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Gutes Eis erkennen: Worauf Sie in der Eisdiele achten sollten

Autor: Brigitte Rohm, Lino Wirag | Kategorie: Essen und Trinken | 16.06.2021

Augen auf in der Eisdiele: So erkennen Sie gutes Eis
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - JESHOOTS-com

Regenbogenbunt, sahnig-cremig, einfallsreich dekoriert und kunstvoll aufgetürmt: So verlockend präsentiert sich Speiseeis häufig in den Auslagen der Eisdielen. Aber können Sie sich auf Aussagen wie "aus eigener Herstellung" verlassen? ÖKO-TEST erklärt, woran Sie eine gute Eisdiele erkennen – und um welche Eiscafés Sie lieber einen Bogen machen sollten.

"Zwei Kugeln in der Waffel, bitte!" Der Gang zur Eisdiele ist im Sommer für viele ein genussvolles Ritual, und lange Schlangen vor den Vitrinen, in denen die kalten Köstlichkeiten ruhen, sind keine Seltenheit. Wer gesundheitsbewusst schleckt, ist sich natürlich im Klaren darüber, dass Speiseeis nicht nur aus Milch, Minze und Minusgraden besteht, sondern auch viele Zusatzstoffe enthalten kann: Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren … Und nicht alle dieser Zusätze sind immer erwünscht. Aber woran erkennt man eigentlich qualitativ gutes Eis? Und wodurch verrät sich minderwertiges?

Speiseeis aus hochwertigen Zutaten zu identifizieren, ist leider gar nicht so einfach. Denn an der Eistheke existiert wenig, was dazu Orientierung bieten würde. Hinweise wie "aus eigener Herstellung" oder "selbst gemacht" geben Ihnen beispielsweise keinen Aufschluss darüber, ob Sie es mit gutem Eis zu tun haben oder nicht.

"Selbst gemachtes Eis"? Ja, selbst aus Fertigpulver angerührt!

Wie die Verbraucherzentralen mitteilen, genügt es für die Werbung mit Versprechen wie "eigene Herstellung" bereits, das Eis vor Ort aus fertigem Eispulver anzurühren. In anderen Fällen reichern Betriebe eine fertig gelieferte Grundeismasse aus Milch- und Sahnepulver, Dextrose und Bindemittel mit frischen Zutaten wie Früchten, Nüssen oder Schokolade an. Das Eis sieht dann nur so aus, als sei es vollständig frisch hergestellt worden.

Eisdielen-Betreiber können sich aber auch noch weniger Arbeit machen – und sich ihr kaltes Eis-Buffet fertig zubereitet, abgefüllt und verziert von einem anderen Betrieb liefern lassen. Wird dann noch eine angeblich "eigene Herstellung" versprochen, werten die Verbraucherschützer das als Täuschung am Kunden. Sie fordern, zukünftig eindeutig zu regeln, was Verbraucher hinter entsprechenden Werbe-Hinweisen erwarten dürfen.

Laut Vorschrift müssen an der Eistheke bislang nur Hinweise auf Allergene und bestimmte Zusatzstoffe wie Farbstoffe angegeben werden – beispielsweise bei optisch auffälligen Sorten wie "Engelblau" oder "Schlumpf". Was Zutaten und deren Verhältnis betrifft, besteht hingegen keine Auskunftspflicht.

Im Deutschen Lebensmittelbuch (DLMB) existiert lediglich eine Reihe von Leitsätzen für Speiseeis, die angeben, wie Produkte im Handel korrekt auszuzeichnen sind. Die DLMB-Standards sind zwar nicht rechtsverbindlich, bieten jedoch eine wichtige Orientierung für Produzenten, Händler und die Lebensmittelüberwachung.

CC0 / Unsplash.com / Michel Stockman
CC0 / Unsplash.com / Michel Stockman (Foto: Umweltfreunde nehmen übrigens lieber nur die Waffel – die kann wenigstens kompostiert werden. Der Plastiklöffel hingegen nicht.)

Die Standards für Speiseeis sind unverbindlich

Zu den DLMB-Leitsätzen gehört beispielsweise, dass der Begriff "Eis" die Verwendung pflanzlicher Fette erlaubt, die billiger und weniger hochwertig sind als Milchfette – Kokosfett etwa. "Eiscreme" hingegen soll mindestens zehn Prozent Milchfett enthalten, "Milcheis" sogar mindestens 70 Prozent: Beide sind deshalb häufig hochwertiger als bloßes "Eis", was die Zutaten betrifft.

"Fruchteis" hingegen benötigt mindestens 20 Prozent Fruchtanteil. Ist bei "Schokoladeneis" ein Stück Schokolade abgebildet, sollte der Hersteller im Produkt auch solche verwenden – und nicht bloß Kakao.

Gleiches gilt für die Abbildung von Vanilleblüten oder -schoten bei Vanilleeis. Trägt das Produkt hingegen den Namen "Eis mit Vanillegeschmack", deutet das auf den Einsatz von künstlichem Vanillin hin. Da Bourbon-Vanille starken Preisschwankungen unterliegen kann und verhältnismäßig teuer ist, dürfte "echtes" Vanilleeis eher die Ausnahme sein als die Regel. Auch die typischen schwarzen Pünktchen im Vanilleeis müssen noch kein Qualitätsmerkmal sein: Sie stammen meist nicht vom Vanillemark, sondern von den billigeren Vanilleschoten.

Bei Nusseis wird gerne getrickst

Dasselbe Spiel beim Nusseis: Heißt es tatsächlich so (nämlich "Nusseis"), muss der Nussanteil laut DLMB bei mindestens fünf Prozent liegen und der nussige Geschmack deutlich wahrnehmbar sein. "Eis mit Nussgeschmack" hingegen basiert geschmacklich ganz oder mehrheitlich auf zugesetzten Aromen. Echte Nüsse? Müssen nicht enthalten sein.

Für Pistazieneis gibt es erst gar keine entsprechenden Leitlinien – nur nach Pistazie sollte es schon schmecken. Oft gelingt noch nicht einmal das, wie die NDR-Verbrauchersendung "Markt" vor Kurzem aufdeckte. Sie kaufte verschiedene Nusseis-Sorten in mehreren Eiscafés und schickte Stichproben davon ins Labor. Das Ergebnis: Vor allem bei Pistazieneis wurde geschummelt und Aromen zugesetzt. Eine Probe schmeckte noch nicht einmal nach Pistazien – das Einzige, was an die Eissorte erinnerte, war die grüne Farbe der Eismasse. Sie wird zum Beispiel durch Pflanzenextrakte erzielt: Solche färbenden Naturbeigaben gelten rechtlich als Zutaten und müssen daher nicht gekennzeichnet werden – im Gegensatz zu reinen Farbstoffen.

2020 hatte die "Markt" bereits nachgewiesen, dass es mit der Qualität von Vanille- und Erdbeer-Eis oft nicht so weit her ist, wie Verbraucher hoffen dürfen.

Oft hilft nur: Beim Eiscafé nachfragen, was sich im jeweiligen Produkt genau verbirgt.
Oft hilft nur: Beim Eiscafé nachfragen, was sich im jeweiligen Produkt genau verbirgt. (Foto: CC0 / Unsplash.com / Erwan Hesry)

Heiße Tipps, um eine gute Eisdiele zu erkennen

Indizien dafür, dass es sich um minderwertiges Eis handelt, sind folgende Beobachtungen:

  • Es gibt Dutzende verschiedene Sorten in quietschbunten Farben – ein Hinweis auf den Einsatz von Industrieprodukten und Zusatzstoffen.
  • Das Eis türmt sich kunstvoll-geschmeidig in die Höhe – ein Hinweis auf Emulgatoren.
  • Mangelnde Sauberkeit, zum Beispiel durch Eisportionierer, die nur kurz in Wasser getaucht werden, dreckige Schürzen oder Eisbehälter, die zu erhöhten Keimzahlen in der Eiscreme führen können. 

Echte Handwerkseisdielen haben meist eher wenige, dafür aber ausgewählte Geschmacksrichtungen und stellen die Eissorten aus Zutaten wie Milch, Sahne, Zucker, Früchten und Gewürzen frisch her. Um sicher herauszufinden, ob das Eis tatsächlich auf diese Weise produziert wird, hilft leider nur eines: Bei der Eisdiele direkt nachfragen. Dass nicht immer mit einer informierten oder wahrheitsgemäßen Antwort gerechnet werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Fertiges Eis aus dem Supermarkt – die bessere Wahl?

Wer Eis aus dem Supermarkt kauft, statt zur Eisdiele zu gehen, trifft damit aber nicht automatisch die bessere Wahl. Es lohnt sich, hier stets die Zutatenliste zu studieren – Bio-Eis kommt hierbei mit weniger Zusatzstoffen aus. Wir haben schon mehrfach bestimmte Eissorten von verschiedenen Herstellern getestet und dabei viel Luftaufschlag und Zusatzstoffe gefunden – lesen Sie hier mehr dazu:

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