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Kleintiere: Tipps zur artgerechten Haltung

Klein, aber nicht ohne

Autor: Online-Redaktion ÖKO-TEST | Kategorie: Freizeit und Technik | 29.07.2020

Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Co. lieben Gesellschaft.
Foto: CC0 / Pixabay / scym

Nicht nur Hund und Katze, auch Meerschweinchen und Rennmäuse, Kaninchen, Fische und Vögel haben als Haustiere ihre tierischen Bedürfnisse. Wir geben Tipps für die richtige Haltung der Kleintiere.

Ein Haustier macht nicht nur Kinder glücklich, sondern kann auch für die Großen zum festen Familienmitglied werden. Wir haben Tipps zur richtigen Nahrung, artgerechten Haltung und Pflege für Sie zusammengestellt, damit Meerschweinchen und Co. sich bei Ihnen wohlfühlen.

Diese fünf Kleintierarten stellen wir im Detail vor:

  • Meerschweinchen
  • Rennmäuse
  • Kaninchen
  • Vögel
  • Fische

Meerschweinchen

Meerschweinchen gelten als ideal für Stadtwohnungen: Sie sind ruhig, stören die Nachbarn nicht und dürfen auch ohne Erlaubnis des Vermieters gehalten werden. Doch auch Meerschweinchen stellen Ansprüche an Haltung und Pflege. Als Sippentiere müssen sie stets mindestens zu zweit, besser zu dritt vergesellschaftet werden, sonst leiden sie unter Einsamkeit. Sie bewegen sich gerne und brauchen viel Platz. Für zwei bis drei Tiere sollte man einen Käfig mit einer Grundfläche von mindestens 1,50 mal 0,75 Meter anschaffen oder bauen.

Neben einem Schlafhäuschen gehören ein bis zwei Futterraufen, Trinkflasche oder Wassernapf zur Ausstattung. Korkröhren, Wurzeln und Äste bieten den schreckhaften Nagern Schutz und Sicherheit. Raue Steine eignen sich zum Krallenwetzen, ungespritzte Obstbaumäste zum Nagen. Die Zähne wachsen ständig nach und müssen über das Nagen abgenutzt werden. Auch durch das Kauen von Heu bleiben die Zähne kurz. Altes Brot ist ungeeignet, es enthält oft Schimmelsporen.

Meerschweinchen fühlen sich zu zweit oder zu dritt viel wohler als allein.
Meerschweinchen fühlen sich zu zweit oder zu dritt viel wohler als allein. (Foto: CC0 / Pixabay / furbymama)

Ernährung

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser, in der freien Natur suchen sie den ganzen Tag nach Nahrung. Die Tiere sollten daher ständig Heu zur Verfügung haben, was die Darmtätigkeit ankurbelt, und zusätzlich Grünfutter wie Löwenzahn und Wiesenkräuter, Obst und Gemüse bekommen. Eine Tagesration pro Tier, eingeteilt in zwei bis drei Portionen, könnte aus einem Viertel Apfel, einer kleinen Karotte, einem Stück Fenchel und einem großen Büschel Gras bestehen. Trockenfutter nur wenig oder gar nicht geben, es hat viele Kohlenhydrate. Trinkwasser sollte immer da sein und täglich gewechselt werden.

Meerschweinchen-Pflege

Haben die Meerschweinchen Gelegenheit ihre Krallen abzuwetzen (Klettermöglichkeiten, Hindernisse), nutzen sich diese auf natürliche Weise ab. Werden die Krallen doch mal zu lang, müssen sie geschnitten werden. Beim ersten Mal sollte man sich vom Tierarzt oder einem erfahrenen Halter zeigen lassen, wie es geht. Die Fellpflege spielt bei den verbreiteten Arten wie Glatthaar- oder Rosettenmeerschweinchen keine Rolle. Baden sollte man Meerschweinchen nicht. Die Zähne möglichst alle drei Monate beim Tierarzt kontrollieren lassen. Werden die Zähne zu lang und unregelmäßig abgenutzt, wachsen sie spitz in den Mund. Das schmerzt, das Tier kann nicht mehr richtig fressen und magert ab.

Rennmäuse

Als Haustier werden meistens Mongolische Rennmäuse gehalten. Die Tiere sind tag- und nachtaktiv, klettern und springen gern und sind ausgesprochen wasserscheu. Rennmäuse muss man mindestens zu zweit halten. Zum Einstieg wählt man ein gleichgeschlechtliches Paar, am besten Wurfgeschwister. Hält man ein Weibchen und ein Männchen, muss man sich auf jede Menge Nachwuchs einstellen, deshalb dann am besten die Böcke kastrieren.

Der richtige Mäusekäfig

Der Käfig für die Rennmäuse sollte hell, aber nicht in der direkten Sonne stehen. Außerdem vertragen die Nager keine Zugluft und keinen Lärm. Unverzichtbare Ausstattung für den Käfig oder das Terrarium sind Sandbäder, in denen sich die Tiere wälzen, um Feuchtigkeit und Drüsenabsonderungen aus ihrem Fell zu entfernen. Dazu eignen sich Blumenschalen aus Keramik oder Bonbongläser, aus denen die Mäuse den Sand nicht so schnell herausbuddeln können. Gegenstände aus Plastik haben in der Rennmausunterkunft nichts verloren, die Mäuse nagen sie ab. Den Sand, am besten Vogel- oder Chinchillasand, mindestens alle zwei Tage austauschen oder durchsieben. Außerdem brauchen die Tiere ein Häuschen zum Schlafen oder zum Verstecken, Steine und Äste zum Anlegen von Gängen, Material wie Stroh oder Heu zum Nisten und Holz oder Pappe zum Nagen.

Rennmäuse sollten Sie mindestens zu zweit in einem ausreichend großen Käfig halten.
Rennmäuse sollten Sie mindestens zu zweit in einem ausreichend großen Käfig halten. (Foto: CC0 / Pixabay / nidan)

Ernährung: Das fressen Rennmäuse gerne

Das Basisfutter aus Sämereien kauft man als fertige Mischung. Zusätzlich kann man Heu, Gemüse und zwei- bis dreimal die Woche tierisches Eiweiß (Eier, Käse) anbieten. Das Trockenfutter kann man in der Einstreu verteilen, die Tiere suchen danach.

Pflege

Rennmäuse nie am Schwanz ziehen oder hochheben, er könnte abreißen. Um die Mäuse nicht zu erschrecken, kann man sie anfangs mit einer Röhre, etwa aus einem Küchenhandtuch, aus dem Käfig nehmen. Über ihre Duft- oder Ventraldrüse an Bauch sondern die Mäuse ein Sekret aus Talg und Duftstoffen ab. So markieren Rennmäuse ihr Revier, ihre Artgenossen und manchmal auch ihre Halter. Menschen können es weder sehen noch riechen. Es kommt vor, dass diese Drüse sich entzündet, dann sollte man zum Tierarzt gehen.

Kaninchen

Kaninchen lieben Gesellschaft. Am besten schafft man sich daher mindestens zwei Tiere an, am besten eine Häsin und einen kastrierten Rammler oder zwei Weibchen aus demselben Wurf. So verhindert man Revier- und Rangordnungskämpfe. Neben einem ausreichend großen Gehege brauchen die Tiere täglich Freilauf in der Wohnung oder in einem Außengehege. In zu kleinen Käfigen verkümmert ihre Muskulatur und sie entwickeln Verhaltensstörungen (Benagen der Gitterstäbe, ununterbrochenes Scharren in der Käfigecke oder auch Bissigkeit).

Jedes Tier braucht ein eigenes Schlafhäuschen als Unterschlupf und Versteck. Da Kaninchen Höhlenbewohner sind, darf das Gehege nicht von allen Seiten einsehbar sein. Ungiftige Äste zum Annagen, Wurzelstöcke zum Verstecken, mit Sand gefüllte Blumenschalen sorgen für Abwechslung im Käfig. Außerdem gehören zur Ausstattung zwei Toiletten mit Einstreu und schwere Futter- und Trinknäpfe zum Beispiel aus Steingut.

Die richtige Ernährung für Kaninchen

Gutes Heu ist Grundlage der Ernährung und sollte stets verfügbar sein. Daneben brauchen die Tiere Obst (Äpfel, Birnen), Gemüse (Möhren, Sellerie, Brokkoli) und Grünfutter (Löwenzahn, Petersilie). Trinkwasser braucht das Kaninchen ständig, es muss täglich gewechselt werden.

Pflege

Kaninchenzähne wachsen dauernd nach und müssen über das Nagen an harten Gegenständen abgenutzt werden. Dazu nehmen die Tiere gern ungespritzte Zweige von Obstbäumen, Weiden und Buchen, Rindenstücke und Wurzeln. Werden die Zähne trotzdem zu lang, dann stören sie beim Fressen und der Tierarzt muss sie kürzen. Gesunde Tiere pflegen und putzen sich selbst, baden sollte man sie nicht. In der Zeit des Fellwechsels kann man abgestoßene Haare mit einer Kaninchenbürste entfernen. Bei guter Pflege und Haltung sollten die Krallen kurz sein und sich auf natürliche Weise abnutzen. Ist dies nicht der Fall, vom Tierarzt kürzen lassen.

Kaninchen fressen gerne Heu, Grünfutter, Obst und Gemüse.
Kaninchen fressen gerne Heu, Grünfutter, Obst und Gemüse. (Foto: CC0 / Pixabay / castleguard)

Fische

Der Zierfisch ist in Deutschland ein sehr beliebtes Haustier. 85 Millionen Fische paddelten 2011 in den Heimaquarien. Das große Angebot und die prächtigen Farben der Fische verführen häufig zu Spontankäufen, ohne dass man sich vorher ausreichend informiert hat. Fehler werden etwa bei der Zusammenstellung der Arten, der Wasserqualität und bei der Fütterung gemacht. Schon kleinste Störungen im Biotop Aquarium - und die Fische sterben.

Fische im Aquarium - auf das richtige Becken kommt es an

Je kleiner das Becken, desto schwieriger ist es, ein stabiles Gleichgewicht zu schaffen. Schwankungen in der Temperatur oder zu große Futtermengen beispielsweise wirken sich schnell auf Pflanzen und Tiere aus. Für den Einstieg sollte man daher mit einem 100-Liter-Becken beginnen, das mit Filteranlage, Beleuchtung und Heizung ausgestattet ist. Aquarien brauchen glatte, ebene Stellflächen auf einem stabilen Unterschrank. Unebenheiten und der Druck auf das Glas lassen sich mit einer Schaumstoffunterlage ausgleichen. Wasser überträgt Schall und Erschütterungen, deshalb einen Standort wählen, an dem nicht ständig jemand vorbeiläuft. Außerdem Sonneneinstrahlung meiden, denn die lässt die Algen wachsen. Bevor die Fische einziehen können, muss das Becken "eingefahren" werden. Auf keinen Fall darf man einfach die Tiere ins Becken setzen, bevor sich ein stabiles Gleichgewicht eingestellt hat. Das dauert etwa zwei bis drei Wochen.

Bei der Gestaltung des Aquariums mit Steinen, Holz und Pflanzen richtet man sich nach den natürlichen Lebensräumen der Fische. Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten dürfen nicht fehlen. Für die Sauerstoffversorgung und das biologische Gleichgewicht sollte man das Becken ausreichend bepflanzen. Je besser die Pflanzen wachsen, desto weniger wachsen die Algen. Dazu ist vor allem eine gute Beleuchtung des Aquariums wichtig. Das Wasser sollte einmal in der Woche gewechselt werden. Dazu erneuert man etwa ein Drittel der Wassermenge und achtet darauf, dass pH-Wert, Härte und Temperatur stimmen. Die Wasserqualität kann man auch anhand einer Probe im Fachhandel prüfen lassen.

Die richtige Auswahl der Fische

Schwarmfische kann man nicht einzeln halten. Sie werden nicht nur schreckhaft und blass, sondern auch schneller krank. Minimum bei Neons oder Guppys sind etwa sechs bis zehn Tiere. Paarbildende Fische wie Buntbarsche wiederum lassen sich schwieriger halten als Schwarmfische. Generell sollte man bei einer Vergesellschaftung darauf achten, dass die Fische ungefähr gleich groß sind, gleiche Wasserqualitäten und -temperaturen und ähnliches Futter bevorzugen und sich in der Natur nicht jagen.

Das fressen Fische gerne

Am besten füttert man mehrmals am Tag und jeweils nur so viel, wie die Tiere sofort wegfressen. Zu viel Futter verdirbt die Wasserqualität. Bei der Auswahl des Futters orientiert man sich an den Fischarten.

Vögel als Haustiere: Kanarienvogel und Wellensittich

Als Heimtiere werden meist Kanarienvögel oder Wellensittiche gehalten. Letztere stammen ursprünglich aus den Grassteppen und Waldgebieten Australiens, wo sie in großen Schwärmen leben. Die Wildform des Kanarienvogels, der Kanarengirlitz, ist auf den Kanarischen Inseln zu Hause und ebenfalls ein Schwarmvogel. Beide Vogelarten sollten daher mindestens zu zweit gehalten werden. Bei der Auswahl der Tiere beim Züchter oder Händler darauf achten, ob sich schon Paare gefunden haben und dann beide Tiere kaufen.

Wellensittiche benötigen mehrere Futter- und Wasserstellen in ihrem Käfig.
Wellensittiche benötigen mehrere Futter- und Wasserstellen in ihrem Käfig. (Foto: CC0 / Pixabay / Didgeman)

Ein großzügiger Käfig

Die Vögel brauchen genug Platz zum Fliegen. Handelsübliche Käfige sind oft zu klein. Runde Käfige eignen sich nicht, die Vögel können sich nicht orientieren. Ein heller, zugluftfreier Platz in Tischhöhe an der Wand ist ein perfekter Standort. Die Raumtemperatur sollte möglichst konstant 18 bis 20 Grad Celsius betragen, Vögel mögen keine großen Schwankungen. Deshalb den Käfig nicht auf der Fensterbank oder nahe an der Heizung platzieren. Der Käfigboden sollte mit Vogelsand bedeckt sein.

Außerdem brauchen die Vögel mehrere Futter- und Wasserstellen, Badeschalen oder -häuschen, Äste zum Sitzen, ausgewählte Spielzeuge und Stangen zum Hüpfen und Klettern. Gut eignen sich auch Zweige von ungespritzten Bäumen aus der Natur. Bevor man diese in unterschiedlichen Höhen im Käfig anbringt, sollte man sie gut trocknen lassen. Von frischen Zweigen können die Vögel Durchfall bekommen. Mindestens eine Stunde Freiflug pro Tag muss sein. Gern mögen die Vögel auch einen im Zimmer stehenden Kletterbaum, den man aus einigen verzweigten größeren Ästen leicht selbst bauen kann.

Das richtige Vogelfutter

Als Basisfutter reicht eine handelsübliche Körnermischung. Der Futternapf muss immer gefüllt sein, da die Vögel sonst verhungern könnten. Leckereien und fetthaltige Sämereien nicht häufiger als ein- bis zweimal die Woche füttern. Außerdem stehen frisches Grünfutter und Obst auf dem Speiseplan. Reste zügig aus dem Käfig entfernen, damit die Vögel nichts Verdorbenes fressen. Vogelgrit (das sind kleine Kalk- und Muschelstückchen) in einer Extraschale anbieten, das unterstützt die Verdauung. Frisches Wasser brauchen Vögel ständig.

Wer die Vögel im eigenen Garten oder vor dem Balkon im Winter glücklich machen möchte, liest auch: Meisenknödel selber machen – eine einfache Anleitung.

Pflegetipps für Wellensittiche und Kanarienvögel

Der jährliche Wechsel des Gefieders beginnt meist in den Sommermonaten und dauert bis zu acht Wochen. Der Vogel braucht jetzt mehr Ruhe und ein tägliches Bad. Wichtig ist auch, auf eine besonders ausgewogene Ernährung zu achten. Zu lange Krallen müssen gekürzt werden. Wer unsicher ist, lässt es sich vom Tierarzt zeigen. Außerdem sollte man kontrollieren, ob Ringe ins Bein einwachsen oder den Fuß abschnüren.

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