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Ratgeber: Superfoods

Gesünder oder nur teurer?

Spezial Vegetarisch / Vegan | Kategorie: Essen und Trinken | 01.09.2016

Ratgeber: Superfoods

Ob in Asien geerntete Gojibeeren, Chiasamen aus Südamerika oder Chlorella-Algen: Superfoods sind beliebt und buchstäblich in aller Munde. Die exotischen Nahrungsmittel sollen einen besonders hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien haben. Doch nicht jeder gut beworbene Trend macht auch wirklich Sinn.

Ob es ums Abnehmen mit Acaibeeren geht, um Kokosöl für bessere Cholesterinwerte oder darum, dank Matcha das Konzentrationsvermögen zu steigern: "Superfoods" versprechen, uns schlanker, gesünder und leistungsfähiger zu machen - dank ihrer angeblich hohen Dichte an begehrten Vitaminen, Mineralstoffen Antioxidantien oder sekundären Pflanzenstoffen. Die Idee, die dahintersteckt, ist klar: Je mehr gesunde Bestandteile, desto besser für Gesundheit und Wohlbefinden. Das ist einerseits richtig, andererseits aber auch wieder nicht, urteilt der Hamburger Ernährungsmediziner Matthias Riedl. Denn seiner Meinung nach sollte man Ernährung als "Konzert vieler verschiedener Nahrungsmittel, die uns mit wichtigen Nährstoffen versorgen" begreifen. Einzelne Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe so in den Vordergrund zu stellen, wie dies beim Trend zu Superfoods geschieht, hält das Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner für problematisch. Denn Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien werden am besten im Verbund aufgenommen: "Die Mischung macht's, nicht die Einzelelemente."

Wer regelmäßig zu frischem Obst und Gemüse greift, ernährt sich also "super" genug, versichert Riedl. Auch brauche niemand Angst zu haben, dass Lebensmittel heutzutage weniger vitaminreich seien als früher. Nicht wenige Hersteller von Fertigprodukten nutzten derlei Befürchtungen, um mit Vitaminen, Mineralstoffen und eben auch "Superfood" angereicherte Nahrungsmittel unters Volk zu bringen. "Jeder frische Apfel ist aber gesünder als zum Beispiel ein mit getrockneten Gojibeeren angereicherter Müsliriegel."

Frische hält auch Harald Seitz vom aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für einen entscheidenden Faktor. So enthalten zwar frische Acaibeeren aus der Amazonasregion wichtige pflanzliche Proteine, Antioxidantien, Calcium und Vitamine. Bei der getrockneten Variante, die hierzulande erhältlich ist, sieht das aber schon ganz anders aus. Dasselbe gilt für Gojibeeren und Matchatee, die meist getrocknet oder in Pulverform verkauft und verzehrt werden. "Dabei gehen zum einen die wasserlöslichen Vitamine verloren, zum anderen werden Substanzen hinzugefügt, damit das Ganze nicht klebt und klumpt und sich besser hält - das Resultat ist dann schon etwas ganz anderes als die ursprüngliche Frucht."

Anders als konkrete Gesundheitsbehauptungen, die belegt werden müssen, wie etwa "stärkt das Immunsystem" oder "regt die grauen Zellen an", ist die Bezeichnung "Superfood" nicht geschützt. Deshalb wird sie im Marketing gern und häufig verwendet. "Dabei wird oft bewusst vergessen, dass hiesige Früchte wie Heidelbeeren, Sauerkirschen oder schwarze Johannisbeeren den exotischen Superfoods in nichts nachstehen, was die Inhaltsstoffe betrifft - zumal sie im Idealfall frisch geerntet und verzehrt werden", sagt Seitz.

Dem häufig in der Werbung verbreiteten Mythos von den supergesunden Beeren, Wurzeln oder Samen, die in exotischen Länder

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vom 01.09.2016
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