftigt. Unser Fazit, wenig überraschend: Nicht überall sind vollständige, zuverlässige und aktuelle Informationen zu finden.

Um den Wildwuchs eine offizielle Anlaufstelle entgegenzusetzen, hat die Bundesregierung nun ein eigenes Gesundheitsportal unter dem Namen "gesund.bund.de" veröffentlicht. Die Seite entstand auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit, das auch als Herausgeber und Geldgeber einsteht. Nicht nur vor dem Hintergrund der Coronapandemie, die viele – zum Teil gezielt gestreute – Falschinformationen und Verschwörungstheorien an die Oberfläche gespült hat, ist das neue Angebot zu begrüßen.

Falsche Angaben können gravierend sein

Schon immer fiel es Laien schwer, medizinische Informationen, die sich im Internet finden, angemessen zu beurteilen. Orientierung tut not: Falsche oder veraltete Angaben können gravierende Folgen haben. Viele Gesundheitsinformationen im Netz seien "unzuverlässig, lückenhaft, von bestimmten Interessen beeinflusst oder sogar falsch und irreführend", wie es auf dem Bundesportal heißt, das heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Um dem entgegenzuwirken, arbeitet die Redaktion des neuen, werbefreien Gesundheitsportals bund.gesund.de mit anerkannten Partnern zusammen. Recherche und Überprüfung der Beiträge finden unter anderem gemeinsam mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sowie dem Robert Koch-Institut (RKI) statt.

Andere Inhalte werden von medizinischen Fachgesellschaften geprüft. So wurde der Artikel zur – in Europa freilich ausgerotteten – Beulenpest beispielsweise von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) abgenommen.

Was kann das neue Gesundheitsportal?

Die Informationen, die sich zurzeit auf den Portal befinden, sind qualitativ gesichert, neutral und verständlich. Das wundert nicht, wurde doch ein guter Teil der rund 200 Artikel relativ ähnlich von der Partner-Website gesundheitsinformation.de übernommen: einer Seite, die vom IQWiG – einer anderen öffentlich finanzierten Einrichtung – betrieben wird.

Die Aufmachung von "gesund.bund.de" ist technisch und optisch deutlich zeitgemäßer als das Angebot des IQWiG, was allerdings nicht die Frage beantwortet, warum man nicht in bereits bestehende Strukturen investiert hat. Sondern stattdessen ein neues und damit – für Internetverhältnisse – konkurrierendes Angebot eröffnet hat, das sich in den Augen der Suchmaschine um die gleiche Nachfrage streitet.

Die Gunst der Suchmaschine gewinnen

"Wer Gesundheit googelt, soll künftig auf dem nationalen Gesundheitsportal landen", beschreibt Spahn das Ziel des neuen Portals. Das ist optimistisch, wenn man sich veranschaulicht, dass gesundheitsinformation.de – das Portal, auf dessen Inhalten gesund.bund.de noch stark aufbaut – zurzeit etwa 2 Millionen Besuche im Monat aufweist. Eine Seite wie NetDoktor, die seit 2017 zur Verlagsgruppe Hubert Burda Media gehört, verzeichnet mindestens 20 Millionen Besuche im Monat, gefolgt vom Netzangebot der Apotheken Umschau mit rund 15 Millionen monatlichen Besuchen.

Das neue Portal des Gesundheitsministeriums müsste also in der Gunst der Suchmaschine erst einmal die selbstgemachte Konkurrenz zum IQWiG überholen, bevor es sich überhaupt auf den langen Weg machen könnte, zu den Platzhirschen aufzuschließen. Da ist ein langer Atem – und viel Geld – gefragt.

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