1. Home
  2. News

Wahl zum "Goldenen Windbeutel" – jetzt reagieren die Hersteller

Verbraucher können über Werbelügen abstimmen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 07.11.2019

Wahl zum "Goldenen Windbeutel" – jetzt reagieren die Hersteller
(Foto: Foodwatch)

Fünf Produkte – von Hipp, Rewe, Schwartau, Yakult und Zwergenwiese – sind für den Schmähpreis "Goldener Windbeutel" nominiert. Wer wirbt besonders dreist? Jetzt dürfen die Verbraucher abstimmen.

Erst vergangene Woche hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ein Werbeverbot für Süßigkeiten wie Milchschnitte und Kinderschokolade gefordert. Jetzt kritisiert auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch die Täuschungstricks der Lebensmittelindustrie: "Egal ob im Bio-Supermarkt oder im Discounter: Überall werden Verbraucherinnen und Verbraucher mit fiesen Werbelügen in die Irre geführt", erklärte Manuel Wiemann von Foodwatch. "Fitness-Schwindel, Pseudo-Wissenschaft, versteckte Preiserhöhungen – bei all diesen Täuschungstricks den Durchblick zu behalten, ist für Verbraucherinnen und Verbraucher nahezu unmöglich. Das muss sich dringend ändern. Die Kennzeichnungsregeln gehören endlich auf den Prüfstand!"

Aktuell sucht Foodwatch wieder die dreisteste Werbelüge des Jahres und vergibt dafür den Negativpreis "Goldener Windbeutel".

[Update, 7. November] Schwartau und Zwergenwiese haben bereits angekündigt, ihre Produkte zu verändern bzw. vom Markt zu nehmen. Näheres lesen Sie unten bei den entsprechenden Produkten.

Die Kandidaten stehen für Täuschungstricks der Lebensmittelindustrie 

Nominiert für den Schmähpreis sind: der Bio-Karottensaft von Hipp, die "Wasabi Erdnüsse" von Rewe, der "Corny Protein Lower Carb"-Schokoriegel von Schwartau, das Getränk "Yakult" und die "Kinder Tomatensauce" des Bio-Herstellers Zwergenwiese.

Sie können jetzt abstimmen! 

Verbraucher können unter goldener-windbeutel.de bis zum 1. Dezember abstimmen, wer ihrer Meinung nach den Negativpreis für die dreisteste Werbelüge verdient hat. 

Kandidat Nr. 1: "100% Bio Direktsaft Karotte" von Hipp

Neue Verpackung, doppelter Preis: Hipp hat die Flasche seines Karottensafts für Babys von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dabei um 95 Prozent erhöht – auf 4,50 Euro je Liter.

(Foto: Foodwatch)

Kandidat Nr. 2: "Wasabi Erdnüsse" von Rewe Beste Wahl 

Rewe bewirbt seine Erdnüsse auf der Schauseite groß mit Wasabi. Das Produkt enthält aber gerade einmal 0,003 Prozent des edlen japanischen Gewürzes. Um eine Wasabi-ähnliche Schärfe und Farbe zu erreichen, hilft Rewe offenbar mit Aroma und Farbstoff nach.

(Foto: Foodwatch)

Kandidat Nr. 3: "Corny Protein Lower Carb" von Schwartau 

Mit Angaben wie "Protein" und "Lower Carb" sowie dem an Light-Produkten angelehnten Design erweckt Schwartau den Eindruck, der Riegel sei ein gesundes Produkt für Sportler. Doch Corny enthält 24 Prozent Zucker und 13 Prozent Fett. Und besteht zu 40 Prozent aus Kohlenhydraten – trotz "Lower Carb".

[Update, 7. November] Schwartau hat heute angekündigt, den Riegel in dieser Form vom Markt zu nehmen. Wie die Firma, die von Foodwatch als "Wiederholungstäter" bezeichnet wird, mitteilte, wolle sie „das Produktkonzept“ ihres Proteinriegels „komplett überarbeiten“. Die Entscheidung sei schon vor mehreren Monaten gefallen, so Schwartau in einem Schreiben an Foodwatch.

(Foto: Foodwatch)

Kandidat Nr. 4: "Yakult Original" von Yakult 

Yakult bewirbt sein Getränk als "die kleine Flasche Wissenschaft" und suggeriert, der Drink hätte positive Effekte auf die Darmgesundheit. Doch aus Sicht von Foodwatch ist Yakult vor allem eines: dreiste Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Darmgesundheit seien wissenschaftlich nicht belegt, so die Verbraucherorganisation. Außerdem stecken in einer Mini-Flasche fast neun Gramm Zucker.

(Foto: Foodwatch)

Kandidat Nr. 5: "Kinder Tomatensauce" von Zwergenwiese 

In vielen Fällen bieten Naturkost-Hersteller bessere und gesündere Alternativen zu konventionellen Produkten. Bei der "Kinder Tomatensauce" hat der Bio-Hersteller Zwergenwiese allerdings danebengegriffen: Die Tomatensauce erweckt bei Eltern den Eindruck, ihre Rezeptur sei kindgerecht. Dabei enthält die Sauce fast 20 Gramm Zucker pro Portion – mehr als doppelt so viel wie die normale Zwergenwiese-Tomatensauce für Erwachsene. 

[Update, 7. November] Zwergenwiese rechtfertigte sich nach der Nominierung auf seiner Facebook-Seite mit einem Posting und schrieb dort (in einer Antwort auf einen Nutzerkommentar): "Je jünger das Kind, desto süßer 'sollte' das Produkt sein. Kinder bis 8 Jahren brauchen mehr Süße, um die Sauce als 'lecker' zu empfinden." Die Aussage wurde von Foodwatch umgehend scharf kritisiert. Zwergenwiese kündigte aber auch an, den Apfeldicksaft, der das Produkt so süß macht, von acht auf maximal fünf Prozent zu reduzieren.

(Foto: Foodwatch)

So wurden die Top-Kandidaten bestimmt

Verbraucherinnen und Verbraucher hatten auf schummelmelder.de, der Foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, in den letzten zwölf Monaten mehr als 200 Produkte eingereicht und für die diesjährige Wahl vorgeschlagen. Vier der jetzt nominierten Windbeutel-Kandidaten sind Vorschläge von Verbrauchern – ein weiterer Kandidat, Yakult, geht auf Recherchen von Foodwatch zurück.

"Goldener Windbeutel" geht in die neunte Runde

Der "Goldene Windbeutel" wird dieses Jahr zum neunten Mal verliehen. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein überzuckerter Babykeks von Alete (2017). Vergangenes Jahr gewann das "Smart Water" von Coca-Cola den Negativpreis. 

Weiterlesen auf oekotest.de: