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Matcha-Tee: Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor Aluminium

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Essen und Trinken | 31.07.2019

Matcha-Tee: Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor Aluminium
(Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Jason Leung)

Matcha-Tee ist ein Trendgetränk und gilt zudem als gesund. Doch Proben des grünen Gebräus enthielten hohe Aluminiumgehalte – für Verbraucher könnte bei regelmäßigem Verzehr ein Risiko bestehen.

Ob als cremige Matcha-Latte im Café, als Eis im japanischen Restaurant oder als Keks im Supermarkt: Der intensiv grüne Matcha-Tee wird immer beliebter. Laut einer Marktrecherche kamen in den vergangenen fünf Jahren 165 Matcha-Produkte in Deutschland neu in den Verkauf – und davon sind nur 39 Prozent tatsächlich Tee-Produkte.

Matcha ist unfermentierter grüner Tee, der auf besondere Weise verarbeitet und zubereitet wird: Seine Blätter sind zu einem Pulver zermahlen und werden – ohne weiteres Filtern – in heißes Wasser gerührt beziehungsweise damit aufgeschäumt. Das aus Japan stammende Tee-Extrakt schmeckt herb-bitter bis fruchtig und wirkt belebend. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) verweist auf seine gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe wie Antioxidanzien, Kalzium, Eisen, Kalium, B-Vitamine, Vitamin A und K. Es gibt allerdings einen Haken.

Hoher Aluminiumgehalt in einzelnen Matcha-Proben

Tees haben das grundsätzliche Problem, dass darin immer wieder Aluminium nachgewiesen wird. Nun hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Stellungnahme veröffentlicht, die sich an regelmäßige Matcha-Konsumenten richtet. Einzelne Matcha-Teeproben waren durch einen hohen Gehalt an Aluminium aufgefallen: Die Anteile von drei Proben lagen bei 1743, 1775 und 2350 Milligramm (mg) pro Kilogramm (kg).

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) liegt die lebenslang tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (tolerable weekly intake, TWI) bei einem Milligramm (mg) Aluminium pro Kilogramm (kg) Körpergewicht. Wer hohe Mengen an Aluminium aufnimmt, riskiert damit langfristig eine Schädigung des Nervensystems. Auch die Fähigkeit zur Fortpflanzung und die Knochenentwicklung könnten beeinträchtigt werden.

Wie groß ist die Gefahr tatsächlich?

Doch wie viel Matcha ist zu viel Matcha? Wie groß die spezielle Gefahr durch das grüne Teepulver tatsächlich ist, lässt sich schwer beurteilen. Das liegt zum einen daran, dass die sehr überschaubare Menge an untersuchten Proben keine Aussage über den durchschnittlichen Gehalt an Aluminium in Matcha-Tee (und anderen Matcha-Produkten) zulässt.

Und zum anderen extistieren für Deutschland noch keine speziellen Daten zum Konsum von Matcha-Tee. Das BfR ging für seine gesundheitliche Bewertung daher von den üblichen Verzehrmengen von grünem Tee aus – was zu einem verzerrten Ergebnis geführt haben könnte, da die tatsächlich getrunkenen Mengen geringer ausfallen könnten. Trotz allem ist die Einschätzung des BfR aus einem Grund beunruhigend.

Der empfohlene Grenzwert ist schnell erreicht

Das Institut teilt mit: "Bei Berücksichtigung der Verzehrmengen von grünem Tee kann der TWI für Aluminium bei Erwachsenen durch regelmäßigen Verzehr von Matcha-Tee mit maximalen gemessenen Gehalten langfristig überschritten werden, selbst wenn der Tee als einzige Quelle für die Aluminiumaufnahme betrachtet und keine weiteren Aluminiumquellen berücksichtigt werden."

Wir nehmen Aluminium jedoch täglich mit einer Vielzahl an Produkten auf – von Lebensmitteln bis hin zu Kosmetika wie Antitranspiranten (Lesen Sie dazu mehr in unserem Artikel: "Aluminiumsalze in Deos: Darum sind sie so bedenklich - und das sind die Alternativen"). Zwar gelangen jeweils nur geringe Mengen an Aluminium in unseren Körper, doch diese summieren sich – und der empfohlene Grenzwert ist schnell erreicht. 

TWI könnte durch Matcha langfristig um mehr als das Doppelte überschritten werden

Das BfR betont, dass es nach den aktuell verfügbaren Daten möglich sei, dass der TWI durch Matcha bei einem Teil der Bevölkerung langfristig um mehr als das Doppelte überschritten werde. "Angesichts dieser Situation für Verbraucherinnen und Verbraucher ist aus toxikologischer Sicht eine zusätzliche Aufnahme von Aluminium durch regelmäßigen (täglichen) Verzehr eines einzelnen Lebensmittels wie Tee nicht tolerierbar, welches so hohe Aluminiumgehalte aufweist, dass allein schon bei regelmäßigem Verzehr dieses bestimmten Lebensmittels der TWI zu einem erheblichen Teil ausgeschöpft oder gar deutlich überschritten wird", heißt es in der Stellungnahme.

Zwar räumt das Institut ein, dass weitere Forschungen nötig sind, um das gesundheitliche Risiko sicher bewerten zu können. Eine konkrete Verzehrsempfehlung abzuleiten, ist daher derzeit noch schwierig. Dennoch zeigt die Untersuchung, dass einzelne Lebensmittel für einen großen Anteil an der täglich aufgenommenen Menge Aluminium verantwortlich sein können – und dass wir uns der möglichen Risiken bewusst sein sollten. 

Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu Gesundheitsthemen. 

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