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Schreibtisch im Schlafzimmer: Wie Sie Ihren Arbeitsplatz im Home-Office optimal einrichten

Autor: Redaktion | Kategorie: Bauen und Wohnen | 13.01.2021

Schreibtisch im Schlafzimmer Arbeitsplatz Home-Office
Foto: goodluz/Vera Petrunina

Ein Schreibtisch oder Arbeitsplatz im Schlafzimmer ist sicher keine optimale Lösung, aber mit einigen Kniffen und Einschränkungen kommen Computer und Bett doch ganz gut miteinander klar. Wir geben Tipps für die Raumgestaltung und erklären, worauf Sie im Home-Office achten müssen.

  • Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass mehr Menschen von Zuhause aus arbeiten. Häufig ist der Platz knapp – und im Notfall muss das Home-Office im Schlafzimmer untergebracht werden.
  • Mit guter Planung und unseren Tipps können Sie auch im Home-Office im Schlafzimmer effektiv arbeiten.
  • Wichtig sind eine gute Aufteilung und die Minimierung von Schadstoffen und Elektrosmog.

Home-Office: Den Arbeitsplatz abtrennen

Ideal fürs Home-Office ist ein separates Zimmer. Doch die meisten Wohnungen sind zu klein. Es findet sich kein Platz, an dem man arbeiten oder lernen kann. Dann rückt rasch das Schlafzimmer ins Visier. Fragt man Mediziner und Psychologen, passen Arbeit und Schlafen allerdings nicht wirklich zusammen.

"Vom Arbeitsplatz im Schlafzimmer würde ich eigentlich abraten, auch wenn es dort oft am ruhigsten ist", sagt Dr. Barbara Perfahl, denn das Schlafzimmer sollte ein Ort der Erholung sein, ein besonders persönlicher Bereich der Wohnung. "Gedanken an unerledigte Aufgaben und Arbeitsstress haben hier nichts verloren", so die Diplompsychologin und Buchautorin, die 2009 ihre Leidenschaft fürs Einrichten zum Beruf gemacht hat und sich seitdem intensiv mit dem Thema Wohnen und Psychologie beschäftigt.

Arbeiten im Schlafzimmer: Stehtisch als Option

Findet sich kein anderer Raum für den Heimarbeitsplatz als das Schlafzimmer, überlegt man am besten zuerst, welche Tätigkeiten unabweisbar dort ausgeführt werden sollen und welche Hilfsmittel und Materialien man dafür braucht. Denn davon hängt der Bedarf an Stauraum und Arbeitsfläche ab.

Wer nur ein Notebook und maximal einen Schreibblock benötigt, kommt mit einem kleinen Sekretär oder einem Klapptisch zurecht. Ist man mit Akten, vielen Büchern oder gar Plänen zugange, ist ein richtiger Schreibtisch die bessere Wahl. Manchmal ist auch ein mobiler Stehtisch für viele Aufgaben völlig ausreichend. Positiver Nebeneffekt: Er bringt den Schreibtischtäter in Bewegung, zum Beispiel beim Telefonieren.

Zu Hause arbeiten: Homeoffice gehört für viele Menschen zum Alltag.
Zu Hause arbeiten: Homeoffice gehört für viele Menschen zum Alltag. (Foto: fizkes/Shutterstock )

An Kompromissen kommt man allerdings trotzdem selten vorbei, denn Schlafzimmer sind meist nicht groß genug, um zwei solch gegensätzliche Wohnbereiche wie Arbeiten und Schlafen störungsfrei installieren zu können. "Es gibt aber gute gestalterische Lösungen, mit denen man beides in einem Zimmer unter einen Hut bringt", sagt die Innenarchitektin Ute Günther aus dem bayerischen Schöffelding. Für die Einrichtung eines Arbeitsplatzes im Schlafzimmer bedeutet das, die Bereiche optisch und räumlich möglichst gut zu trennen. "Wer Arbeitsutensilien wegräumen beziehungsweise hinter einer Türe oder einem Vorhang unsichtbar machen kann, schaltet abends auch besser ab", erklärt die Wohnberaterin.

Der Schreibtisch im Schlafzimmer 

Die einfachste Möglichkeit dafür ist ein an der Wand montierter Arbeitstisch zum Wegklappen. Oder die Arbeitsfläche wird in ein Sideboard integriert und verschwindet wie in einer Schublade. In diesen Fällen muss man allerdings jedes Mal ordnen und zusammenpacken, wenn die Arbeit erledigt ist. Auch sind solche Arbeitsflächen ziemlich schmal und nicht besonders tief.

Wer hier intensiv arbeitet, wünscht sich rasch einen richtigen Tisch. Der steht dann idealerweise in der Nähe des Fensters mit Blick ins Grüne. "Wer den Blick zwischen Computerbildschirm und der Natur schweifen lässt, ist nachweislich leistungsfähiger und regeneriert schneller", weiß Wohnpsychologin Perfahl.

Ausreichend Stauraum fürs Home-Office schaffen 

Damit sich nicht gleich das Chaos ausbreitet, kombiniert man mit dem Arbeitsplatz am besten ausreichend Stauraum. Eine Möglichkeit dazu sind flexible Rollcontainer. Die kann man unter dem Tisch verstecken, für mehr Beinfreiheit verschieben oder auch hinter einer Schiebetür verschwinden lassen.

Etwas teurer, aber für viele Menschen ideal für strukturiertes Arbeiten und Aufräumen sind Container mit Hängeregistratur, in denen die Unterlagen projektweise gesammelt sind. Ist die Aufgabe erledigt, wandert das Papier samt Hängemappe in eine Archivbox aus Pappe - oder gleich in die Papiertonne. Denn Ausmisten und Wegwerfen ist im Schlafzimmerbüro noch wichtiger als im separaten Arbeitsraum, der für Unordnung einfach mehr Platz bietet.

Ein Regal als Raumteiler im Schlafzimmer

Stauraum schaffen und gleichzeitig die Blickbeziehung zwischen Bett und Arbeitsplatz trennen, das funktioniert gut mit einem Regal oder einem Sideboard. Halbhoch als Raumteiler quer ins Zimmer gestellt, trennt es die Funktionsbereiche. Ob das Möbel an beiden Seiten offen bleibt oder die dem Bett zugewandte Seite geschlossen wird, ist eine Frage der Lichtverhältnisse und des persönlichen Geschmacks.

Ist der Raum groß genug, sind Schiebetüren eine platzsparende und optisch ansprechende Variante. Die individuell angefertigten Raumteiler sind wenige Zentimeter schlank und haben unterschiedlichste Materialien und Farben – von kühlem Aluminium bis zur floralen Stoffbespannung. Nach getaner Arbeit verschwindet der Arbeitsplatz mit einer Handbewegung. Finanziell ist diese Lösung allerdings am oberen Ende der Skala angesiedelt.

Arbeiten im Schlafzimmer: Idealerweise steht der Tisch in der Nähe eines Fensters.
Arbeiten im Schlafzimmer: Idealerweise steht der Tisch in der Nähe eines Fensters. (Foto: dedeejune/Shutterstock )

Fläche mit Bettschubladen kompensieren 

Bei all diesen Überlegungen darf das Bett als das eigentlich wichtigste Möbel im Raum nicht aus dem Blick geraten. Eine Oase der Ruhe und Erholung soll es sein, auch wenn es sich den Platz mit dem Home-Office teilen muss. Den Verlust an Fläche und Stauraum können Bettschubladen kompensieren. Diese dürfen nicht zu voll sein, um die Luftzirkulation unter der Matratze nicht zu behindern. Mehr Volumen bieten halbhohe Schränke, die mithilfe einer selbst oder vom Schreiner gebauten Unterkonstruktion unter dem Bett platziert werden.

Für Schüler, Studierende und beweglich Gebliebene ist ein Hochbett eine Antwort auf die Doppelnutzung. Genügend Licht und Raumhöhe vorausgesetzt, passt der komplette Arbeitsplatz unter die Schlafstatt. Oder der Schreibtisch steht am Fenster, dafür wandert das Sofa unters Hochbett. Welche platzsparende Konstruktion auch immer zum Einsatz kommt: Eine gute, schadstoffarme Matratze und ein möglichst individuell einstellbarer Lattenrost sind Grundvoraussetzung, um ausgeruht seiner Heimarbeit nachzugehen. Mit Bildern, Kissen, farbiger Bettwäsche und Lieblingsdingen als Deko trennt man die Ruhezone optisch vom Arbeitsbereich.

Arbeitsplatz im Schlafzimmer: Schadstoffe

Auch gesundheitlich ist ein Arbeitsplatz im Schlafzimmer die zweitbeste Lösung. Schadstoffemissionen und elektromagnetische Belastungen sollten so gering wie möglich bleiben. Laserdrucker oder Laser-Multifunktionsgeräte setzen im Betrieb atemwegreizendes Ozon und krebserregende Tonerpartikel frei und stehen idealerweise in einem anderen Raum. Muss es doch das Schlafzimmer sein, sollte man regelmäßig und besonders vor dem Schlafengehen gut lüften und Tonerpartikel mit einem auf die Lüftungsöffnung geklebten Filter zurückhalten. Auch lösemittelhaltige Schreibgeräte, Kleber oder Farben bleiben möglichst vor der Tür.

Lesetipp: Ratgeber individuelle Betten

Elektronische Geräte sind mit Flammschutzmitteln ausgerüstet. Nicht immer kommt man aber ohne diese aus. Deshalb intensiv riechende Modelle gar nicht erst anschaffen oder möglichst bald austauschen. Auf Schadstoffemissionen geprüfte (Büro-)Möbel sind leider Ausnahme. Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel hat ein Emissionslabel entwickelt, das in vier Stufen (A bis D) gesundheitlich gute von gesetzlich noch ausreichenden Produkten unterscheidet (dgm-moebel.de). Auch das Ökocontrol-Zeichen des Verbandes ökologischer Einrichtungshäuser weist auf gute Produkte hin (oekocontrol.com).

Vorsicht bei Renovierungsarbeiten sowie bei der Verwendung von Holzölen und -wachsen: Was anfangs akzeptabel riecht, kann im Schlafzimmer unangenehm bis belastend sein. Naturholzregale behandelt man besser im Freien oder in der Kellerwerkstatt, lässt das Möbel dort einige Tage auslüften.

Elektrosmog und Schlafqualität

Elektromagnetische Felder, umgangssprachlich Elektrosmog, können die Schlafqualität beeinträchtigen, auch wenn man sie weder riecht noch sieht. Wer rund ums Bett die Belastung reduzieren möchte, lässt vom Elektriker einen Netzabkoppler einbauen, der zur Schlafenszeit die Verbindung zur Elektroinstallation trennt. Geräte wie Telefon, Router oder Fax können dann aber "vergesslich" werden. Als kleine Lösung nimmt eine schaltbare Steckerleiste Geräte komplett vom Netz.

WLAN-Router und schnurlose DECT-Telefone haben in der Nähe des Schlafplatzes nichts zu suchen. Kabelgebundene Geräte sind weniger belastend. Wer auf schnurlosen Komfort nicht verzichten will, kann bei vielen Routern oder Telefonen das Funknetz in der Nacht abschalten oder die Funkleistung reduzieren.

Doch nicht nur Geräte müssen abschalten, auch Menschen. "Neben einer fest geplanten Arbeitszeit sind Rituale bei der Heimarbeit wichtig", sagt Wohnpsychologin Barbara Perfahl. Um gedanklich den Arbeitstag abzuschließen, kann man sich zum Beispiel eine Tasse Tee holen, Musik einschalten und sich zehn Minuten Zeit nehmen, um den Schreibtisch aufzuräumen. So gewinnt das Home-Office ganz neue Qualitäten, zur Not eben auch im Schlafzimmer.

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