1. oekotest.de
  2. News
  3. Alarmierender Befund: Antibiotikaresistente Keime auf Discounter-Hähnchen

Alarmierender Befund: Antibiotikaresistente Keime auf Discounter-Hähnchen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 16.04.2019

Alarmierender Befund: Antibiotikaresistente Keime auf Discounter-Hähnchen
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / RitaE)

Antibiotikaresistente Keime werden mehr und mehr zum Problem. Ein aktueller Test von Germanwatch zeigt: Auf mehr als der Hälfte der getesteten Discounter-Hähnchen wurden resistente Erreger gefunden.

Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch hat Hähnchenfleisch aus den großen Discountern im Labor untersucht – mit alarmierenden Befunden: Von den knapp 60 Proben Hähnchenfleisch von Lidl, Netto, Real, Aldi (Nord und Süd) sowie Penny ist mehr als jede zweite (56 Prozent) mit antibiotikaresistenten Erregern belastet.

Die Umweltorganisation hat für ihre Untersuchung unterschiedliche Hähnchenstücke gekauft: ganze Hähnchen, Schenkel, Flügel, Brustfilet, Schnitzel, zum Teil tiefgekühlt, zum Teil aus dem Kühlregal.

Resistenzen gegen Notfallmedikamente

Bei jeder fünften Probe zeigten sich sogar mehrere verschiedene Resistenzen. Ein Befund ist besonders besorgniserregend: Bei mehr als einem Drittel der Fleischproben fanden die Wissenschaftler Resistenzen gegen Reserveantibiotika wie Colistin. Hier handelt es sich um spezielle Antibiotika, die Ärzte nur im äußersten Notfall verschreiben, wenn andere Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen.

"Unsere Stichproben zeigen alarmierend hohe Resistenzraten auf Hähnchenfleisch. Dies spricht dafür, dass die Bundesregierung bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen aus Massentierhaltungen bisher versagt", so Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch. 

Resistente Keime bei Discounter-Hähnchen

Belastete Fleischproben (in Prozent):

  1. Penny: 82 %
  2. Aldi (Süd und Nord): 75 %
  3. Netto: 58 %
  4. Lidl: 33 %
  5. Real: 33 %

Keine Resistenzen bei Fleisch aus Ökobetrieben

Germanwatch testete auch Fleisch aus Hofschlachtereien und gibt Entwarnung: Bei nur einer Probe wurde ein MRSA-Keim (Krankenhauskeim) gefunden. Bei den sechs Öko-Hähnchenfleischproben aus handwerklicher Schlachtung wurden gar keine resistenten Erreger festgestellt.  

Das Problem mit antibiotikaresistenten Keimen

Die Zahl der multiresistenten Keime wächst. Staphylokokken wie beispielsweise der Krankenhauskeim MRSA können über Wunden in die Blutbahn gelangen und Infektionen auslösen, die kaum behandelbar sind.

Ein Grund für die wachsende Zahl an resistenten Keimen ist die Verabreichung von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Zwar hat sich hier der Einsatz von Antibiotika in den letzten acht Jahren halbiert, er liegt aber noch immer höher als in Ländern wie Dänemark, Großbritannien oder Österreich.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit ungefähr 700.000 Menschen, bei denen Antibiotika nicht mehr wirken, an Infektionen. In Deutschland sind es nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts knapp 4.000 Menschen. 

Forderung: Reserveantibiotika in Nutztierhaltung verbieten

Germanwatch fordert vor allem ein Verbot der für den Menschen besonders wichtigen Reserveantibiotika in der Tierhaltung. Zudem müsse der Verbrauch an Veterinärantibiotika lückenlos erfasst werden, auch in der Futtermittelindustrie. "Die Antibiotikaresistenzen werden erst dann sinken, wenn die Bundesregierung das systembedingte Tierleid stoppt und Reserveantibiotika in Tierfabriken verbietet", so die Agrarexpertin von Germanwatch, Reinhild Benning.

Das sollten Verbraucher beachten

Für die Verbraucher sind die Keime nicht gefährlich, wenn sie Hähnchenfleisch immer gut erhitzen und sich an die Hygieneregeln halten:

  • Kühlkette beim Transport von Hähnchenfleisch nicht unterbrechen.
  • Hähnchenfleisch gut verpackt und getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren.
  • Küchengeräte wie Messer, Schüsseln und Schneidebretter nach dem Gebrauch heiß spülen.
  • Rohes Geflügelfleisch vor der Zubereitung nicht waschen.
  • Hähnchenfleisch vor dem Verzehr immer gut durchbraten oder garen und niemals roh essen.

Quelle: Germanwatch

Weiterlesen auf oekotest.de: