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Von wegen Klimaschutz: Abstimmung zur dreistesten Werbelüge 2021

Autor: Online-Redaktion | Kategorie: Essen und Trinken | 23.11.2021

"Goldener Windbeutel": Die Abstimmung zur dreistesten Werbelüge 2021 läuft.
Foto: foodwatch

Biologisch abbaubare Kaffeekapseln, angeblich plastikfrei verpackte Proteinriegel und Fleisch mit falschen CO2-Zertifikaten: Die Verbraucherorganisation foodwatch sucht die dreisteste Werbelüge des Jahres, den "Goldenen Windbeutel". Es sind unter anderem Produkte von Volvic, Katjes und Rewe nomiert.

Welches Lebensmittel verdient die Negativ-Auszeichnung "Goldener Windbeutel"? Die Verbraucherorganisation foodwatch hat fünf Produkte für die dreisteste Werbelüge 2021 nominiert, jetzt können Verbraucher und Verbraucherinnen abstimmen.

"Goldener Windbeutel": Produkte von Danone, Rewe, Katjes, Mövenpick und Pamela Reif nominiert

Die meisten nominierten Produkte präsentieren sich als besonders klima- und umweltfreundlich, können diese Werbeversprechen aber nicht halten, so der Vorwurf von foodwatch. "Viele Werbeversprechen entpuppen sich als dreiste Lüge: Ein grüner Anstrich macht aus einer Kaffeekapsel kein nachhaltiges Produkt und auch Fleisch wird durch manipulierte Zertifikate nicht zum Klimaretter", erklärt Manuel Wiemann von foodwatch, Wahlleiter für den Goldenen Windbeutel.

Das sind die fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2021

Kandidat Nr. 1: Volvic Natürliches Mineralwasser von Danone 

Volvic Natürliches Mineralwasser von Danone ist für den "Goldenen Windbeutel" 2021 nominiert.
Volvic Natürliches Mineralwasser von Danone ist für den "Goldenen Windbeutel" 2021 nominiert. (Foto: foodwatch)

Auf der Flasche des Volvic-Mineralwassers ist ein "Klimaneutral zertifiziert"-Label. Auf seiner Webseite verspricht das Unternehmen: "Der Schutz unserer Umwelt ist (…) schon immer das Herzstück unserer DNA."

Dabei sei das Wasser alles andere als vorbildlich, kritisiert foodwatch. Die Flaschen werden größtenteils per Lkw aus Frankreich nach Deutschland transportiert. Aber: Einweg-Plastik-Flaschen schaden der Umwelt stärker als Mehrwegflaschen. Und im Vergleich zu Leitungswasser emittiert das Volvic-Wasser ein Vielfaches mehr an CO2.

Das Umweltbundesamt urteilt: "Mehrwegflaschen aus der Region sind die umweltfreundlichsten Getränkeverpackungen".

Kandidat Nr. 2: Mövenpick Green Cap Kaffeekapseln von J.J. Darboven

Mövenpick Green Cap Kaffeekapseln
Mövenpick Green Cap Kaffeekapseln (Foto: foodwatch)

"Kompostierbar" und "biologisch abbaubar" sollen die Mövenpick-Kaffeekapseln von J.J. Darboven sein. "Tatsächlich sind die 'Green Caps' alles andere als umweltfreundlich: Abfallunternehmen können sie weder recyceln noch kompostieren – sondern müssen sie verbrennen", so die Kritik von foodwatch.

Tatsache sei, so die Verbraucherschützer, dass 95 Prozent der abfallverarbeitenden Unternehmen in Deutschland kein "kompostierbares" Plastik verwerten könnten. Das angeblich kompostierbare Plastik wird, bis auf wenige Ausnahmefälle, vor der Kompostierung heraussortiert und verbrannt – und hat damit keine bessere Umweltbilanz als gewöhnliches Plastik.

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Kandidat Nr. 3: Katjes Wunderland Fruchtgummis

Fruchtgummis von Katjes sind ebenfalls nominiert.
Fruchtgummis von Katjes sind ebenfalls nominiert. (Foto: foodwatch)

"Ausgerechnet bei einer Süßigkeit mit 60 Prozent Zuckeranteil tut Katjes so, als sei sie gesund. Die als 'Wunderland' getarnte Zuckerbombe enthält zugesetzte Vitamine – für ein vermeintlich 'besseres Naschen'", kritisiert foodwatch. Dadurch verleite Katjes zum Süßigkeiten-Konsum und verschleiere den hohen Zuckergehalt, der sogar 30 Prozent höher sei als bei Haribo Goldbären. Auf seiner Instagram-Seite vermarktet Katjes die Süßigkeit als gesund: "Wer hätte gedacht, dass Naschen so vitaminreich sein kann?"

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Kandidat Nr. 4: Clean Protein Bar von Naturally Pam by Pamela Reif

Der Proteinriegel von Pamela Reif
Der Proteinriegel von Pamela Reif (Foto: foodwatch)

Die Fitness-Influencerin Pamela Reif bewirbt die Verpackung ihres Proteinriegels als plastikfrei, biologisch abbaubar und umweltfreundlicher als konventionelles Plastik. Das Urteil von foodwatch: "Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Plastik-Folie, die weder kompostiert noch recycelt wird, sondern als Plastikmüll in der Müllverbrennung landet. Auch in der Natur würde die Folie – wenn überhaupt – nur sehr langsam abgebaut."

Kandidat Nr. 5: Wilhelm Brandenburg Hähnchen-Brustfilet von Rewe

Ein Hähnchenbrustfilet bei Rewe soll "klimaneutral" sein.
Ein Hähnchenbrustfilet bei Rewe soll "klimaneutral" sein. (Foto: foodwatch)

Der Vorwurf von foodwatch: Rewe rechnet Fleisch "klimaneutral", indem es falsche CO2-Zertifikate nutzt. "Die Eigenmarke 'Wilhelm Brandenburg' wird so zur Klimalüge. Zum Ausgleich von Emissionen soll Wald geschützt werden – stattdessen werden im Projektgebiet in Peru Bäume zerstört", stellen die Verbraucherschützer fest.

foodwatch hat eine Recherche in Auftrag gegeben, die belegt: Das Tambopata-Projekt in Peru schützt den dortigen Wald und damit auch das Klima nicht. Es hätten keine CO2-Zertifikate ausgeben dürfen. Deshalb sei die Aussage 'Klimaneutral' falsch und irreführend.

So reagierten die Unternehmen

Gegenüber Spiegel Online nahmen Danone, Darboven, Naturally Pam sowie Rewe zur Kritik von foodwatch Stellung. Katjes äußerte sich nicht. 

Danone gab an, dass Einwegflaschen aus recyceltem PET für lange Transportwege die ökologisch sinnvollste Verpackung seien. Genau hier liege jedoch der Hund begraben, so foodwatch: Wasser, das über lange Transportwege nach Deutschland gekarrt würde, als besonders klimafreundlich darzustellen, sei eine dreiste Klimalüge. 

Darboven bezeichnete die "aktuelle Situation der Entsorgungswege" als unbefriedigend. Das Unternehmen arbeite an einer "anderen Lösung" für das erste Halbjahr 2022. foodwatch stellt dazu fest: Kaffeekapseln sind und bleiben eine unnötige Verschwendung von Ressourcen. Selbst bei erfolgreicher Zersetzung werde kein hochwertiger Kompost gebildet.

Auch Naturally Pam bezieht sich auf die Abfallwirtschaft: Diese liefere noch nicht die nötigen Bedingungen, dass die Verpackungsfolie des Proteinriegels richtig kompostiert werden kann. Das Problem seien jedoch nicht die Abfallunternehmen, sondern die Verpackung, kommentierte foodwatch. Aufwendig hergestellte Plastik-Verpackungen sollten recycelt und wieder verwendet werden, statt kompostiert oder verbrannt. 

Rewe erklärt, dass das Unternehmen erst seit 2021 mit dem Zertifizierungsunternehmen kooperiere. Die Zertifikate für das Geflügelfleisch von Rewe stammen aus den Jahren 2010-2012. Für diesen Zeitraum habe das Projekt nachweislich keinerlei Emissionsreduktionen bewirkt, die Zertifikate seien also falsch. 

foodwatch kämpft gegen Etikettenschwindel

Foodwatch möchte mit der Wahl zum "Goldenen Windbeutel" auf den "Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt" aufmerksam machen. "Klimakrise, Abholzung und Plastik-Müllberge: Unsere Ernährungsweise hat ihren Anteil an den riesigen Problemen, vor denen wir heutzutage stehen. Aus dem Bedürfnis von Verbraucher:innen nach mehr Nachhaltigkeit will die Lebensmittelindustrie jetzt Kasse machen und vermarktet ihre Produkte als Rettung für Umwelt und Klima.", erklärte Manuel Wiemann von foodwatch, Wahlleiter für den Goldenen Windbeutel. "Klima- und Umweltwerbung auf unökologischen Produkten muss gestoppt werden!" 

"Goldener Windbeutel": Sie können abstimmen 

Von den fünf nominierten Kandidaten können Verbraucher jetzt ihren Favoriten für den Schmähpreis wählen. Die Online-Abstimmung zur Werbelüge des Jahres findet unter www.goldener-windbeutel.de statt.

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