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Nachhaltiges Handy: So finden Sie ein strahlungsarmes, umweltfreundliches Smartphone

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 15.12.2021

Handy kaufen: So finden Sie ein strahlungsarmes und nachhaltiges Smartphone
Foto: Shutterstock/Sfio Cracho

Wenn Sie ein neues Smartphone erwerben oder verschenken möchten, entscheiden Sie sich am besten für ein Gerät mit einem möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck. Achten Sie außerdem auf den Strahlenwert des Geräts. Diese Tipps und Hinweise helfen.

Smartphones sind nicht nur unsere ständigen Begleiter, sondern auch beliebte Weihnachtsgeschenke. Wer sich beim Handykauf nicht nur für die neueste Technik interessiert, sondern auch dafür, welche ökologischen und gesundheitlichen Folgen mit dem eigenen Smartphone einhergehen, dem empfehlen wir die folgenden Tipps.

Tipp 1: Wiederaufbereitetes Smartphone erwerben

Verantwortungsvolle Verbraucher kaufen oder verschenken gebrauchte und professionell wiederaufbereitete Geräte. Der geläufige Ausdruck für solche Elektronik lautet "refurbished" (englisch für: generalüberholt).

Viele Smartphones aus der letzten oder vorletzten 'Saison' lassen sich auch in sehr gutem Zustand gebraucht erwerben. Viele Händler bieten auch auf wiederaufbereitete Geräte eine Garantie an. Oft sind entsprechende Geräte nicht nur technisch auf dem neuesten Stand, sondern schon ein halbes Jahr nach der Markteinführung deutlich günstiger zu bekommen. Wer geduldiger ist, spart entsprechend mehr.

Als Beispiel: Für Apples iPhone 11 wurden zum Verkaufsstart vor zwei Jahren noch rund 800 Euro aufgerufen, mittlerweile (Ende 2021) ist der Neupreis auf etwa 580 Euro gesunken. Wiederaufbereitet ist das Gerät momentan in gutem Zustand wiederum ab ca. 420 Euro zu haben, sogar mit Garantie. Was bedeutet, dass Konsumenten inzwischen für rund die Hälfte des ursprünglichen Preises im Wesentlichen die gleiche Leistung bekommen wie vor 24 Monaten – und natürlich eine fast makellose Umweltbilanz.

Nachhaltiges Handy: Wann sich der Kauf besonders lohnt

Tipp: Wer mit dem Kauf bis zum neuen Jahr wartet, kann sogar damit rechnen, dass die Preise von vielen Modellen weiter sinken werden. Zum einen sinkt dann die Nachfrage, was die Preise drückt, zum anderen verkaufen viele Kunden ihr 'Altgerät' nach den Feiertragen an die Wiederaufbereiter, weil sie zu Weihnachten ein neues Smartphone geschenkt bekommen haben. Den einen perfekten Zeitpunkt zum Kauf gibt es aber leider nicht.

Aufbereitete Smartphones der (vor)letzten Saison sparen Geld und Rohstoffe
Aufbereitete Smartphones der (vor)letzten Saison sparen Geld und Rohstoffe (Foto: CC0 / Unsplash.com / Meghan Schiereck)

Klar ist aber: Wer gebraucht kauft, spart nicht nur Geld und erhält eine fast identische Leistung, sondern verringert auch den ökologischen Fußabdruck seines 'neuen' Mobiltelefons. So müssen keine weiteren Erze und seltenen Erden für das Gerät aus dem Boden gegraben werden und auch keine Energie in dessen Herstellung investiert werden. Das macht sich bemerkbar: Nach Schätzung des Umweltbundesamtes lagern in den Schubladen deutscher Konsumenten bereits über 21 Tonnen Silber, zwei Tonnen Gold und 765 Tonnen Kupfer in Form alter Geräte – ein Bestand, der nicht unnötig vergrößert werden muss. Da die Schätzungen bereits aus dem Jahr 2015 stammen, dürften die Zahlen inzwischen wesentlich höher ausfallen.

Besonders nachhaltige Anbieter für gebrauchte Elektronik sind afbshop.de oder greenpanda.de, andere Portale sind etwa Asgoodasnew, Backmarket, Rebuy oder Refurbed.

Tipp 2: Faires, reparierbares Smartphone erwerben

Wer nicht gerne gebrauchte Geräte erwirbt oder ein Neugerät als Geschenk benötigt, sollte sich alternativ nach einem Hersteller umsehen, dessen Geräte einen geringeren ökologischen Fußabdruck und mehr Langlebigkeit versprechen. Auf dem europäischen Markt sind hier zwei Anbieter zu empfehlen: Fairphone aus den Niederlanden und Shiftphones aus Hessen. Beide produzieren ihre Geräte unter deutlich besseren Bedingungen als im internationalen Wettbewerb üblich und dokumentieren ihre Bemühungen ausführlicher.

Außerdem sind die Smartphones beider Hersteller darauf ausgelegt, vom Benutzer selbst repariert zu werden, was bei gewöhnlichen Handys nicht der Fall ist. Konventionelle Elektronikkonzerne konzipieren ihre Geräte bewusst als "Wegwerfprodukte", die durch ein Neugerät ersetzt werden sollen, sobald sich technische Probleme ergeben. Die Smartphones von Fairphone und Shiftphones hingegen werden mit einem beigelegten Schraubenzieher geliefert, mit dessen Hilfe die modular aufgebauten Handys vom Benutzer selbst zerlegt werden können.

Gerade zu Weihnachten werden viele Smartphones verschenkt. Die optimale Gelegenheit, um zu fairen Modellen zu greifen.
Gerade zu Weihnachten werden viele Smartphones verschenkt. Die optimale Gelegenheit, um zu fairen Modellen zu greifen. (Foto: Shutterstock/4 PM production)

Kein Smartphone ohne Konfliktmetalle

Bei den Materialien punkten besonders die Niederländer hinter Fairphone als bislang einziges Smartphone-Unternehmen, das fair gehandeltes Gold verbaut. In Milliarden anderen Mobiltelefonen, die weltweit verwendet werden, befindet sich hingegen Gold von mehr oder weniger ungeklärter Herkunft. Es kann deshalb – wie andere Konfliktmetalle auch – mit Raubbau, Umweltzerstörungen, Korruption und Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang stehen.

>> Lesen Sie hier mehr darüber, welche problematischen Rohstoffe in unseren Smartphones stecken: iPhone im Mixer – ein blutiger, giftiger Cocktail

Tipp 3: Strahlungsarmes Handy erwerben

Ein weiterer Punkt, der viele umwelt- und gesundheitsbewusste Handynutzer beschäftigt, ist eine mögliche Strahlenbelastung, die vom eigenen Gerät ausgeht. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nimmt zwar grundsätzlich keine Gesundheitsgefährdung durch Handystrahlung an, rät aber dennoch zur Vorsorge. Die Exposition durch elektromagnetische Felder, heißt es, sollte so gering wie möglich sein, um mögliche Risiken zu minimieren. So gäbe es zum Beispiel immer noch "wissenschaftliche Unsicherheiten hinsichtlich möglicher Langzeitwirkungen intensiver Handynutzung", so das BfS.

Während wir die Bestrahlung durch die Sendemasten über unseren Köpfen nicht direkt beeinflussen können, haben wir sehr wohl in der Hand, wie viele Immissionen wir durch unser Smartphone aufnehmen. Das Bundesamt empfiehlt daher, bei der Auswahl des eigenen Handys auf den sogenannten SAR-Wert zu achten: "Ob ein Smartphone oder ein Tablet strahlungsarm ist oder nicht, lässt sich leicht an der sogenannten spezifischen Absorptionsrate, oder kurz SAR, erkennen", erklärt Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz.

Handystrahlung beim Bundesamt überprüfen

Der Wert bezeichnet die Menge an Energie, die vom Körper durch die Strahlung des Geräts aufgenommen wird, gemessen in Watt pro Kilogramm. Je niedriger der SAR-Wert, desto strahlungsärmer das Gerät. Das BfS ermittelt seit 2002 regelmäßig den SAR-Wert aktueller Handys und Smartphones, und zwar zwei Werte pro Gerät: einen für das Telefonieren mit dem Handy am Ohr und einen für das Tragen des Geräts am Körper. Die Strahlenbelastung am Körper, die aus sehr kurzer Entfernung gemessen wird, ist immer höher als am Kopf.

In der dazugehörigen SAR-Liste des BfS kann jeder die Daten seines (Wunsch-)Geräts abfragen und sich über dessen Strahlungseigenschaften informieren. Die Liste umfasst aktuell rund 3.800 Modelle von 85 Herstellern. Davon sind rund 760 als aktuelle Modelle gekennzeichnet, der Rest als solche, die noch gebraucht erhältlich sind (siehe Tipp 1).

Telefonieren im Verkehr: nicht nur verboten, sondern auch mit höherer Strahlenbelastung verbunden
Telefonieren im Verkehr: nicht nur verboten, sondern auch mit höherer Strahlenbelastung verbunden (Foto: CC0 / Unsplash.com / Alexandre Boucher)

3 von 8 aktuellen Smartphones sind strahlungsarm

Als strahlungsarm gelten Mobilgeräte mit einem SAR-Wert bis höchstens 0,5 Watt pro Kilogramm beim Telefonieren am Ohr: Dazu gehören rund 270 der 760 aktuellen Modelle der Liste, alle anderen Telefone liegen darüber. Das entspricht rund drei von acht Geräten.

Beispiele: Das oben bereits genannte iPhone 11 beispielsweise strahlt mit 0,95 Watt am Kopf und 0,99 Watt am Körper und liegt damit im Mittelfeld. Das Fairphone 3 strahlt mit 0,39 bzw. 1,41 Watt und gilt damit (am Ohr) als "strahlungsarm".

Tipps zum strahlungsarmen Telefonieren

Wichtig zu wissen: Der SAR-Wert ist keine fixe Größe, sondern variiert mit der Sendeleistung des Geräts. Das heißt, dass Smartphones stärker strahlen (müssen), wenn beispielsweise die Netzabdeckung schlecht ist oder Sie sich in einem geschlossenen Raum oder Zug aufhalten. Wenn Sie sich wegen der möglichen Folgen elektromagnetischer Felder Sorgen machen, telefonieren Sie besser nur, wenn Sie guten Empfang haben.

Und: Die Intensität elektromagnetischer Felder sinkt mit der Entfernung schnell. Das heißt, dass Sie die Absorption der Handystrahlen stark verringern können, wenn sich Ihr Handy nicht direkt am Körper oder – beim Telefonieren – am Ohr befindet. Wenn Sie während des Gesprächs beispielsweise ein Headset oder die Freisprechfunktion verwenden, können Sie die Belastung deutlich senken.

Wenn Sie mit Ihrem Smartphone telefonieren, erwärmt sich Ihr Gewebe minimal.
Wenn Sie mit Ihrem Smartphone telefonieren, erwärmt sich Ihr Gewebe minimal. (Foto: Shutterstock/fukume)

So wirkt Handystrahlung auf den Körper

Handy-Signale werden über hochfrequente elektromagnetische Felder übertragen – Mikrowellen basieren auf der gleichen Technik. Zwar wird das Essen in der Mikrowelle mit einer weitaus höheren Intensität bestrahlt, aber auch Smartphones erwärmen unser Körpergewebe, wenn wir sie in der Hosentasche tragen oder zum Telefonieren ans Ohr führen.

Unser Organismus nimmt die elektromagnetische Strahlung auf, die das Gerät abgibt, und wandelt sie in Wärme um. Da unsere Handys nur mit einer sehr niedrigen Wattzahl strahlen, merken wir davon nichts. Nicht zu verwechseln ist Handystrahlung mit der häufigen Erfahrung, dass sich ein Handy beim Telefonieren, Benutzen oder Aufladen unter Umständen warm anfühlt. Diese Phänomen hängt nicht mit der elektromagnetischen Strahlung zusammen, sondern damit, dass der Akku des Geräts auf voller Leistung läuft oder während des Aufladens Energie verloren gegangen ist.

Langzeitfolgen sind weitgehend ungeklärt

Die Folgen der Gewebe-Erwärmung, die aufgrund der Handystrahlung entsteht, sind umstritten, genauso wie andere Effekte, die mit elektromagnetischer Strahlung in Zusammenhang gebracht werden. Gerade im Hinblick auf den 5G-Ausbau sind zurzeit viele Befürchtungen – und leider auch falsche Behauptungen – im Umlauf.

Der Stand des Wissens ist zurzeit aber noch ein vorläufiger: Da noch keine zuverlässigen Langzeitstudien vorliegen, ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, Mobilfunkstrahlung in den bislang verwendeten Frequenzen völlige Unbedenklichkeit zu bescheinigen – aber auch nicht, sie als gesundheitliches Risiko einzustufen.

Weitere Informationen zum Strahlenschutz beim Mobilfunk und bei 5G finden Sie hier auf der Website des Bundesamts für Strahlenschutz.

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