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Karneval & Fasching: Kostüme und Schminke ohne Schadstoffe und Gefahren

Autor: Lino Wirag/Meike Rix | Kategorie: Freizeit und Technik | 24.02.2022

Karneval, Fasching & Halloween: Kostüme und Schminke ohne Schadstoffe und Gefahren
Foto: Shutterstock/Rawpixel.com

Zum dritten Mal fallen Fasching und Karneval in die Corona-Pandemie. Verkleiden, sich schminken und gemeinsam feiern sind natürlich trotzdem erlaubt. Aber Vorsicht: Kostüme und Schminke für die närrischen Tage sind immer wieder mit Schadstoffen belastet oder "brandgefährlich", wie Untersuchungen in den letzten Jahren gezeigt haben.

Kostüme und Verkleidungen für Karneval, Fasching oder Halloween werden oft nur ein paar Stunden im Jahr getragen, dabei aber oft ordentlich durchgeschwitzt und in Mitleidenschaft gezogen. Häufig enden sie schon nach einem einzigen Einsatz im Mülleimer. Entsprechend werden Verkleidungen, gruseliges und närrisches Zubehör häufig möglichst billig und deshalb in schlechter Qualität produziert.

Dabei geht es nicht immer mit rechten Dingen zu: Als das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit NRW vor rund zehn Jahren 250 Karnevalsartikel kritisch in Augenschein nahm, musste anschließend ein Viertel der Produkte vom Markt genommen werden. 

Bei Billig-Kostümen skeptisch bleiben

Dazu kommt: Je billiger Spielzeugpistolen, Plastik-Vampirzähne & Co. sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie beispielsweise aus Fernost stammen, einen weiten Weg hinter sich haben und unter schlechten Arbeitsbedingungen gefertigt wurden. Solche Praktiken sollten Sie mit Ihrem Kauf nicht unterstützen. Am höchsten ist das Risiko für fragwürdige Ware, wenn Produkte aus dem Internet stammen, weil dort viele Artikel praktisch nicht kontrolliert werden.

Generell ist Vorsicht angebracht, wenn auf den bunten Produkten entgegen der Vorschrift keine eindeutige Herstelleradresse angegeben ist. Tragen Halloween- oder Karnevalsspielzeug außerdem kein CE-Kennzeichen, heißt das, dass sie nicht den EU-Anforderungen entsprechen.

Kostüme & Co. häufig mit Schadstoffen belastet

"In Plastik-Schwertern, Kunststoff-Flügeln oder Klebe-Tattoos befinden sich häufig Lösemittel, Weichmacher oder andere Schadstoffe", warnt die Verbraucherzentrale NRW. Solche Weichmacher können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und stehen im Verdacht, hormonell zu wirken.

Käufer sollten erst einmal an Kostümen oder schmückendem Beiwerk schnüffeln, so die Verbraucherzentrale NRW: Wenn es zu stark nach Kunststoff, Benzin oder Chemie riecht, gehört es nicht auf die Haut. Auch vor Gesichtsmasken warnen europäische Behörden regelmäßig. Sie können beispielsweise mit krebserregenden Stoffen oder verbotenen Weichmachern belastet sein – auch hier empfiehlt sich der Geruchstest.

Andere Faschings- oder Gruselmasken wiederum besitzen zu wenig Luftschlitze, sodass Erstickungsgefahr droht. Besonders bei Kindern ist hier Vorsicht geboten.

Mit unseren Sicherheits-Tipps machen Fasching, Karneval und Halloween unbedenklich viel Spaß
Mit unseren Sicherheits-Tipps machen Fasching, Karneval und Halloween unbedenklich viel Spaß (Foto: Shutterstock/FamVeld)

Kostüme sollten "schwer entflammbar" sein

Viele Perücken und falsche Bärte sind außerdem feuerempfindlicher, als sie sein dürften – die Kunsthaare können sich zu leicht entzünden, ohne sofort wieder zu erlöschen.

Auch ganze Kostüme, etwa aus Polyester und Nylon, können Feuer fangen, wenn die Produkte nicht als "schwer entflammbar" gekennzeichnet sind. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt deshalb, beim Tragen von Kostümen aus Kunststoff immer einen sicheren Abstand zu Funken und Flammen einzuhalten.

Wenn Kleidung brennt, ist es lebenswichtig, sich so schnell wie möglich davon befreien zu können – das gilt besonders für Kinderkostüme, die keine unnötigen Verschlüsse aufweisen sollten.

Achtung vor falschen Zähnen

Wer sich vor Gebissen aus Weichkunststoff gruselt, liegt damit nach unseren Erfahrungen richtig. Einige Gruselgebisse sind zum Beispiel aus PVC, aus dem sich Weichmacher lösen können. Gummi- und Kunststoffteile können auch mit krebserregenden Stoffen belastet sein, die aus Weichmacherölen oder Zusätzen in der Gummiproduktion stammen. Das betrifft nicht nur Produkte, die unangenehm riechen.

Gemalte Hasen- und Vampirzähne sind hier die sicherere Variante und auch deutlich bequemer zu "tragen".

Glitter & Glitzer: Problem für die Umwelt

Was in den närrischen (oder furchterregenden) Tagen so schön auf der Haut funkelt, sind oft kleine Plastikteilchen. Nach dem bunten Treiben werden sie abgewaschen und gelangen so als Mikroplastik ins Abwasser oder in die Umwelt, wo sie nicht hingehören.

Alternativen sind rar: Auch Glitter, der als "biologisch abbaubar" beworben wird, ist häufig nur aus Bio-Kunststoff (PLA). Dieser baut sich in der Umwelt kaum ab, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Auch der NABU teilte 2018 mit, dass es leider noch kein vollständig unbedenkliches Produkt gebe.

Deshalb gilt: Waschen Sie Glitter und Schminke nach der Maskerade nicht einfach ab, sondern entfernen Sie die närrische Schicht mit einem Papiertuch, Wattebausch oder (waschbare) Abschminkpads, und entsorgen Sie diese anschließend im Restmüll.

Apropos: ÖKO-TEST hat für das Jahrbuch 2022 rund 30 (teilweise wiederverwendbare) Wattepads ins Labor geschickt und einem Praxistest unterzogen. Fünf waren "sehr gut", ein paar enthielten aber auch Problemstoffe. Alles Wichtige im ePaper – klicken Sie dazu auf den Button:

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Bunte Kontaktlinsen: Kein Spaß für die Augen

Mit bunten Kontaktlinsen lassen sich mal zauberhafte, mal furchteinflößende Effekte erzielen. Doch hier gilt dasselbe wie für normale Kontaktlinsen: Sorgfältige Hygiene ist notwendig, um Augen-Infektionen zu vermeiden.

Hinzukommt: Bunte Kontaktlinsen sollten nur kurzfristig getragen werden. Denn die Farben und Muster machen die Linsen luftdicht, so vor einigen Jahren der Spiegel. Die Folge: Die Hornhaut des Auges quillt bei längerem Tragen auf, die Sehfähigkeit kann beeinträchtig werden, warnt die Verbraucherzentrale NRW.

Haben die bunten Linsen, die an Fasching oder Halloween zum Einsatz kommen, spezielle Sehschlitze (beispielsweise für "Katzenaugen"), wird außerdem das Sichtfeld eingeschränkt, was im Straßenverkehr gefährlich werden kann.

Bunte Kontaktlisten (wie hier) sollten nicht zu lange getragen werden
Bunte Kontaktlisten (wie hier) sollten nicht zu lange getragen werden (Foto: Shutterstock/Victoria Shapiro)

Kinderkostüme sorgfältig prüfen

Sind Kinderkostüme mit Kordeln oder Schnüren bestückt, ist Vorsicht geboten: Die Kleinen könnten sich strangulieren. Sind Schnüre wichtig, um das Kostüm zu verschließen, können sie durch Klettverschlüsse ersetzt werden. Enger anliegende Kostüme sind für Kinder grundsätzlich besser geeignet, weil sie die Verletzungsgefahr verringern.

Häufig tauchen Kinderkostüme auch im sogenannten Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte auf – allerdings in der Regel erst dann, wenn Fasching, Fasnacht oder Karneval schon gelaufen sind.

Als wir rund zuletzt 15 Kinderkarnevalskostüme untersuchten, fand ÖKO-TEST jeweils mindestens einen Kritikpunkt, was enthaltene Problem- und Schadstoffe betraf – fünf Kostüme erhielten immerhin noch das Gesamturteil "gut".

Gefahrlose Schminke? Gibt's!

Leider ist auch Schminke nicht immer schadstofffrei, wie ÖKO-TEST und Behörden in der Vergangenheit nachgewiesen haben. Damit Sie auch hier auf der sicheren Seite sind, lesen Sie bitte: Tipps fürs Kinderschminken – kinderleicht und schadstofffrei

Gefahrloser Karneval: Unsere Tipps

  • Wir empfehlen, fertige Kostüme vor dem ersten Tragen auf jeden Fall zu waschen.
  • Um häufigen Hautkontakt zu vermeiden, können Leggings und T-Shirts unter dem Kostüm getragen werden. Bei Perücken kann eine dünne Mütze vor Irritationen schützen. Außerdem hält die zusätzliche Schicht im Februar angenehm warm.
  • Achten Sie bei Kunststoff-Kostümen auf den Vermerk "schwer entflammbar".
  • Kostüme für Kinder dürfen keine Teile enthalten, die sich verschlucken lassen, an denen Kinder hängenbleiben oder mit denen sie sich strangulieren könnten. Außerdem sollten sie sich im Notfall schnell entfernen lassen.
  • Bei Masken und Zubehör gilt: Ein unangenehmer Geruch ist meistens kein gutes Zeichen.
  • Spielzeugpistolen mit Zündplättchen sollten nicht zu laut sein, um das kindliche Gehör nicht zu schädigen.

    So werden Fasching & Co. nachhaltiger

    So schön das verkleidete Treiben ist, hinterlässt es doch jährlich große Müllberge – natürlich nur, sofern Umzüge, Karnevalssitzungen und Gruselfeiern nicht gerade pandemiebedingt ausfallen müssen. In allen anderen Jahren gilt: Damit auch der Planet etwas zu lachen hat, berücksichtigen Sie gerne folgende Ideen.

    • Wenn Sie Kostüme aus den Vorjahren mit anderen Familien tauschen, ist das nachhaltiger, als jedes Jahr billig produzierte Neuware zu kaufen, die oft nur eine Saison benutzt wird.
    • Luftschlangen gibt es auch aus recyceltem Papier, Luftballons aus Naturkautschuk und Konfetti aus Mais oder Reispapier.
    • Oft lässt sich auch aus normaler Kleidung mit kleinen Änderungen ein schönes, bequemes und sicheres Kostüm basteln.
    • Inspiration gesucht? Von blitzschnell und richtig einfach bis hin zur ganz großen Kunst gibt es zahlreiche Schmink- und Kostümbastelanleitungen und Inspirationen, zum Beispiel im Internet oder in der Do-it-yourself-Ecke Ihrer Bibliothek.

    Weiterlesen auf oekotest.de: