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Betrug bei der Ticketbörse Viagogo?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 16.03.2019

Betrug bei der Ticketbörse Viagogo?
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Free-Photos)

Wer sich im Netz auf die Suche nach Tickets für Konzerte oder Sportveranstaltungen macht, landet häufig bei Viagogo. Die Verbraucherzentrale Bayern warnt nun vor den dreisten Tricks der Ticketbörse.

Auf den ersten Blick wirkt das Portal für Veranstaltungstickets ganz seriös. Im Angebot sind Tickets für Fußballspiele, Herbert Grönemeyer und die Computerspielmesse Gamescom. Viagogo ist aber keine offizielle Vorverkaufsstelle für Veranstaltungstickets, sondern ein Marktplatz für den Ticketverkauf zwischen privaten Käufern und Verkäufern.

Die Verbraucherzentrale Bayern warnt nun vor den Geschäftspraktiken der Ticketbörse: "Das Portal gaukelt mit verschiedenen animierten Grafiken eine große Knappheit an Tickets vor." Viagogo erwecke damit den Eindruck, zahlreiche weitere Interessenten bemühten sich um die Eintrittskarten. Gleichzeitig sind auf dem Erstmarkt oft noch Tickets erhältlich.

"Trotz der künstlich erzeugten Hektik auf der Viagogo-Seite sollten Verbraucher sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und auch auf anderen Seiten suchen", rät Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern: "Der Viagogo-Preis ist oft um ein Vielfaches höher als der Originalpreis. Daran kann der Verbraucher erkennen, dass er sich nicht bei dem offiziellen Vorverkauf befindet", so die Juristin weiter. 

Viagogo: Dreistes Geschäft mit überteuerten Tickets

Das international agierende Unternehmen scheint mit weiteren Tricks zu arbeiten: Das zeigen zahlreiche Kundenbeschwerden sowie diverse Klagen, die gegen Viagogo anhängig sind. Auch auf der Facebook-Seite von Viagogo prangern enttäuschte Kunden Wucherpreise und horrende Servicegebühren an.

Immer mehr Künstler versuchen, dem Schwarzmarkthandel einen Riegel vorzuschieben, indem sie ihre Tickets personalisieren. Mit ärgerlichen Folgen für Fans, die ihre Tickets über fragwürdige Portale erstehen: So wurde Hunderten von Ed-Sheeran-Fans vergangenen Sommer der Zutritt ins Stadion verwehrt, weil ihre Viagogo-Tickets bei der Einlasskontrolle nicht anerkannt wurden.

Die Rockband Rammstein hat Ende 2018 eine einstweilige Verfügung gegen Viagogo erwirkt. Auf Viagogo dürfen seither keine Tickets mehr für Konzerte der Band verkauft werden. Ohne Erfolg: Noch immer sind Rammstein-Tickets auf dem Portal zu erwerben – für bis zu 700 Euro (Stand 13.2.2019). Auch der Bundesliga-Verein Bayer 04 Leverkusen lässt Fans mit Viagogo-Tickets nicht ins Stadion.

Frontal 21 deckt fragwürdige Methoden von Viagogo auf

Mit welchen weiteren Maschen Viagogo arbeitet, legt eine aktuelle ZDF-Reportage offen. Die Reporter haben unter anderem herausgefunden, dass sogenannte Ticketbroker dem Erstmarkt Eintrittskarten in großem Stil entziehen. Fans bleibt so kaum eine Chance, Tickets zum Originalpreis zu erwerben. Damit wird der Schwarzmarkt befeuert, und die Tickets lassen sich später deutlich teurer auf Viagogo verkaufen. 

Der Beitrag ist in der ZDF-Mediathek auf zdf.de zu sehen.

Ende März beginnt ein Prozess gegen Viagogo vor dem Landgericht in München. Ziel ist es, die Ticketplattform zu mehr Transparenz zu zwingen. Auch die britische Wettbewerbsbehörde bereitet ein Gerichtsverfahren gegen Viagogo vor.

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