1. Home
  2. News

Earth Overshoot Day am 22. August: So viel Erde verbraucht die Menschheit

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 21.08.2020

Der Earth Overshoot Day ist aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr drei Wochen später als 2019.
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / GDJ

Die Coronakrise verschiebt den "Earth Overshoot Day" (Erderschöpfungstag) um drei Wochen nach hinten – auf den 22. August 2020. Ab diesem Zeitpunkt verbrauchen wir mehr natürliche Ressourcen als nachwachsen können. Das heißt, den Rest des Jahres leben wir sozusagen auf Kredit der Erde. Warum die Verschiebung dennoch kein Grund zur Freude ist.

  • Der "Earth Overshoot Day" ist in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne gerückt.
  • Dieses Jahr ist das Ressourcenbudget der Erde gut drei Wochen später aufgebraucht als 2019.
  • Jeder kann aktiv werden, um den ökologischen Fußabdruck von uns Menschen zu verkleinern.

Das Global Footprint Network berechnet jedes Jahr aufs Neue den Zeitpunkt des "Earth Overshoot Days". Dieser sogenannte Welterschöpfungstag ist ein Sinnbild für den Lebensstil, mit dem die Menschen die Erde ausbeuten. 

Der "Earth Overshoot Day" markiert seit 1987 jedes Jahr den Tag, an dem die Menschheit alle biologischen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde während des gesamten Jahres erneuern kann.

Steigender Ressourcenverbrauch 

Jahr für Jahr verbraucht die Menschheit mehr Ressourcen – entsprechend ist der Erderschöpfungstag in den vergangenen Jahren im Kalender immer weiter nach vorne gerückt.


Der Earth Overshoot Day (Erderschöpfungstag) ist in den letzten Jahren immer weiter nach vorne gerückt.
Der Earth Overshoot Day (Erderschöpfungstag) ist in den letzten Jahren immer weiter nach vorne gerückt. (Foto: Global Footprint Network / www.footprintnetwork.org)

Im vergangenen Jahr fiel der "Earth Overshoot Day" auf den 29. Juli 2019. Dieses Jahr ist der 22. August der Tag, an dem die Menschheit der Erde mehr Holz, Pflanzen, Futtermittel, Fisch, Fleisch und Nahrungsmittel entnommen hat, als in einem Jahr nachwachsen. Bei unserem derzeitigen Ressourcenverbrauch bräuchten wir eigentlich 1,6 Erden – statt der einen, die wir haben.

Welterschöpfungstag durch Corona drei Wochen später

Die Coronakrise hat die Welt in den vergangenen Monaten in großen Teilen zum Stillstand gebracht. Die Lockdowns und Quarantäneregelungen haben den Holzverbrauch und die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe reduziert – und den ökologischen Fußabdruck der Menschheit um 14,5 Prozent verkleinert.

Das ist zwar erstmal eine gute Nachricht. Nichtsdestotrotz verbraucht die Menschheit weltweit immer noch 60 Prozent mehr Ressourcen, als unsere Erde zur Verfügung stellen kann. Von einer nachhaltigen Wirtschaft sind wir auch im Jahr 2020 weit entfernt. So ist die Verschiebung des Welterschöpfungstags nach hinten keine Folge eines nachhaltigeren Umgangs mit den Ressourcen, sondern lediglich die Folge des weltweiten Lockdowns in der ersten Jahreshälfte. 

"Wir wollen die Erde aber nicht aus einer Krise heraus retten", so Christine Wenzl vom BUND gegenüber der TAZ. Es brauche nun gewollte und kontrollierte Veränderungen, die zu einem verträglicheren Ressourcenverbrauch führen. "Es ist an der Zeit, unser Wirtschaftssystem, das auf Wachstum ausgerichtet ist, zu hinterfragen", sagt Wenzl.

Die Menschheit muss den Ressourcenverbrauch stärker einschränken, um für eine langfristige und wirkungsvolle Trendwende zu sorgen.

Das können wir tun, um den "Earth Overshoot Day" weiter nach hinten zu verschieben

Jeder einzelne ist gefragt, persönlich etwas dazu beizutragen, damit sich der Tag der Erderschöpfung nicht immer weiter nach vorne verlagert. Konkret bedeutet das:

Gut zu wissen: Allein die CO2-Emissionen machen 60 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Menschen weltweit aus. Wenn wir hier sparsam leben, profitiert die Umwelt in jedem Fall.

Die ärmeren Länder leiden unter der Ressourcenverschwendung der Industrienationen.
Die ärmeren Länder leiden unter der Ressourcenverschwendung der Industrienationen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / klimkin)

So leben die einzelnen Länder auf Kosten der Natur und späterer Generationen

Die Zahlen von 2019 zeigen, welche Länder die meisten Ressourcen benötigen – und wie viele Erden sie rein rechnerisch bräuchten, wenn alle Menschen der Erde so leben würden wie die Bewohner des jeweiligen Landes:

  • USA: 5,0
  • Australien: 4,1
  • Russland: 3,2
  • Deutschland: 3,0
  • Schweiz: 2,8
  • Japan: 2,8
  • UK: 2,7
  • Frankreich: 2,7
  • Italien: 2,7
  • Portugal: 2,5
  • Spanien: 2,5
  • China: 2,2
  • Brasilien: 1,7
  • Indien: 0,7 

Im weltweiten Durchschnitt lag der Wert 2019 bei 1,75. Ohne die Coronakrise wäre der diesjährige Wert wahrscheinlich noch höher. Das heißt: Wir bräuchten fast zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung und Rohstoffen zu decken. Deutschland allein hätte im vergangenen Jahr sogar drei Planeten benötigt.

>> Auch interessant: Diese Auswirkungen hat die Klimakrise auf die Gesundheit Ihrer Kinder

So wird der Earth Overshoot Day berechnet

Für die Berechnung des Earth Overshoot Days ist das Global Footprint Network verantwortlich. Die internationale Nachhaltigkeitsorganisation, die auch die Messung des "ökologischen Fußabdrucks" entwickelt hat, berechnet Jahr für Jahr die Biokapazität der Erde und stellt dieser Zahl den Ressourcenbedarf der Menschheit gegenüber. Die Lücke, die bei den Berechnungen entsteht, ist der "Overshoot", die Überlastung unserer Erde.

Weiterlesen auf oekotest.de: