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Mineralöl stark erhöht: Nestlé Nesquik schockt im Test

Autor: Kai Thomas | Kategorie: Essen und Trinken | 05.02.2019

Mineralöl stark erhöht: Nestlé Nesquik schockt im Test
(Foto: ÖKO-TEST)

Der bei Kindern beliebte Kakao Nestlé Nesquik fällt im Test komplett durch. Er ist stark mit Mineralölrückständen verunreinigt. Zudem empfiehlt Nestlé pro Glas zu viel des sehr zuckrigen Getränkepulvers. Auch die dreiste Werbung bemängeln wir.

Ein Glas Kakao gehört für Kinder oft zum Frühstück. Doch Vorsicht: Kakaopulver besteht fast nur aus Zucker – in der Regel zu 80 Prozent. Schon deshalb sollten Kleinkinder nur selten Kakao trinken. Wir haben 13 kakaohaltige Getränkepulver für Kinder in die Labore geschickt. Fokus der Analysen: der tatsächliche Kakao- und Zuckergehalt und mögliche Schadstoffbelastungen.

Nestlé Nesquik fällt im Test komplett durch

Nestlé Nesquik fällt im Test besonders negativ auf. Das bekannte Markenprodukt ist das schlechteste im Test. Es erhielt insgesamt die meisten Abwertungen. Die Gründe: ein stark erhöhter Mineralölgehalt, viel Zucker, zugesetzte Vitamine und jede Menge Deklarationsmängel.

Insgesamt raten wir deshalb mit dem Gesamturteil „ungenügend“ ab. Allein für die Mineralölrückstände ziehen wir zwei Noten unter dem Teilergebnis Inhaltsstoffe ab, für den erhöhten Zuckergehalt pro Portion und die zugesetzten Vitamine jeweils eine Note. Hinzu kommt: Die fragwürdigen Angaben auf der Verpackung summieren sich zu einem „mangelhaften“ Teilergebnis Weitere Mängel. 

Der Nestlé-Kakao ist im Test stark mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) verunreinigt. MOSH haben im Tierversuch Organe geschädigt. Rückstände können etwa durch die Verpackung auf die Lebensmittel übergehen. Kakaobohnen und Zucker können aber auch schon während der Produktion etwa mit Schmierölen in Kontakt kommen.

Gefundene MOSH schädigten im Tierversuch Organe

Nestlé empfiehlt außerdem, zwei bis drei gehäufte Teelöffel Nesquik in ein Milchglas zu mischen. Das von uns beauftragte Labor ermittelte in so einer Pulverportion mehr als 7,5 Gramm Zucker. Das ist bereits mehr als die Hälfte der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Menge für dreijährige Kinder. Sie liegt bei nicht mehr als 15 Gramm täglich.

Am Nestlé Nesquik kritisieren wir zudem die enthaltenen künstlichen Vitamine. Ihr Zusatz ist völlig überflüssig und soll den Eindruck erwecken, dass es sich bei dem Kakaopulver um ein gesundes Lebensmittel handelt.

Auch einige Angaben auf der Verpackung haben uns irritiert. So bezieht sich die Nährstofftabelle auf der Rückseite auf Werte für einen durchschnittlichen Erwachsenen. Dabei richtet sich Nesquik offensichtlich an Kinder. Nestlé bewirbt das zu rund 80 Prozent aus Zucker bestehende Pulver zudem dreist mit den gesunden Inhaltsstoffen von Milch. Ebenfalls zweifelhaft: die beworbene Selbstverständlichkeit „ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz“.

Nestlé Nesquik ist der einzige "ungenügende" Kakao im Test

Der Test zeigt: In insgesamt vier Kakaopulvern für Kinder stecken „erhöhte“ oder „stark erhöhte“ Gehalte der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/POSH. In 10 von 13 Pulvern ist der Zuckergehalt gemäß Dosierungsempfehlung „erhöht“ oder „stark erhöht.“ Nur ein Kakao ist mit „sehr gut“ empfehlenswert. Immerhin sieben getestete Produkte schneiden mit „gut“ ab. Die anderen Produkte liegen irgendwo im Mittelfeld. Bei keinem weiteren Produkt im Test müssen wir allerdings so viel bemängeln wie am Nestlé Nesquik. Das Pulver schneidet als einziges mit „ungenügend“ ab, landet so auf dem letzten Platz.

So reagierte Nestlé: Nestlé wollte unser Ergebnis für MOSH/POSH („stark erhöht“) „so nicht akzeptieren“, teilte uns der Konzern schriftlich mit. Man habe Zweifel an der Methode für Mineralöl, die das von uns beauftragte Labor verwendet. Bei der Methode, die das von uns beauftragte, dafür akkreditierte Labor verwendet, handelt es sich allerdings nicht um irgendeine, sondern um ein Verfahren nach DIN-Norm. Und eine unabhängige Studie, die die Zweifel von Nestlé stützt, legte der Konzern uns nicht vor.

Unser Tipp: Behandeln Sie Kakaogetränke wegen des hohen Zuckeranteils wie eine Süßigkeit. Kleinkinder trinken sie deshalb am Besten nur selten. Einige Hersteller empfehlen fünf Löffel Kakaopulver für ein Milchglas. Das ist viel zu viel. Ein bis zwei Teelöffel reichen völlig aus.

Hier können Sie den Test mit allen Ergebnissen im Detail abrufen: Kakaopulver für Kinder im Test

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