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Corona-Krise: Sind Einkäufe in Unverpackt-Läden sicher?

Autor: Annette Dohrmann | Kategorie: Essen und Trinken | 02.04.2020

Unverpackt-Läden und Corona
Foto: Jack Frog/Shutterstock

Verpackungsfreies Einkaufen boomt. Doch können Unverpackt-Läden in Zeiten von Corona überhaupt die Hygiene sicherstellen, wenn Kunden ihre Waren eigenhändig in mitgebrachte Behälter füllen?

Entwarnung: "Der Einkauf in Unverpackt-Läden ist nach wie vor sicher und bedenkenlos möglich", betont Gregor Witt, Vorsitzender des Berufsverbands der Unverpackt-Läden. Alle neuen hygienischen Schutzmaßnahmen würden von den Mitgliedern umgesetzt. "Bei uns gelten selbstverständlich die gleichen Regeln wie aktuell in allen Lebensmittelgeschäften."

Das heißt: Abstandsregeln zwischen Kunden und Mitarbeitern, beschränkter Kundenzugang, häufiges Desinfizieren von Flächen und Händen und vieles mehr.  

Zusätzliche Schutzmaßnahmen in Unverpackt-Läden 

Darüber hinaus hat der Verband einen Leitfaden mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen für Unverpackt-Läden an alle Mitglieder geschickt – so auch an Berit Heller, die in Dresden seit fünf Jahren den Unverpackt-Laden "Lose" betreibt. Sie zählt auf, welche zusätzlichen Maßnahmen sie ergriffen hat, um ihre Kunden, Mitarbeiterinnen und sich selbst in der aktuellen Situation zu schützen. Sie weist ihre Kunden darauf hin:

  • sich am Eingang die Hände zu desinfizieren
  • die bereitgestellten Handschuhe zu benutzen
  • Abstand zu halten,
  • den Aufenthalt im Laden auf zehn Kunden zu beschränken
  • ihre Kinder an die Hand zu nehmen.

Außerdem hat Berit Heller die Kinderecke weggeräumt, nutzt Mundschutz für sich und ihre Mitarbeiterinnen und führt regelmäßige Desinfektionen durch. Und sie weist Kunden auf die strikte Trennung zwischen benutztem und frischem Besteck zur Entnahme der Ware hin.

Unverpackt-Läden in Corona-Zeiten: Auch sie haben alle hygienischen Schutzmaßnahmen umgesetzt.
Unverpackt-Läden in Corona-Zeiten: Auch sie haben alle hygienischen Schutzmaßnahmen umgesetzt. (Foto: maramorosz/Shutterstock )

Noch kein Warenengpass in vielen Unverpackt-Läden

Zwar ist bei Berit Heller im "Lose" die Kundenanzahl leicht zurückgegangen. Skepsis gegenüber dem verpackungsfreien Einkauf ist ihrer Meinung nach aber nicht der Grund dafür. Vielmehr hätten sich viele Leute in "Phase rot" vor den Ausgangsbeschränkungen ziemlich gut bevorratet. "Es kommen nach wie vor sowohl Stammkunden als auch neue Kunden in den Laden, die zum ersten Mal einkaufen und wiederkommen wollen", sagt Berit Heller.

In Unverpackt-Läden finden Kunden sogar Lebensmittel und Hygieneprodukte wie Mehl, Haferflocken, Trockenhefe oder Toilettenpapier, die in klassischen Supermärkten und Drogerien zu bestimmten Tageszeiten ausverkauft sind. "Bislang können wir noch nicht über einen Warenengpass klagen", sagt Verbandschef Gregor Witt. Denn Unverpackt-Läden bekämen ihre Waren von ausgesuchten Lieferanten, meist in großen Gebinden.

Müllvermeidung und Klimakrise nicht vergessen 

"Wir hoffen natürlich, dass Kunden weiter unverpackt einkaufen", sagt Gregor Witt. "Denn trotz Corona sollten wir Themen wie Müllvermeidung und Klimakrise nicht aus den Augen verlieren." Er freue sich, dass in der gegenwärtigen Krise Althergebrachtes rasch hinterfragt und umgewälzt werde. Witt ergänzt: "Ich habe die Hoffnung, dass die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Flexibilität nach der Corona-Krise vielleicht zu einem Paradigmenwechsel führt – hin zu einem neuen nachhaltigeren Wirtschaften."

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