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21 Vegane Fertiggerichte im Test

ÖKO-TEST Mai 2018
vom 26.04.2018

Vegane Fertiggerichte

Fix & Fertig

Ob Chili sin Carne oder indisches Curry: Vegane Fertiggerichte gibt es für jeden Geschmack. Häufiges Problem: zu viel Salz. Wie sieht es mit Schadstoffen aus? Wie schmeckt das überhaupt? Wir haben 21 Convenienceprodukte ohne tierische Zutaten getestet.

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26.04.2018 | Vegan zu leben ist mehr als nur ein kurzfristiger Trend. Die Zahl der Veganer steigt seit Jahren, ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Mittlerweile ernähren sich rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland rein pflanzlich. Doch nicht nur strenge Veganer sind für die Lebensmittelindustrie eine neue, begehrte Zielgruppe: Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts TNS aus dem Jahr 2015 isst mehr als die Hälfte der Deutschen bewusst seltener Fleisch. Auch diese Flexitarier haben vegane Lebensmittel für sich entdeckt - insbesondere solche, die optisch und geschmacklich an die Lebensmittel erinnern, die der gemeine Mischköstler zu essen gewohnt ist.

Für die Hersteller ist der neue Markt eine Goldgrube. Denn Verbraucher, die sich für eine bewusste Lebensweise interessieren, geben gerne auch einmal ein bis zwei Euro mehr für vegane Lebensmittel - meist in Bio-Qualität - aus.

Das Angebot an rein pflanzlichen Speisen wächst daher stetig. Auch die Produktgruppe der Fertiggerichte erlebt einen Aufschwung. Laut Marktforschungsinstitut Mintel waren im Jahr 2013 gerade einmal 2,71 Prozent aller Fertiggerichte vegan. 2017 betrug der Anteil bereits 12,32 Prozent. Ein Umstand, den die internationale Ernährungsorganisation ProVeg, ehemals VEBU, ausdrücklich begrüßt. Je größer die Verfügbarkeit veganer Alternativen in allen Produktgruppen sei, desto mehr Menschen kämen mit pflanzlichen Lebensmitteln in Berührung und würden erkennen, wie einfach es sei, rein pflanzlich zu leben.

Auch die Tierrechtsorganisation PETA ist froh über jedes Produkt, das den Stempel "vegan" trägt. Ob aufwendig verpacktes Fertiggericht oder naturbelassenes Grundnahrungsmittel. "Wir wollen, dass die Menschen vegan leben. Und da hilft es natürlich, wenn sie überall dort vegane Lebensmittel erhalten, wo sie auch sonst immer einkaufen", sagt Felicitas Kitali, Fachreferentin für Ernährung bei PETA.

Aber was ist davon zu halten, wenn ehemals ausschließlich fleischverarbeitende Unternehmen plötzlich vegane Alternativen anbieten? Für ProVeg und PETA ist auch das "ein Fortschritt". Für Andreas Bender, Tierschutzaktivist und Chef einer veganen Druckerei, ist das ein absolutes No-go. "Menschen, die aus ethischen Gründen vegan leben, möchten Tierausbeutung verhindern. Wenn sie nun aber Produkte von beispielsweise Wiesenhof kaufen, unterstützen sie die dortige Tierausbeutung", sagt Bender. In seinen Vorträgen, die er bundesweit zum Thema Greenwashing hält, möchte Bender darauf aufmerksam machen, dass die großen Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht kleine Firmen mit ausschließlich veganer Produktpalette verdrängen.

Für ProVeg stehen die positiven Auswirkungen des veganen Engagements der großen Unternehmen im Vordergrund. Sie könnten Produkte schneller und günstiger auf den Markt bringen und diesen entsprechend beeinflussen. Auch PETA begrüßt die Signalwirkung, die der Einstieg der Fleischindustrie in den veganen Markt hat. Gleichzeitig hält Tierrechtlerin Kitali es trotzdem für die

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Das Angebot an veganen Fertiggerichten wächst stetig. Um den Markt möglichst breit abzudecken, haben wir sowohl Tiefkühl- und Kühlprodukte als auch Dosen- und Instantgerichte getestet. Innerhalb dieser Produktgruppen haben wir uns für jeweils eine Geschmacksrichtung entschieden. Das Testfeld setzt sich so aus sechs mediterranen, sieben asiatisch geprägten und aus acht Chili-sin-Carne-Gerichten zusammen.

Die Inhaltsstoffe
Haben die Hersteller in Sojaprodukten gentechnisch veränderte Bestandteile eingesetzt? Sind die Zutaten mit Pestiziden belastet? Wie sieht es mit der Verunreinigung der Produkte mit bedenklichen Mineralölbestandteilen oder giftigen Schwermetallen aus? Erfahrene Labore haben die Fertiggerichte auf all diese Parameter untersucht. Bei den Tiefkühl-, Kühl- und Instantprodukten lag unser Augenmerk außerdem auf der Keimbelastung, bei den Konserven wurde nach dem Hormongift Bisphenol A gesucht. Probleme bereitet auch ein zu hoher Salzkonsum. Das Labor hat daher in allen Gerichten den Salzgehalt analysiert.

Die Sensorik
Bei jeglicher Art von Fertiggericht steht die Frage im Raum: Schmeckt das denn auch? Sensorikexperten haben sich der Produkte angenommen und sie hinsichtlich Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz bewertet. Anschließend vergaben sie je eine Gesamtpunktzahl. 5,0 Punkte erhielt ein Gericht dann, wenn die Prüfer rundum zufrieden waren.

Die Weiteren Mängel
Unrealistische Portionsgrößen, unvollständige Zubereitungshinweise, ungenaue Nährstoffangaben: Hersteller machen es den Verbrauchern häufig unnötig schwer. Wir haben daher genauer auf die Verpackungen geschaut und zeigen auf, wo noch Nachholbedarf besteht.

Die Bewertung
Lebensmittel sollen möglichst frei von Schadstoffen sein. Zu viel Mineralöl, Arsen oder Cadmium führen daher zu Notenabzug. Es gibt aber auch Inhaltsstoffe, die zwar nicht schädlich, aber unnötig und umstritten sind oder die erst - wie Kochsalz - in größeren Mengen problematisch sein können. Dies alles berücksichtigen wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe, das maßgeblich das Gesamturteil bestimmt.

So haben wir getestet

"Stark zerschlagen": Abzug gab es für die Kidneybohnen, die zum Teil halbiert waren.

So haben wir getestet

"Schleimig": Die Sensorikprüfer waren mit der Konsistenz des Gerichts nicht ganz zufrieden.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 5/2018:

Vegane Fertiggerichte

Fix & Fertig.

Auch für Veganer muss es essenstechnisch manchmal einfach nur schnell gehen. Und für diese wachsende und begehrte Zielgruppe erweitern die Hersteller kontinuierlich ihr Sortiment mit Fertiggerichten ohne tierische Zutaten. ÖKO-TEST hat nun 21 sowohl vegane Tiefkühl- und Kühlprodukte als auch Dosen und Instantgerichte getestet. Haben die Hersteller in Soja-Produkten gentechnisch veränderte Bestandteile eingesetzt? Sind die Zutaten mit Pestiziden belastet? Wie sieht es mit der Verunreinigung der Produkte mit bedenklichen Mineralölbestandteilen oder giftigen Schwermetallen aus? Wie schmecken die Gerichte? Wie sehen sie aus? Wie ist deren Konsistenz? Das Testergebnis ist größtenteils erfreulich.