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Nachhaltig reisen: Inspirationen für grüne Urlaube nach Corona

Autor: Hannah Glaser | Kategorie: Freizeit und Technik | 03.04.2020

Nachhaltig reisen nach der Corona-Krise
Foto: Syda Productions/Shutterstock

Das Coronavirus hält die Welt an, infiziert in Windeseile Menschen und lähmt eine weltumspannende Reisebranche: Shutdown, Stillstand, Pausenmodus. Gleichzeitig haben Sie jetzt Zeit, um zukünftige Urlaubspläne zu schmieden. ÖKO-Test-Reiseautorin Hannah Glaser stellt sechs Reiseblogs vor, von denen Sie sich inspirieren lassen können.

Das Tempo, mit dem Veranstalter, Reisebüros, Hoteliers, Gastronomen und ganze Zielgebiete in den Abgrund zu stürzen drohen, ist atemberaubend. Große Konzerne bekommen Hilfen, aber was ist mit den Kleinen? Den Reiseleitern überall auf der Welt, die nicht auf Kurzarbeitergeld hoffen können, den Taxifahrern in New York, die ihre maßlos teuren Lizenzen nicht abzahlen können und den Rikscha-Fahrern ohne Passagiere. Was ist mit den Kneipenwirten, die nicht wissen woher sie das Geld für Miete und Mitarbeiter nehmen sollen?

Und wir Journalisten, die fürs Reisen und vom Reisen leben? Wir sehen ringsherum nur Wände und keine Tür. Alle Pläne sind geplatzt, alle Reisen abgesagt, die Aufträge Makulatur, die Koffer im Keller. Stattdessen wohnen wir die Miete ab und putzen die Bude – Ferien auf Sagrotan. Wir klicken uns auf den Webcams durch die Welt, die jetzt so anders aussieht.

Wie blitzsauber die Kanäle in Venedig sind - hat irgendwer gewusst, dass dort Fische leben? Die bizarre Kreuzung in Tokio, diese fünf Zebrastreifen am Bahnhof von Shibuya, die seit dem Film "Lost in Translation" zum Sinnbild unserer hektischen Welt geworden sind – jetzt kann man die Fußgänger an zwei Händen abzählen. Und Barcelona? Verona? Amsterdam? Paris? Nichts mit Overtourism. Alles leergefegt.

Wird die Lust auf Reisen wiederkommen?  

Wir können jetzt virtuell reisen wie noch nie. Mit Skyrail gondeln wir über den tropischen Regenwald Australiens und schauen den Koalas im Gehege von Brisbane beim Fressen zu, wir begleiten die Dog-Walker auf dem Strip in Las Vegas und die Putzfrau, die in der verwaisten Wedding Chapel den Staub vom Altar feudelt. Im New England Aquarium erklärt die Meeresbiologin online die Folgen der Klimaerwärmung für das Leben der Hummer. Wir spazieren virtuell durch Erfurt, sehen beklommen die menschenleere Brooklyn Bridge in New York und erfreuen uns an der Kirchturm-Kulisse von Delft, die schon Vermeer malte.

Doch wie wird die Zukunft nach dem Hausarrest aussehen? Wird die Lust aufs Reisen wiederkommen, oder werden wir ganz andere Probleme haben? Immerhin: Wir haben begriffen, dass nicht alles verlässlich so weitergeht wie wir es seit jeher gewohnt waren. Ein Neubeginn mit mehr Genügsamkeit und Respekt für Natur und andere Kulturen wäre ein schönes Ergebnis.

Nachhaltig reisen: Schlafen im Freien ist für Kinder ein Abenteuer, für das man nicht weit fahren muss.
Nachhaltig reisen: Schlafen im Freien ist für Kinder ein Abenteuer, für das man nicht weit fahren muss. (Foto: Asukanda/Shutterstock )

Nachhaltig reisen: Reiseblogger geben Tipps 

Nachhaltig zu reisen war schon vor Corona ein Thema und wird künftig noch wichtiger sein. Einige wenige der über tausend Reiseblogger haben sich dem sanften Tourismus verschrieben. Wir stellen sechs hochwertige Online-Journale vor, die Lust darauf machen, verantwortungsvoll unterwegs zu sein, die Lesespaß bieten und Inspirationen für später.

1. Ausgebüxt: Abenteuer in der Natur 

Wer naturnahe Erlebnisse für Menschen mit Kindern sucht, wird den Blog Ausgebüxt lieben. Von der Trekkingtour mit Kleinkind durch die Eifel über Schlafen im Freien bis zu Glücksmomenten im Sommerregen finden sich Ideen und Anregungen für 50 kleine und große Abenteuer in der Natur.

Jana und Patrick Heck gründeten ihren Blog 2019, der sich nicht durch Werbung finanziert, sondern durch ein Mitglieder-Modell mit Beiträgen zwischen 2,50 und zehn Euro im Monat. Trotzdem ist er für alle kostenlos zu lesen, die Mitgliedschaft ist reine Solidarität. Auch in Corona-Zeiten wollen beide "Menschen dafür begeistern, kleine, regionale Urlaubs-Erlebnisse in ihr Leben einzubauen, denn das ist nachhaltig, preiswert, einfach umzusetzen und lässt jeden Stress verschwinden". 

2. Einfach buchen: 600 grüne Unterkünfte 

Als Kind verbrachte Moritz Hintze jedes Jahr mit Eltern und Geschwistern glückliche Ferienwochen auf dem Helchenhof, ein Demeter-Bauernhof unweit vom Bodensee. Nach dem Studium gründete er gemeinsam mit dem IT-Freak Phillip Fickl Bookitgreen, um grüne Ferienunterkünfte europaweit unkompliziert online buchbar zu machen. Der Blog ist unabhängig von konventionellen Anbietern. Um das Angebot auszubauen soll der Shop samebutgreen mit plastikfreien Produkten für Alltag und Reisen Einkünfte generieren. 

Grüne Ziele und Nachhaltigkeit im Familienalltag 

3. Planet Hibbel: Grüne Ziele im nahen Ausland  

2012 verbrachte Nadine Lessenich mit Mann und zwei kleinen Kindern die Elternzeit in Thailand und wollte mit ihrem Blog Planet Hibbel ursprünglich nur die Verwandtschaft auf dem Laufenden halten. Heute hat sie Flugreisen drastisch reduziert und entdeckt mit der Familie grüne Unterkünfte und Ziele im nahen Ausland. Sie schreibt auch über Nachhaltigkeit im Familienalltag, lässt ihren Gedanken zu Corona freien Lauf und empfiehlt Hörbücher. Ein Blog wie eine gute Freundin.

Sanfter Tourismus: Reiseblogger geben Tipps, wie man nachhaltiger Urlaub machen kann.
Sanfter Tourismus: Reiseblogger geben Tipps, wie man nachhaltiger Urlaub machen kann. (Foto: Tom Wang/Shutterstock)

4. Bravebird: Als Frau allein um die Welt 

Nach vielen hektischen Berufsjahren ist Ute Kranz 2014 ausgestiegen, hat Job und Wohnung gegen "geringes Einkommen und große Freiheit" getauscht, ihr letztes Hab und Gut eingelagert und einen VW-Bus angeschafft. Es folgte ein Road-Trip durch Nordeuropa und eine neunmonatige Weltreise. Von der mexikanischen Karibikinsel Isla Holbox hat sie ihre vierbeinige Begleiterin Conchi mitgebracht. Seit 2018 verzichtet sie auf Flugreisen und begeistert sich für einen minimalistischen Lebensstil.

Seither ist Ute in Ländern ohne viel Tourismus unterwegs und bleibt lange an einem Ort. Vor sieben Jahren ist sie mit ihrem Blog Bravebird online gegangen, um zu zeigen wie fabelhaft und einfach es ist als Frau allein unterwegs zu sein. In diesen Tagen hofft sie "dass wir alle in dieser Pflicht-Auszeit die Natur schätzen lernen". 

Nachhaltige Lieblingsplätze in Valencia, Oslo & Co. 

5. Reisedepeschen: Sehnsuchtsorte ohne Ende 

Vor zehn Jahren hängte Johannes Klaus seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Webseite Reisedepeschen wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet, weil sein Blog "wie ein Leuchtturm aus dem Genre herausragt".

Mit seiner Partnerin Marianna Hillmer gründete er inzwischen den Reisedepeschen-Verlag, die Bücher werden klimaneutral produziert. Der Blog wächst dabei immer weiter: Ein Autorenteam von 18 Nah- und Fernreisenden füttert ihn mit großartigen Texten und Lesestoff für Wochen – Anfälle von Fernweh sind garantiert. 

6. Reisezeilen: Europareisen auf sanfte Weise 

Am Strand in der Sonne liegen war nie ihre Sache. Beatrice Anton hat sich seit jeher für die Menschen vor Ort und ihre Alltagskultur interessiert und kam so zu einem sanften Tourismus, "der die Natur schont und der lokalen Bevölkerung ein gerechtes Einkommen ermöglicht".

Seit 2017 steht für sie Nachhaltigkeit an erster Stelle, sie bereist europäische Ziele, die mit dem Zug zu erreichen sind und entdeckt ihre neue Wahlheimat Berlin. In ihrer Green Guide-Serie auf ihrer Webseite Reisezeilen offeriert sie eine Fülle vergnüglicher Tipps und ihre nachhaltigen Lieblingsplätze in Städten wie Hamburg, Antwerpen, Valencia, Salzburg und Oslo. 

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