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Weihnachtsbäume mit gefährlichen Pestiziden belastet

Autor: Benita Wintermantel / Katja Tölle | Kategorie: Bauen und Wohnen | 16.12.2020

Weihnachtsbäume mit gefährlichen Pestiziden belastet
Foto: CC0 / Unsplash.com / Tj Holowaychuk

Die meisten Weihnachtsbäume stammen aus Betrieben, die heftig mit Pestiziden spritzen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Bund für Umwelt und Naturschutz. Besser sind Öko-Weihnachtsbäume und Bäume aus regionaler Forstwirtschaft.

Ein Weihnachtsbaum muss sein – da sind sich die allermeisten Deutschen einig. Und so werden auch dieses Jahr wieder rund 25 bis 30 Millionen Weihnachtsbäume in Deutschland gekauft und in ihrer vollen Pracht, mit vielen Kugeln und Figuren behangen, im Wohnzimmer aufgestellt. 90 Prozent der Bäume kommen aus Deutschland, das ist erstmal eine gute Nachricht. Die meisten Weihnachtsbäume sind aber keine gewöhnlichen Tannen, die bei uns beheimatet sind, sondern Nordmanntannen, die ursprünglich aus dem Kaukasus stammen. Die Tannen werden unter dem Einsatz von viel Wasser, Dünger, Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden auf Plantagen herangezogen.

Rund zwei Drittel der Weihnachtsbäume mit Pestiziden belastet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat jetzt Weihnachtsbäume untersuchen lassen: Bei rund zwei Drittel der Bäume wurden Pestizide gefunden. "Unser Test zeigt: Beim Anbau von Weihnachtsbäumen in Plantagen werden in großem Umfang Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt", so die BUND-Expertin Corinna Hölzel. "Besonders kritisch ist die hohe Mehrfachbelastung, viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt. Die Wechselwirkung der Einzelstoffe auf die menschliche Gesundheit ist nahezu unbekannt."

Zwar war die Stichprobe mit nur 23 getesteten Bäumen klein, aber die Ergebnisse sind dafür umso schockierender. Mit sieben Funden sehr häufig wurde das Insektenbekämpfungsmittel lambda-Cyhalothrin nachgewiesen. Es gilt als das schädlichste zurzeit in der EU zugelassene Pestizid. Es schädigt unter anderem Nervenzellen und das Hormonsystem, ist hoch giftig für Bienen und Wasserlebewesen und reichert sich auch in anderen Lebewesen an. In zwei Weihnachtsbäumen wurde das umstrittene Totalherbizid Glyphosat nachgewiesen. 

Der Einsatz von Pestiziden auf Plantagen ist vor allem ein Problem für die Artenvielfalt. "Die Gifte gelangen in Böden und Gewässer, sie töten und schädigen Bienen und andere Insekten und zerstören Lebensräume von Nützlingen. Vier der gefundenen Wirkstoffe sind hoch giftig für Bienen", sagt die BUND-Pestizidexpertin. 

Die besten Weihnachtsbäumem sind Öko-Bäume oder welche aus dem regionalen Forst.
Die besten Weihnachtsbäumem sind Öko-Bäume oder welche aus dem regionalen Forst. (Foto: Shutterstock / Happy Hirtzel)

Pestizidfrei: Bio-Weihnachtsbäume

Der Tipp der Umweltschutzorganisation lautet: "Umweltfreundlicher ist es, sich für eine heimische Fichte, Kiefer oder Weißtanne als Weihnachtsbaum zu entscheiden, die aus einer Öko-Weihnachtsbaum-Plantage oder aus dem Wald stammt." 

Für den biologischen Weihnachtsbaum spricht so einiges: Die für Neupflanzungen vorgesehene Flächen werden nicht mit Herbiziden kahl gespritzt. Als "Gras- und Unkrautvernichter" werden Schafe eingesetzt. Sie halten das Gras zwischen den Bäumen kurz und düngen gleichzeitig mit ihren Ausscheidungen die Anbaufläche. Bio-Bäume werden unter strengen ökologischen Kriterien gepflanzt, auf Pestizide und Düngung wird verzichtet.

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Woran kann ich einen ökologischen Weihnachtsbaum erkennen?

Ökologische Weihnachtsbäume tragen ein FSC-, Naturland-, Demeter-, Bioland-Siegel oder das Bio-Siegel der Europäischen Union. Bio-Tannen sind nicht wesentlich teurer, sie sind allerdings nicht überall zu haben. Das Angebot wächst von Jahr zu Jahr: Inzwischen gibt es deutschlandweit ungefähr 750 Verkaufsplätze. 

Gute Alternative: Heimische Weihnachtsbäume

Es muss nicht unbedingt ein Öko-Baum sein. Regionale Forstbetriebe baumen heimische Fichten, Kiefern oder Tannen auf sogenannten Sonderflächen unter Trassen für Hochspannungsleitungen an – eine gute Alternative zu den gespritzten Bäumen von den Weihnachtsbaum-Plantagen. Die Bäume haben kurze Transportwege und schneiden damit in puncto Ökobilanz gut ab. Und: An den Adventswochenenden finden in den Forsten oft Aktionen statt, bei denen man sich seinen Weihnachtsbaum selbst aussuchen und absägen darf. 

  • Tipp: Auf proplanta.de sehen Sie, wo Sie Ihren Baum selbst schlagen können. 
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Natürliche Weihnachtsbäume sind klimaneutral

Wer Bedenken hat, sich einen echten Baum zum Weihnachtsfest ins Wohnzimmer zu stellen, darf beruhigt sein: Natürlich gewachsene Weihnachtsbäume sind in der Regel klimaneutral. Zumindest, wenn sie aus der Region stammen. Währends ihres Wachstums verarbeiten die Tannenbäume klimaschädliches Kohlendioxyd aus der Atmosphäre. "Bei der späteren Verwertung des Baumes aber weniger CO2 freigesetzt, als vorher gespeichert wurde", erklärt Saskia Blümel vom Verband Natürlicher Weihnachtsbaum e.V. Das Fazit: Ein natürlicher Weihnachtsbaum darf bedenkenlos ins Wohnzimmer gestellt werden.

Weihnachtsbaum im Topf

Eine schöne Alternative zum Weihnachtsbaum, der spätestens Anfang Januar nur noch lästig ist, ist ein Weihnachtsbaum mit Wurzelballen. Den können Sie nach der Weihnachtszeit im eigenen Garten einpflanzen. Plastikbäume sind keine gute Idee, ihre Ökobilanz ist deutlich schlechter. Zwar kann der künstliche Baum immer wieder verwendet werden, da sie meist aus China kommen, ist ihr ökologischer Fußabdruck schon allein wegen des langen Transportwegs groß. Auch bei mehrjährigem Gebrauch landet die Plastiktanne früher oder später auf dem Müll und setzt beim Verbrennen Giftstoffe frei.

(Foto: Shutterstock / BublikHaus)

Macht der Weihnachtsbaum im Topf Sinn?

Topf klingt erst einmal gut. Etwa jeder zehnte Baum wird laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SdW) inzwischen im Topf verkauft. Die Wurzeln sind noch dran, nach Weihnachten können die Bäume wieder ausgepflanzt werden. Alles schön, oder? Stopp, langsam, sagt Rudolf Fenner, Waldexperte bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood. "Zunächst einmal: Die wenigsten Weihnachtsbäume, die im Topf angeboten werden, können überhaupt ausgepflanzt werden." Denn: Die Wurzeln werden so weit gekappt, dass sie in den Topf passen. "Von solchen Bäumen wird kaum einer anwachsen", weiß der Experte. Wenn, dann müssten die Bäume tatsächliche auch in den Töpfen gewachsen sein. Solche Bäume gibt es zwar, die sind aber deutlich teurer.

Topf-Weihnachtsbäume nicht gleich nach Weihnachten einpflanzen

Und dann gibt es auch noch einiges zu beachten. Im warmen Wohnzimmer werden die getopften Bäume nämlich aus ihrem "Winterschlaf" geweckt, sagt Fenner. "Sie verlieren ihre Frostresistenz" – und ihre Knospen schalten auf baldigen Austrieb um. Deshalb gilt: Nach Weihnachten nicht gleich auspflanzen, sondern erst einmal an einem "kühlen, aber frostfreien Platz wieder in den Winterschlafmode bringen."

Weihnachtsbaum im Topf mieten

Immer mehr Gartenbaubetrieben bieten mittlerweile einen Weihnachtsbaum-Miet-Service an:  Der Weihnachtsbaum wird angeliefert und nach dem Fest wieder abgeholt und erneut eingepflanzt. Im Internet werden Sie fündig, wo es in Ihrer Region einen nachhaltigen Weihnachtsbaum zu mieten gibt.

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