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Brennnessel-Rezepte: Besser essen statt bekämpfen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 11.07.2022

Brennnessel-Rezepte: Superfood statt Unkraut
Foto: Shutterstock / Tatyana Azarova

Gemeinhin wird die Brennnessel als lästiges Unkraut abgestempelt – dabei steckt in dem grünen Kraut jede Menge Power. Brennnesseln sind quasi ein regionales Superfood, obendrein noch überall kostenlos zu ernten. Wir zeigen, welche Gerichte Sie mit jungen Brennnesseln zubereiten können.

Die Brennnessel ist viel mehr als ein lästiges Unkraut, das bei Berührung unangenehm brennt und juckt. Das Kraut, das gefühlt überall wächst, ist ein richtiges Wunderkraut: Es bietet viele gesunde Inhaltsstoffe, wirkt unter anderem entwässernd und entzündungshemmend – und schmeckt äußerst lecker. Die Triebe haben einen spinat-ähnlichen Geschmack und sind so mild, dass auch Kinder sie mit großer Begeisterung essen. Besonders beliebt ist die Brennnessel als Brennessel-Tee, Brennnessel-Suppe, in Pesto, als Salat – oder einfach klein geschnitten im Kräuterquark.

Gut zu wissen: Brennnesseln schmecken am besten, wenn sie jung sind, also im Mai. Je größer und älter die Blätter, desto bitterer ihr Geschmack

So gesund ist die Brennnessel

Lassen Sie sich von der brennenden Wirkung nicht abschrecken und geben Sie dem unterschätzten Wildkraut eine Chance. Die Brennnessel ist unglaublich gesund und steckt voller Inhaltsstoffe, die sie zum regionalen Superfood machen, für das Sie nicht mal Geld ausgeben müssen: Die Brennnessel hat einen hohen Eisengehalt und enthält viel Kalzium, Magnesium, Kalium und Silizium. Sie enthält zudem erstaunlich viel Eiweiß (7,4 Gramm je 100 Gramm) – das macht sie zu einem fantastischen Proteinlieferanten für Veganer und Vegetarier.

Dank ihres hohen Gehalts an Vitamin C ist sie ein Booster fürs Immunsystem. Sie hilft zudem, die Harnwege durchzuspülen und schwemmt Keime und Bakterien aus dem Körper. Die Brennnessel gilt als Unterstützung bei Arthrose, Arthritis und Rheuma.

Brennnesseln schmecken besten am besten jung.
Brennnesseln schmecken besten am besten jung. (Foto: Shutterstock / Anna Kepa)

Brennnessel essen: Leckere Rezepte mit Brennnesseln

Bei so vielen gesunden Inhaltsstoffen kann man darüber nachdenken, Brennnesseln im Garten nicht mühevoll zu bekämpfen, sondern einfach in ein leckeres Gericht zu verwandeln. Wir haben Ideen, wie Sie das Wunderkraut mit den gezackten Blättern zubereiten können. 

Generell können Sie Brennnesseln in allen Rezepten an Stelle von Spinat verwenden. Als Verfeinerung von bunten Salaten schmeckt die Brennnessel vor allem in Kombination mit Zitronensaft und frischen Kräutern.

Angst vor den Brennhaaren müssen Sie übrigens nicht haben: Sobald die feinen Brennhaare brechen, sind sie nicht mehr "gefährlich". Beim Kochen passiert das ganz von selbst, und auch beim Pürieren oder Mixen brechen die Haare ab. Wenn Sie die Brennnessel roh im Salat essen oder für den Kräuterquark klein schneiden, einfach die Blätter kurz mit dem Nudelholz bearbeiten.

Brennesseln können Sie zum Beispiel als Spinat zubereiten.
Brennesseln können Sie zum Beispiel als Spinat zubereiten. (Foto: Shutterstock / alicja neumiler)

Brennnessel-Spinat

Brennnesseln schmecken als Spinatersatz:

  • 300 g Brennnesselblätter
  • ½ Zwiebel
  • 70 ml flüssige Sahne, Sauerrahm oder Crème fraîche
  • 1 EL Butter oder Öl

Zubereitung:

  1. Entfernen Sie die Stiele, waschen Sie die Brennnesselblätter und lassen Sie sie dann ca. zehn Minuten in etwas Wasser köcheln.
  2. Dann abseihen und in einer Pfanne mit etwas Butter, fein gehackten Zwiebeln und Salz vermischt nochmals 10 bis 15 Minuten köcheln.

Tipp: Das Kochwasser enthält viele gesunde Inhaltsstoffe. Deshalb das Wasser nicht wegschütten, sondern als Grundlage für Suppe, als Tee oder zum Pflanzen gießen verwenden.

Brennnessel-Pesto

  • 100 g Brennnesseln
  • 100 g Olivenöl
  • 100 g Parmesan
  • 60 g Pinien-, Sonnenblumen- oder Cashewkerne
  • 1 Knoblauchzehe
  • Salz, Pfeffer
  • nach Geschmack Zitronensaft

Zubereitung:

  1. Brennnesselblätter waschen und trocken schütteln, dann zusammen mit den Kernen, Öl und Knoblauch pürieren.
  2. Den Käse reiben und unterrühren.
  3. Mit Salz, Pfeffer und eventuell etwas Zitronensaft würzen.
Olivenöl im Test: Nahezu alle mit Mineralöl verunreinigt
Spaghetti mit frischem Brennnesselpesto schmecken köstlich.
Spaghetti mit frischem Brennnesselpesto schmecken köstlich. (Foto: Shutterstock / Lunov Mykola)

Brennnessel-Suppe

  • 200 g frische Brennnesselblätter
  • 2 Kartoffeln
  • 1 Karotte
  • 1 Zwiebel, feingehackt
  • ½ Knoblauchzehe
  • 400 ml Gemüsebrühe
  • frische Kräuter, Salz, Pfeffer, Muskatnuss
  • 2 EL Sonnenblumenöl oder Rapsöl

Zubereitung:

  1. Zwiebel und Knoblauch in etwas Öl andüsten.
  2. Brennnesselblätter sowie klein geschnittene Kartoffeln und Karotten in Gemüsebrühe ca. 30 Minuten köcheln, dann pürieren.
  3. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. 

Brennnessel-Chips

Brennnessel-Chips sind ein leckerer und gesunder Snack. Und für Kinder ein großer Spaß – denn ein bisschen Angst beim Verzehr der eigentlich brennenden Blätter sorgt bis zum ersten Biss für Spannung und Nervenkitzel. Aber keine Angst: Die Blätter sind, wenn sie aus der Pfanne kommen, völlig ungefährlich und brennen nicht.

  1. Brennnesselblätter mit Sonnenblumen- oder Rapsöl mischen.
  2. Öl in einer Pfanne erhitzen, Blätter dazu geben und frittieren bis sie knusprig sind.
  3. Mit einer Gabel vorsichtig herausnehmen und auf Küchenpapier abtropfen lassen.
  4. In einer Schüssel mit Salz und Paprika würzen

Tipp: Verwenden Sie am besten ungewaschene (aber natürlich saubere) Blätter.

Brennnessel-Tee

Dem Tee aus frischen Brennnesseln wird eine entschlackende und anregende Wirkung nachgesagt. Wegen seiner harntreibenden Wirkung ist er ein beliebtes Hausmittel bei Blasenentzündung.

  1. Für die Zubereitung von Brennnesseltee einfach eine Handvolle junge Brennesselblätter mit 300 Millilitern kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Wenn Sie den Tee länger ziehen lassen, schmeckt er eventuell bitter.
  2. Dann abseihen und nach Geschmack mit Zucker, Honig oder Agavendicksaft süßen. Auch ein Spritzer Zitronensaft macht sich gut im Brennnesseltee.

Hinweis: Nicht wundern, wenn Sie nach dem Genuss öfter als sonst zur Toilette müssen. Brennnessel-Tee wirkt harntreibend.

Brennnesseln können Sie problemlos trocknen und für die brennnesselfreie Zeit des Jahres aufbewahren.

Brennnessel-Smoothie

Zusammen mit Apfel, Orange, Banane und anderen Wildkräutern wird aus den Brennnesseln ein überaus gesunder Smoothie. Wichtig ist ein leistungsstarker Mixer, der die Fasern zerkleinert. 

Alleskönner Brennnessel

Die Brennnessel macht sich nicht nur gut als Allround-Talent in der Küche, sondern entpuppt sich auch im Garten als Alleskönner:

  • Die Brennnessel ist ein biologischer Schädlingsbekämpfer: Mit Brennnesselsud können Sie Blattläuse im Garten erfolgreich bekämpfen.
  • Brennnesseljauche eignet sich als natürlicher Dünger. Hier erfahren, wie Sie Brennnesselsud und Brennnesseljauche selber machen können.
  • Die Brennnessel gilt als sogenannte Zeigerpflanze für stickstoffreiche Böden: Wo sie wächst, ist der Boden gut und nährstoffreich, hier brauchen Sie den Boden nicht düngen. Der Standort eignet sich gut für den Anbau von Tomaten, Paprika, Kohl oder Gurken.

Und noch ein Beauty-Tipp: Brennnesseln können bei fettigen Haaren helfen. Sie beruhigen die Kopfhaut und können die Talgproduktion regulieren:

Brennnesseln ernten – ohne sich zu verbrennen

  • Brennnesseln ernten Sie am besten mit Handschuhen. Wenn Sie keine zur Hand haben, hilft ein Trick: Greifen Sie den Stiel der Brennnesselpflanze mit einer leichten Aufwärtsbewegung, so können Ihnen die leicht nach oben ausgerichteten Brennhaare nichts anhaben.
  • Bei Brennnesseln gilt: Je jünger sie sind, desto besser schmecken sie. Bei älteren Brennnesseln sollten Sie nur die oberen Blattpaare verwenden.
  • Pflücken Sie Brennnesseln nur an Stellen, an denen Sie sicher sind, dass sie nicht verunreinigt sind, etwa durch Kot und Urin von Hunden oder Weidetieren.

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