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Corona-Warn-App mit neuen Funktionen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 20.10.2020

So funktioniert die Corona-Warn-App
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / geralt

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen wird die Corona-Warn-App immer wichtiger. Jetzt kann die App länderübergreifend Daten austauschen und auch bei Reisen nach Italien und Irland warnen. ÖKO-TEST erklärt, wie die App funktioniert und wie sicher sie ist.

  • Wenn die Infektionszahlen weiter steigen und die Gesundheitsämter die Kontakte nicht mehr nachverfolgen können, könnte die Corona-App in den nächsten Wochen noch wichtiger werden.
  • Die deutsche Corona-App soll bis zum Jahresende mit zahlreichen EU-Staaten vernetzt sein und dann auch im Ausland warnen. Das Update auf die Version 1.5 ermöglicht jetzt schon einen Daten-Austausch zwischen Deutschland, Irland und Italien.
  • Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wurde laut Robert Koch-Institut (RKI) bereits knapp 20 Millionen mal runtergeladen.

Die offizielle Corona-Warn-App der Bundesregierung gibt es nun seit gut vier Monaten. Mittlerweile haben knapp 20 Millionen Menschen die App heruntergeladen. Wer sie noch nicht hat, kann sie im Google Play Store und im App Store von Apple kostenlos downloaden. 

Aktuelle Fakten zur Corona-Warn-App (Quelle: RKI (Stand 12.10.2020) / connect.de):

  • Seit Juni haben gut 10.000 Personen ihr positives Ergebnis über die App geteilt.
  • Momentan teilen täglich mehr als 500 positiv getestete Menschen ihr Testergebnis über die Corona-Warn-App.
  • 62 Prozent der positiv Getesteten tragen ihren Befund bei der App ein.
  • Von allen Infizierten meldeten damit knapp 15 Prozent ihr positives Testergebnis.
  • Neueste Version: 1.5 (seit 19.10.2020 verfügbar)
Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist erhältlich.
Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist erhältlich. (Foto: App Store)

Corona-Warn-App wird international

Bislang funktionierten die Warn-Apps der einzelnen EU-Länder nur innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen. Das ändert sich jetzt. Über eine Schnittstelle sollen die Corona-Apps von elf EU-Ländern Daten austauschen und dann auch bei einer Reise ins Ausland vor einer möglichen Infektion warnen. 

Den Anfang machen Deutschland, Italien und Irland. Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, Lettland, die Niederlande, Polen und Spanien sollen folgen. Die französische Corona-Warn-App arbeitet mit einer anderen Technologie, mit dem aktuell besonders stark von Corona betroffenen Land ist ein Datenaustausch deshalb vorerst nicht möglich.

Wer künftig ins Ausland reist und die App auch dort nutzen möchte, sollte die Corona-App aktualisieren und dem EU-Datenaustausch explizit zustimmen.

Ein weiteres neues Feature: Positiv Getestete können (freiwillig) ihre Krankheitssymptome in eine Art Tagebuch eintragen. Damit soll die Warnung von Kontakten noch präziser möglich sein.

So können Sie die Kontaktüberprüfung überprüfen

Aufgrund eines Fehlers bei der Hintergrundaktualisierung hat die Corona-Warn-App auf vielen Smartphones fehlerhaft funktioniert, jetzt gibt es ein Update der App. Gut zu wissen: Es gab hier keine Sicherheitsprobleme, sondern lediglich Probleme bei der Hintergrundaktualisierung. Im Stromsparmodus war die Hintergrundaktualisierung nicht oder nur eingeschränkt möglich. 

Wichtig ist, dass Sie die Hintergrundaktualisierung explizit für die Corona-Warn-App zulassen. In den Einstellungen Ihres Smartphones sehen Sie, ob die Kontaktüberprüfung problemlos funktioniert oder ob sie Lücken aufweist. 

iPhone:
Einstellungen -> Datenschutz -> Health -> COVID-19-Kontaktprotokoll -> Kontaktüberprüfungen


Android-Geräte:
Einstellungen -> Google -> COVID-19-Benachrichtigungen an

Überprüfen Sie zudem, ob Sie die neueste Version der App (mindestens Version 1.1.1) runtergeladen haben. Mit dem aktuellen Update der App können Sie per Schieberegler die Erlaubnis für "priorisierte Hintergrundaktivität" erteilen.

iPhone-Nutzer sollten für die vollständige Aktivierung des Updates die App einmal aufrufen.

Was bringt die Corona-Warn-App?

Mit Hilfe der App sollen Kontakte zu Corona-Infizierten nachverfolgt und Kontaktketten möglichst rasch unterbrochen werden. Bislang muss das Gesundheitsamt Infektionsketten mühsam per Telefon erfragen und rekonstruieren. Das ist zeitaufwändig – und nicht immer können sich Infizierte erinnern, zu welchen Personen sie in den letzten 14 Tagen näheren Kontakt hatten. Erschwerend kommt hinzu: Wer gemeinsam im Wartezimmer oder in der S-Bahn saß, kennt sein Gegenüber oft gar nicht.

Hier soll die neue App ansetzen. Ihr großer Vorteil: Schnelligkeit. Da Corona-Infektionen schon ansteckend sind, bevor sich erste Symptome zeigen, und manche Krankheitsverlaufe völlig symptomfrei verlaufen, ist es wichtig, über das Risiko einer eventuellen Infektion möglichst frühzeitig informiert zu werden. Wer als Nutzer der Tracing-App einem Covid-19-Patienten begegnet ist, soll künftig eine Warnung über sein Handy erhalten. Dann kann er schnell reagieren und andere vor einer Infektion schützen.

Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten zu unterbrechen.
Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / geralt)

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Bei der App handelt es sich um eine Tracing-App – und nicht um eine Tracking-App. Das bedeutet: Nicht der Standort der Nutzer wird verfolgt bzw. gespeichert, sondern nur die Begegnungen, die mit anderen App-Nutzern stattfinden.

Mithilfe der Bluetooth-Technologie misst die App den Abstand zwischen zwei Smartphones. Sinkt dieser für eine bestimmte Zeit unter den definierten kritischen Wert, tauschen die beiden Geräte einen verschlüsselten Code aus.

Hat sich ein Nutzer der App mit dem Coronavirus infiziert, kann er über die App alle informieren, die in seiner Nähe waren und sich angesteckt haben könnten. Diese Warnung erfolgt absolut anonym – und lässt keinerlei Rückschlüsse auf den Corona-Infizierten, den Ort oder den Zeitpunkt einer möglichen Infektion zu.

Um Fehlalarme zu vermeiden, können sich nur Menschen als infiziert melden, die vom Testlabor eine positive Corona-Diagnose und einen Code für die App bekommen haben.

Gut zu wissen: Die mobilen Daten, die bei der Verwendung der Corona-App übertragen werden, kosten Sie nichts und werden nicht auf Ihr Datenvolumen angerechnet.

Wie sicher ist die Corona-Tracing-App?

Nach der Meinung von IT-Experten, Datenschutzbeauftragten und dem Chaos Computer Clubs (CCC) ist die Datensicherheit der neuen App gewährleistet. Die Begründung: Die Daten werden dezentral auf den einzelnen Smartphones der Nutzer und nicht auf einem zentralen Server gespeichert. "Das ist aus Verbrauchersicht sehr zu begrüßen", lautet das Urteil der Verbraucherzentrale.

Auch Bundesjustizministerin Christina Lamprecht (SPD) sieht keine datenschutzrechtlichen Probleme: "Es gelten die allgemeinen Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung ohne Wenn und Aber auch für die Corona-Warn-App. Deshalb sind alle datenschutzrechtlichen Fragen abgedeckt, und es gibt keine Veranlassung für ein spezielles App-Gesetz", sagte die SPD-Politikerin gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Der Quellcode der App ist öffentlich einsehbar, so hat rein theoretisch jeder die Möglichkeit, die App genau zu überprüfen. Bislang wurden keine Sicherheitslücken gefunden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat den TÜV-IT beauftragt, die App auf IT-Sicherheit und die Einhaltung des Datenschutzes zu prüfen. Auch dieser Bericht ist öffentlich einsehbar. 

Die App soll helfen, Infektionsketten schnell nachzuverfolgen und zu durchbrechen.
Die App soll helfen, Infektionsketten schnell nachzuverfolgen und zu durchbrechen. (Foto: Google Play Store)

So geht's: Tracing-App herunterladen und installieren

Die Corona-Tracing-App ist in Apples App-Store und Googles Playstore kostenlos erhältlich.

Wichtig für die Installation der Corona-Warn-App:

  • Apple-Nutzer müssen für die Installation auf die iOS-Version 13.5 updaten, Besitzer von Android-Geräten mindestens auf Version 6.0 (Marsmallow). Ältere Modelle, wie zum Beispiel das iPhone 5 oder 6, sind nicht mehr kompatibel.
  • Auch für Besitzer von Huawei-Smartphones ohne Google-Dienste ist die App verfügbar.
  • Die App benötigt ungefähr 10 MB Speicherplatz.

Wichtig für die Nutzung der Corona-Warn-App:

  • Ihr Gerät muss über Bluetooth-Funktion verfügen. Diese muss immer eingeschaltet sein, sonst funktioniert die App nicht.
  • Nach der Aktivierung der Bluetooth-Funktion muss die "Risiko-Ermittlung" aktiviert werden.
  • Auf Android-Smartphones muss zusätzlich der Zugriff auf die Standortdaten aktiviert werden. Das ist bei iOS nicht der Fall.

Was müssen Sie tun, wenn die Corona-Warn-App warnt?

Sollten Sie die Nachricht erhalten, dass Sie Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten, heißt das nicht automatisch, dass Sie sich infiziert haben. Es besteht jedoch das Risiko einer Infektion.

"Aus der Warnung über das Infektionsrisiko folgt aber keine Pflicht, zum Beispiel zuhause zu bleiben. Betroffene sind auch nicht verpflichtet, die Warnung zu melden, etwa den Gesundheitsbehörden", erklärt die Verbraucherzentrale. Sie rät jedoch: "Haben Sie eine Warnmitteilung erhalten, sollten Sie sich dennoch besonders umsichtig verhalten und sich, soweit wie möglich, in häusliche Quarantäne begeben. Dies ist jedoch lediglich eine Empfehlung-"

Wichtig zu wissen: Die App kann Ihren Aufenthaltsort nicht überprüfen – und damit auch nicht die Einhaltung von Quarantäne-Maßnahmen oder Kontaktverboten kontrollieren.

Je mehr Nutzer, desto besser

Je mehr Menschen die App nutzen, umso besser! Wissenschaftler von der Universität Oxford gehen davon aus, dass 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzen müssen, damit die Corona-Epidemie gestoppt werden kann. Aber auch bei einer geringeren Nutzungsrate gehen die Experten von positiven Auswirkungen aus. "Unsere Simulationen zeigen jedoch, dass die App anfängt zu wirken, sobald 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen", erklärt Lucie Abeler-Dörner, eine der beteiligten Forscherinnen im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Die App kann schützen – aber nicht allein

Klar ist jedoch: Die App kann zwar bei einem Kontakt mit einem Infizierten warnen – vor einer Ansteckung schützen kann sie nicht. Schutzmasken und die geltenden Hygieneregeln sind mit Corona-Warn-App genauso wichtig wie ohne.

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