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Kritische Studie: Social Media und Depressionen hängen zusammen

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 19.07.2019

Pixabay
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Eine Studie zeigt, dass die Benutzung von Social Media und das Auftreten von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen verknüpft sind. Frühere Befunde kamen zu vergleichbaren Ergebnissen.

Dass Jugendliche gern am Handy hängen, überrascht nicht. Eine neue Studie legt nun aber nah, dass ein unerfreulicher Zusammenhang zwischen Snapchat, Instagram und Co. und dem seelischen Wohlbefinden junger Menschen besteht. Kanadische Forscher zeigen darin, dass das Auftreten von depressiven Symptomen mit der Zeit verknüpft ist, die Kinder und Jugendliche mit Social-Media-Anwendungen verbringen.

Für die Untersuchung, die in der medizinischen Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde, hatten die Wissenschaftler Daten von über 3.800 kanadischen Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Sie griffen dabei auf Zahlen zurück, die ursprünglich zwischen 2012 und 2018 im Rahmen einer Studie zur Suchtprävention erhoben worden waren.

Social Media und Depression sind verknüpft

Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren hatten damals regelmäßige Angaben zu ihrem Freizeitverhalten gemacht, Mädchen und Jungen waren gleichermaßen vertreten. Die Forscher hatten die Jugendlichen unter anderem danach gefragt, wie viel Zeit sie mit Social Media, Fernsehen und Computerspielen verbrachten. Aber auch danach, wie viel Sport sie trieben, und wie sie ihr Selbstwertgefühl einschätzten.

Bei der Neuauswertung der Daten stellten die Wissenschaftler nun fest, dass Jugendliche stärker unter depressiven Verstimmungen litten, je häufiger sie Social-Media-Kanäle verwendeten. Für Computerspiele konnten sie keinen entsprechenden Effekt nachweisen.

Was Fernsehkonsum betraf, fiel das Fazit differenzierter aus: "Jugendliche, die weniger anfällig für Depressionen sind, scheinen eher Zeit vor dem Fernseher zu verbringen", so die Forscher, "aber je länger sie fernsehen, desto häufiger treten depressive Symptome auf."

Der Bildschirm allein ist nicht das Problem

Auch für Computernutzung im Allgemeinen war kein klarer Zusammenhang zwischen depressiven Verstimmungen und der Nutzungsdauer nachzuweisen. Ob Kinder und Jugendliche viel oder wenig Zeit vor dem Bildschirm verbringen, scheint also noch keine Schlussfolgerungen zuzulassen. Ausschlaggebend scheint vielmehr zu sein, womit sie sich am Bildschirm beschäftigen.

Social Media rückte deshalb besonders in den Fokus der Forscher: Jugendliche gaben umso niedrigere Werte für ihr Selbstwertgefühl an, je mehr Zeit sie mit entsprechenden Anwendungen verbrachten. Unklar bleibt, ob die sozialen Medien Depressionen befördern können oder ob depressive Jugendliche umgekehrt mehr Zeit mit Social Media bringen. Die Forscher legten nahe, dass beide Effekte sich gegenseitig verstärken könnten.

Durch Facebook & Co. vergleichen sich Jugendliche mit anderen

Die Wissenschaftler vermuteten außerdem, dass junge Menschen, die mehr Zeit auf Facebook, Instagram und Co. verbringen, dazu neigen, sich stärker mit anderen zu vergleichen. "Der Konsum von idealisierten Bildern auf Social Media und im Fernsehen könnte das Selbstwertgefühlt beeinträchtigen", so die Autoren – was sich wiederum auf die Stimmung auswirke.

Langzeitstudien existieren in diesem Bereich noch nicht, auch ist Depression mit zahlreichen anderen möglichen Auslösern verknüpft. Die Autoren schlussfolgerten lediglich, dass es auch wichtig sei, den individuellen Medienkonsum zu berücksichtigen, um Depressionen vorzubeugen.

Das sagen anderen Studien

Ende 2018 hatte eine andere Studie gezeigt, dass 14- bis 17-Jährige, die sieben oder mehr Stunden am Tag vor dem Bildschirm verbrachten, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit hatten, an einer Depression oder psychischen Krankheit zu leiden. Auch eine Überblicksstudie, die Anfang 2019 veröffentlicht worden war, verknüpft die Zeit vor dem Bildschirm mit Gesundheitsrisiken, vor allem mit Übergewicht, ungesunder Ernährung sowie depressiven Symptomen.

Im Zweifel – mehr an die frische Luft! Denn dänische Forscher wiesen nach, dass eine Kindheit im Grünen sich positiv auf das seelische Wohlbefinden auswirkt.

Wichtig: Wer unter starken Stimmungsschwankungen oder depressiven Symptomen leidet, sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Falls Sie über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen anderen Menschen sorgen, finden Sie bei der Telefonseelsorge kostenlos und anonym Hilfe (Telefon 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222). Auch Ihr Arzt und die Ambulanzen in psychiatrischen Kliniken helfen Ihnen weiter.

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