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Handy kaufen: So finden Sie ein strahlungsarmes und nachhaltiges Smartphone

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 20.12.2019

CC0 Public Domain / Pexels - fauxels

Wenn Sie ein neues Smartphone erwerben oder verschenken möchten, entscheiden Sie sich am besten für ein Gerät mit einem möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck. Achten Sie außerdem auf den Strahlenwert des Geräts. Diese Tipps und Hinweise helfen.

Smartphones sind nicht nur unsere ständigen Begleiter, sondern auch beliebte Weihnachtsgeschenke. Wer sich beim Handykauf nicht nur für die neueste Technik interessiert, sondern auch dafür, welche ökologischen und gesundheitlichen Folgen mit dem eigenen Smartphone einhergehen, dem empfehlen wir die folgenden Tipps.

Tipp 1: Wiederaufbereitetes Smartphone erwerben

Verantwortungsvolle Verbraucher kaufen oder verschenken gebrauchte und professionell wiederaufbereitete Geräte. Der geläufige Ausdruck für solche Elektronik lautet "refurbished" (englisch für: generalüberholt).

Viele Smartphones aus der letzten oder vorletzten "Saison" lassen sich auch in sehr gutem Zustand gebraucht erwerben. Viele Händler bieten auch auf wiederaufbereitete Geräte eine Garantie an. Oft sind entsprechende Geräte nicht nur technisch auf dem neuesten Stand, sondern schon ein halbes Jahr nach der Markteinführung deutlich günstiger zu bekommen. Wer geduldiger ist, spart entsprechend mehr.

Als Beispiel: Das iPhone 8, das zum Verkaufsstart vor zwei Jahren für rund 800 Euro angeboten wurde, ist mittlerweile gebraucht oft für die Hälfte des Preises zu haben – nach Weihnachten vermutlich sogar nochmals günstiger.

Wer gebraucht kauft, spart nicht nur Geld und erhält dafür eine fast identische Leistung, sondern verringert auch den ökologischen Fußabdruck des "neuen" Mobiltelefons. So müssen keine weiteren Erze und seltenen Erden für das Gerät aus dem Boden gegraben werden und auch keine Energie in dessen Herstellung investiert werden. Das macht sich bemerkbar: Nach Schätzung des Umweltbundesamtes lagern in den Schubladen deutscher Konsumenten bereits über 21 Tonnen Silber, zwei Tonnen Gold und 765 Tonnen Kupfer in Form alter Geräte – ein Bestand, der nicht unnötig vergrößert werden muss. Da die Schätzungen bereits aus dem Jahr 2015 stammen, dürften die Zahlen inzwischen deutlich höher ausfallen.

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Tipp 2: Faires, reparierbares Smartphone erwerben

Wer nicht gerne gebrauchte Geräte erwirbt oder ein Neugerät als Geschenk benötigt, sollte sich alternativ nach einem Hersteller umsehen, dessen Geräte einen geringeren ökologischen Fußabdruck und mehr Langlebigkeit versprechen. Auf dem europäischen Markt sind hier zwei Anbieter zu empfehlen: Fairphone aus den Niederlanden und Shiftphones aus Hessen. Beide produzieren ihre Geräte unter deutlich besseren Bedingungen als im internationalen Wettbewerb üblich und dokumentieren ihre Bemühungen ausführlicher.

Außerdem sind die Smartphones beider Hersteller darauf ausgelegt, vom Benutzer selbst repariert zu werden, was bei gewöhnlichen Handys nicht der Fall ist. Konventionelle Elektronikkonzerne konzipieren ihre Geräte bewusst als "Wegwerfprodukte", die durch ein Neugerät ersetzt werden sollen, sobald sich technische Probleme ergeben. Die Smartphones von Fairphone und Shiftphones hingegen werden mit einem beigelegten Schraubenzieher geliefert, mit dessen Hilfe die modular aufgebauten Handys vom Benutzer selbst zerlegt werden können.

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Tipp 3: Strahlungsarmes Handy erwerben

Ein weiterer Punkt, der viele umwelt- und gesundheitsbewusste Handynutzer beschäftigt, ist eine mögliche Strahlenbelastung, die vom eigenen Gerät ausgeht. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nimmt zwar grundsätzlich keine Gesundheitsgefährdung durch Handystrahlung an, rät aber dennoch zur Vorsorge. Die Exposition durch elektromagnetische Felder, heißt es, sollte so gering wie möglich sein, um mögliche Risiken zu minimieren. So gäbe es zum Beispiel immer noch "wissenschaftliche Unsicherheiten hinsichtlich möglicher Langzeitwirkungen intensiver Handynutzung", so das BfS.

Während wir die Bestrahlung durch die Sendemasten über unseren Köpfen nicht direkt beeinflussen können, haben wir sehr wohl in der Hand, wie viele Immissionen wir durch unser Smartphone aufnehmen. Das Bundesamt empfiehlt daher, bei der Auswahl des eigenen Handys auf den sogenannten SAR-Wert zu achten: "Ob ein Smartphone oder ein Tablet strahlungsarm ist oder nicht, lässt sich leicht an der sogenannten spezifischen Absorptionsrate, oder kurz SAR, erkennen", erklärt Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz.

Der Wert bezeichnet die Menge an Energie, die vom Körper durch die Strahlung des Geräts aufgenommen wird, gemessen in Watt pro Kilogramm. Je niedriger der SAR-Wert, desto strahlungsärmer das Gerät. Das BfS ermittelt seit 2002 regelmäßig den SAR-Wert aktueller Handys und Smartphones, und zwar zwei Werte pro Gerät: einen für das Telefonieren mit dem Handy am Ohr und einen für das Tragen des Geräts am Körper. Die Strahlenbelastung am Körper, die aus sehr kurzer Entfernung gemessen wird, ist immer höher als am Kopf.

In der dazugehörigen SAR-Liste des BfS kann jeder die Daten seines (Wunsch-)Geräts abfragen und sich über dessen Strahlungseigenschaften informieren. Die Liste umfasst aktuell über 3.500 Modelle von rund 80 Herstellern. Davon sind rund 800 als aktuelle Modelle gekennzeichnet, der Rest als solche, die noch gebraucht erhältlich sind (siehe Tipp 1).

3 von 8 aktuellen Smartphones sind strahlungsarm

Als strahlungsarm gelten Mobilgeräte mit einem SAR-Wert bis höchstens 0,5 Watt pro Kilogramm beim Telefonieren am Ohr: Dazu gehören rund 300 der 800 aktuellen Modelle der Liste, alle anderen Telefone liegen darüber. Einige Beispiele: Aktuelle Modelle der vielverkauften A-Reihe von Samsung Galaxy erreichen SAR-Werte zwischen 0,22 und 1,05. Das jüngste iPhone 11 von Apple liegt mit 0,95 Watt/kg im Mittelfeld, was die Strahlung am Kopf betrifft. Das aktuelle Fairphone strahlt mit 0,39 Watt/kg. Der zulässige SAR-Grenzwert liegt bei 2 Watt pro Kilogramm, er wird von keinem Gerät überschritten.

Wichtig zu wissen: Der SAR-Wert ist keine fixe Größe, sondern variiert mit der Sendeleistung des Geräts. Das heißt, dass Smartphones stärker strahlen (müssen), wenn beispielsweise die Netzabdeckung schlecht ist oder Sie sich in einem geschlossenen Raum oder Zug aufhalten. Wenn Sie sich wegen der möglichen Folgen elektromagnetischer Felder Sorgen machen, telefonieren Sie besser nur, wenn Sie guten Empfang haben.

Und: Die Intensität elektromagnetischer Felder sinkt mit der Entfernung schnell. Das heißt, dass Sie die Absorption der Handystrahlen stark verringern können, wenn sich Ihr Handy nicht direkt am Körper oder – beim Telefonieren – am Ohr befindet. Nutzen Sie während des Gesprächs ein Headset oder die Freisprechfunktion, über die inzwischen jedes Gerät verfügt, um die Belastung deutlich zu senken.

Telefonieren im Verkehr: nicht nur verboten, sondern auch mit höherer Strahlenbelastung verbunden
Telefonieren im Verkehr: nicht nur verboten, sondern auch mit höherer Strahlenbelastung verbunden (Foto: CC0 / Unsplash.com / Alexandre Boucher)

So wirkt Handystrahlung auf den Körper

Handy-Signale werden über hochfrequente elektromagnetische Felder übertragen – Mikrowellen basieren übrigens auf der gleichen Technik. Zwar wird das Essen in der Mikrowelle mit einer weitaus höheren Intensität bestrahlt, aber auch Smartphones erwärmen unser Körpergewebe, wenn wir sie in der Hosentasche tragen oder zum Telefonieren ans Ohr führen.

Unser Organismus nimmt die elektromagnetische Strahlung auf, die das Gerät abgibt, und wandelt sie in Wärme um. Da unsere Handys nur mit einer sehr niedrigen Wattzahl strahlen, merken wir davon nichts. Nicht zu verwechseln ist Handystrahlung mit der häufigen Erfahrung, dass sich ein Handy beim Telefonieren, Benutzen oder Aufladen unter Umständen warm anfühlt. Diese Phänomen hängt nicht mit der elektromagnetischen Strahlung zusammen, sondern damit, dass der Akku des Geräts auf voller Leistung läuft oder während des Aufladens Energie verloren gegangen ist.

Die Folgen der Gewebe-Erwärmung, die aufgrund der Handystrahlung entsteht, sind umstritten, genauso wie andere Effekte, die mit elektromagnetischer Strahlung in Zusammenhang gebracht werden. Gerade im Hinblick auf den 5G-Ausbau sind zurzeit viele Befürchtungen – und leider auch falsche Behauptungen – im Umlauf. Da noch keine zuverlässigen Langzeitstudien vorliegen, ist es zum jetzigen Zeitpunkt weder möglich, Mobilfunkstrahlung in den bislang verwendeten Frequenzen völlige Unbedenklichkeit zu bescheinigen noch sie als gesundheitliches Risiko einzustufen.

Lesen Sie dazu unseren ausführlichen Bericht zur 5G-Debatte:

Jetzt lesen: 5G – ein Gesundheitsrisiko?

Externe Links (Bundesamt für Strahlenschutz):

Weiterlesen auf oekotest.de:

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